Le livre du mois:
"Chourmo" von Jean-Claude Izzo
Nouveautés/Wichtige Neuerscheinungen:
Literatur zur
Intellektuellendebatte in Frankreich
Fiktion
Sachbuch
Didaktik
Ein herausragender Artikel:
Fritz
J.Raddatz: Königreich Gallimard
Michael
Kohlhauer: Graffiti als Poesie der Straße.
Ein kulturdidaktischer Beitrag zur Wortschatzarbeit
im Französischunterricht.
Ein (verspäteter) Nachruf auf Mai 68
Dagmar Abendroth-Timmer bespricht: Ulrich Wickert (1999): Vom Glück, Franzose zu sein
Matthias Walter bespricht: Internet für Romanisten
Alternatives Economiques
Le journal
Les livres
Schwarzes
Brett
Von der Klassenpartnerschaft
bis zum französischen Stammtisch
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Le bonbon du mois:
"Il ne faut pas" von Jacques Prévert
Il ne faut pas laisser les intellectuels jouer avec des allumettes
Parce que Messieurs quand on le laisse seul
Le monde mental Messssieurs
N'est pas du tout brillant
Et sitôt qu'il est seul
Travaille arbitrairement
S'érigeant pour soi-même
Et soi-disant généreusement en l'honneur des travailleurs du bâtiment
Un auto-monument
Répétons-le Messsssieurs
Quand on le laisse seul
Le monde mental
Ment
Monumentalement.
Man darf nicht...
Intellektuelle darf man nicht mit Zündhölzern spielen lassen
Denn, meine Herren, wenn man sie alleine läßt
Die mentale Welt, meine Herrrren
Hat sie überhaupt nichts Glanzvolles
Und sobald sie allein ist
Schafft sie Willkürliches
Errichtet für sich selber
Und scheinbar großmütig zu Ehren der Bauarbeiter
Ein Monument sich selbst zu Ehren
Wiederholen wir es, meine Herrrrren
Wenn man sie alleine läßt
Die mentale Welt
Lügt sie
MonumentalFür Christine übersetzt K. und S.
(Jacques Prévert, Paroles, Gallimard, Paris 1949, Seite 212)
Le livre du mois:
"Chourmo" von Jean-Claude Izzo
Unionsverlag, 2000, 16.90-DM(Einer der besten Kriminalromane Frankreichs, spannend und politisch korrekt, die Marseiller Machenschaften beschreibend und gleichzeitig eine Lebensweise in Szene setztend. Vom gleichenAutor ist übersetzt: "Total Cheops" Unionsverlag, 2000, 16.90-DM, ein wenig verwirrender geschrieben, aber noch näher dem Milieu, einen Tick weniger spannend)
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Nouveautés/Wichtige Neuerscheinungen:
Literatur zur Intellektuellendebatte in Frankreich
-Esprit Mars/Avril 2000 (3-4) Splendeurs et misères
de la vie intellectuelle I
(mit Beiträgen von Michel Winock, Francois
George uva.)
-Esprit Mai 2000 (5) Splendeurs et misères de la vie intellectuelle II
-Le Débat Mai/Aout 2000 Changement intellectuel,
changement des intellectuels
(mit Beiträgen von Pierre Nora, Michel
Winock. Jean-Fancois Sirinelli uva.)
Michèle Desbordes: Die Bitte, Wagenbach, Berlin 2000, 34.00-DM.
Dominique Jamet: Un petit Parisien, Flammarion, Paris 2000.
Monique Dannhauser: Aus Frankreich
nach Deutschland. Die französischen Hugenotten und ihr Sproß
Jacques-Egide Duhan de Jandun,
Präzeptor
des Preußenkönigs Friedrich II, Hänsel-Hohenhausen, Engesbach
u.a. 1999.
Simone Delattre: Les douze heures noires. La nuit à Paris au XIXe siècle, Albin Michel, Paris 2000.
Hans-Jürgen Lüsebrink (Hrsg.): Die französische Kultur -interdisziplinäre Annäherungen, AUS, St.Ingbert 1999.
Bernard Noel: La Commune, Editions Nathan, Paris 1998.
Michel Pincon/Monique Pincon-Charlot: Paris Mosaique, Calmann-Lévy, Paris 2001.
Harald Weinrich: Linguistik der Lüge, Beck, München 2000.
Dagmar Abendroth-Timmer/Gerhard Bach: Mehrsprachiges
Europa, Narr Verlag, Tübingen 2001.
(Die Festschrift für Michael Wendt
zum 60 Geburtstag enthält Beiträge von Bach bis Bredella und
von Wernsing bis Zimmermann)
Daniela Caspari/Andrea Schinschke: Lernen
in mehreren Kulturen. Zum Einsatz von Kinder- und Jugendbüchern für
Ziele des
interkulturellen Lernens. In: Französisch
Heute 4/2000, 468-479.
Deutsch-Französisches Jugendwerk (Hrsg.) Die
Tandem-Methode. Theorie und Praxis in deutsch-französischen Sprachkursen.
Stuttgart u.a., Klett 1999, 24.80.
Klaus Detering (Hrsg.): Wortschatz und Wortschatzvermittlung, Lang, Frankfurt 2000.
Renate Fery/Volker Raddatz (Hrsg.): Lehrwerke und ihre Alternativen, Lang, Berlin u.a., 2000.
Französisch Heute bringt mit 4/2000 ein Themenheft zum Frühbeginn Französischunterricht heraus.
Französisch Heute bringt mit 2/2000 ein Themenheft zum Literaturunterricht.
Wilfried Hendricks (Hrsg.): Neue Medien in der
Sekundartsufe I und II. Didaktik, Unterrichtspraxis. Cornelsen, Berlin
2000, 24.90-DM.
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Das Haus Gallimard in der Pariser Rue Sébastien-Bottin Nummer 5 ist eine nationale Institution; wenig übertrieben kann man es den Louvre der Bücher nennen. Bei einer der in diesem Gewerbe unvermeidlichen Krisen intervenierte Staatspräsident Mitterrand. Wer im benachbarten Hotel Pont Royal absteigt - seine Bar war einst Hemingways Hauptquartier, ob Sartre oder García Márquez oder Italo Calvino: Man konnte sie alle dort treffen - und wer nicht aussieht wie ein Bankangestellter, wird bereits vom Concierge gefragt: "Ah, Sie sind Schriftsteller? Gewiss Gallimard-Autor?"
Der Enkel des Verlagsgründers Gaston, Antoine Gallimard, kann in aller Bescheidenheit sagen: "Dieses Haus repräsentiert drei Viertel des französischen Literaturerbes." Wohl wahr: ob Proust oder Céline, ob Sartre oder Aragon, ob Camus oder Saint-Exupéry, ob Apollinaire oder Malraux, ob Paul Valéry oder Paul Eluard - die Liste der Autoren ist Ehrfurcht gebietend. Eine Akademie des Geistes. Schon bei Gründung des Hauses 1911, als Gaston Gallimard aus der drei Jahre zuvor geschaffenen Zeitschrift NRF (Nouvelle Revue Française) einen Buchverlag formte, war er umgeben von Beratern wie André Gide und Jean Schlumberger. "Wir waren eine kleine Gruppe von Freunden", schilderte er später das Abenteuer, "die sich für Bücher, für Literatur interessierten, und weil wir fanden, dass die anderen Zeitschriften nicht freundlich genug von dem sprachen, was wir liebten, gründeten wir 1908 eine eigene. Nach zwei Jahren genügte uns die Zeitschrift nicht mehr, und so haben wir 1911 einen kleinen Verlag gegründet."
Das erste Buch der Librairie Gallimard war Paul Claudels Drama Die Geisel, es folgte André Gides Isabelle; 43 Jahre später erschien der voluminöse Briefwechsel zwischen dem Verleger und Claudel. Wobei der Schwarze Peter der sagenumwobenen Ablehnung der ersten Proust-Manuskripte als "Literatur von und für Baronessen und Duchessen" - Gaston Gallimard übernahm den Autor, mit dem ihn dann eine lebenslange Freundschaft verband, später von Grasset - zwischen diversen Beratern hin und her geschoben wird.
Der Gründer jedenfalls ist eine legendäre Gestalt des französischen Geisteslebens, Spross einer Industriellenfamilie, als junger Mann ein Playboy mit Geschmack an Sportwagen, schönen Frauen, rasanten Festen; aus Spaß kaufte er sich ein eigenes Theater, sammelte aber auch Kunst, Renoir etwa. Zehn Jahre nach Verlagsgründung (André Gides Tochter besaß lange Zeit Aktien des Verlags) kam der erste Prix Goncourt; inzwischen eine Art "Hausmedaille": Es begann 1920 mit dem ersten Band von Prousts Auf der Suche nach der verlorenen Zeit und hält heute ungefähr bei Nummer 40. Sein Sohn Claude war in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eine Art Doyen des europäischen Verlagswesens, in dessen Salon eingeladen zu werden ein Ritterschlag war; beiläufig war er der einzige Verleger, der mit einer Sondererlaubnis im Privatwagen über das Frankfurter Messegelände chauffiert werden durfte. Er baute mit mehreren Taschenbuchreihen - einige davon in enger Kooperation mit Rowohlt - den Verlag so erfolgreich aus, dass sein "erwählter" Sohn für das Jahr 1999 den Umsatz von einer Milliarde Franc verkünden kann (etwa 300 Millionen Mark; im Vergleich: Rowohlt-Umsatz etwa 115 Millionen Mark).
Die Nachfolgefrage war ein Dallas in Saint-Germain des Prés
Erwählt wird der heutige Firmenchef Antoine deshalb genannt, weil schon in den letzten Jahren des schließlich schwer kranken Claude und heftiger noch nach seinem Tod eine Art Atriden-Drama im Hause Gallimard stattfand. Böse Zungen nannten es "Dallas in Saint-Germain des Prés". Genüsslich breitete die internationale Presse - noch zu Lebzeiten Gastons wurde allzu gerne dessen Satz über seine geschiedene Ehefrau Simone, der er den renommierten Verlag Mercure de France gekauft hatte, kolportiert: "Es ist billiger, ihr einen Verlag zu kaufen, als sie täglich durch die Luxusboutiquen ziehen zu lassen" - nun die Details der Erbauseinandersetzung zwischen den Geschwistern Françoise, Isabelle, Christian und Antoine aus. Wer vom Vater wie viele Anteile und womöglich unrechtmäßig erschlichene halte, wer sie an wen und für wie viel weiterzuverkaufen beabsichtige beziehungsweise auch verkauft hat (Isabelle ihre 12,5 Prozent für viele Millionen Franc an die Banque Nationale de Paris) und wer endgültig, aber eventuell doch nicht gültig vom alzheimerkranken Vater zum König im Royaume Gallimard eingesetzt worden sei: Es gab nicht nur Klatschgeschichten und Berichte der Wirtschaftspresse - Gallimard ist nicht zuletzt millionenschwerer Immobilieneigentümer im teuren Viertel Saint-Germain des Près -, es gab auch Warnungen und Proteste von immerhin 58 Autoren wie Milan Kundera oder Marguerite Duras. Vieles aus dieser Familie - der Reichtum; der Glanz der publizierten Autoren; der Schreckenstag, an dem Gaston Gallimards Neffe Michel den Nobelpreisträger Camus in den Tod fuhr; die öffentlich beim Erbstreit der Kinder intervenierende Mutter, all das ist geradezu fernsehverdächtig und lässt Intrigen in den Verlagshäusern von Frankfurt, München oder Reinbek eher provinziell erscheinen. Niemand in der Rue Sébastien-Bottin scheint mondäne Vergleiche zu scheuen - auf Vorhalten eines Journalisten, ob der Motor unter der Haube der Luxuskarosse wohl defekt sei, antwortete Antoine Gallimard unbekümmert: "Im Gegenteil, wir genießen das Image des Rolls-Royce, und der Motor arbeitet vorzüglich." Das scheint zu stimmen. Seit geraumer Zeit ist das Schiff in ruhigen Gewässern, Antoine Gallimard hält die Aktienmehrheit, viele Fremdbeteiligungen (wie die des italienischen Verlegers Einaudi) sind zurückgeflossen, schon 1989 konnte er meinem Freund Christoph Graf Schwerin in den Interviewblock diktieren: "Wir haben ja nicht einen Wald am Amazonas geerbt, den man einfach in vier Stücke aufteilen kann."
Dennoch häufen sich im literarischen Milieu von Paris die warnenden Stimmen: dass Gallimard John Updike verloren habe, sei ein Alarmzeichen so gut wie Bücher von Le Clézio und Sollers, die in anderen Häusern erschienen; dass die innere Apparatur des Verlages veraltet sei; dass man vergebens auf Mut, Fantasie und Kühnheit beim Suchen beziehungsweise Finden brillanter junger Autoren warte. Einer der wichtigsten Lektoren, Pascal Quighard, verließ vor fünf Jahren das Haus mit dem Satz: "Heute macht man bei Gallimard keinen Unterschied mehr zwischen einem kommerziellen Schriftsteller und einem großen Autor, der sich gut verkauft." Dagegen erklärt sich der 52-jährige Verlagschef expressis verbis als in der Tradition des Hauses stehend - "Als oberstes Gebot wurde mir beigebracht, dass man seinen Autoren stets sehr nahe sein muss" - und sieht in jeder einseitigen Gewinnorientierung den "Tod der Literaturförderung".
Zwei Eindrücke paaren sich dem deutschen Besucher: altmodisch und flexibel. In dem verschachtelten Stadtpalais - in Wahrheit vier Häuser, der Eingang schlichter als der einer Stadtsparkasse - sitzen die Mitarbeiter in winzigen Büros; keine Kendziapalmen, kein Marmor, keine Knautschledergarnituren, keine Vorzimmer. Die etwa 30 Lektoren, die tatsächlich die 7000 pro Jahr eingesandten Manuskripte prüfen - "Drei davon kommen eventuell infrage", erzählt Monsieur Grenier -, sind unabhängige Fürsten. Dass ihnen das Einbeziehen kommerzieller Überlegungen abverlangt werden könnte, ist keinem von ihnen vorstellbar. McKinsey halten sie für eine Fast-Food-Marke. Ihre Voten richten sich ausschließlich nach literarischen Kriterien. Diese Gutachten - oft mit der Hand geschrieben - werden auf einem Vordruck abgegeben, häufig durch eine zweite oder dritte Meinung ergänzt. Das Konzilium des Königreichs ist das berühmt-berüchtigte Comité de Lecture, dem aber nicht nur angestellte Lektoren angehören, sondern auch Autoren des Hauses wie Le Clézio oder Michel Tournier. Vor etwa zehn Jahren machte gar das Buch des ehemaligen Gallimard-Lektors Michel Deguy mit dem Titel Le Comité Furore, dem Le Monde einen Artikel Hinter den Kulissen eines großen Hauses widmete. Ob ein Lektor einen Bestseller, ein Buch mit 800 Exemplaren Auflage oder einen Nobelpreisträger zu "verantworten" hat, ändert an seinem Status im Hause gar nichts. In einem der Kämmerchen residiert etwa der renommierte Herausgeber der Zeitschrift Débat, Pierre Nora, in einem anderen ein kluger Essayist, der eine eigene Buchreihe verantwortet; vier Bände pro Jahr!
Zugleich macht die Zeit nicht Halt an der schmalen Haustür Nummer 5: Die Presseberichte über Beteiligungen, Neuerwerbungen anderer Verlage, Internet-Aktivitäten sind kaum mehr zu summieren. Dem schon seinerzeit höchst erfolgreichen Kinderbuchprogramm, das Claude Gallimard initiierte, folgt man mit der 35-Prozent-Beteiligung am auf Ratgeber und Jugendbücher spezialisierten Mango-Verlag (allein 13 Zeitschriften); 50 Prozent Anteile gehören seit Januar 2000 Gallimard am Unternehmen Gallimard Bayard Jeunesse - damit vor den Konkurrenten Hachette und Havas größter Anbieter auf dem französischen Kinder- und Jugendbuchmarkt. Nicht verwunderlich bei dem Fundus berühmter Autoren, dass seit 1999 auch eine Hörbuchreihe herausgegeben wird. Kaum war die wichtigste Fremdbeteiligung - 12,5 Prozent Anteile, die die größte französische Verlagsgruppe Havas hielt - 1999 zurückgekauft, wurde im April 2000 bereits die CD-ROM-Firma Bibliopolis erworben, die über 4000 digitalisierte Werke der französischen Literatur verfügte und die zusammen mit Gallimard Numérique vom Reiseführer bis zum Nobelpreisträger-Gallimard-Titel über das Internet vertreiben sollte. Sollte: Nach Auseinandersetzungen zwischen Antoine Gallimard und dem Generaldirektor des Unternehmens, Pierre Cohen-Tangui, verließ dieser das Haus, die Internet-Aktivitäten wurden - bis auf ein eigenes Vertriebsnetz - eingeschränkt.
Hier Gallimard-Loisir, da die Bibliothèque de la Pléiade, dort die Série noire: so völlig verstaubt kann ein Unternehmen mit weit über 1000 Mitarbeitern und einem Umsatz von weit über einer Milliarde Franc nicht sein. Die Quadratur des Kreises scheint gelungen. Noch immer kursieren die "schönen alten Geschichten" in den Fluren und den benachbarten Cafés: von Sartre, dessen Trinkgelder höher waren als die Rechnung; von Claude Gallimard, den man auch "Ludwig XIV." nannte, vor allem wenn er einen mehrköpfigen Voraustrupp nach Frankfurt schickte, um die besten Restaurants ausfindig zu machen; vom Krach zwischen Malraux und Sartre, in dessen Verlauf der Herausgeber seine Zeitschrift Les Temps Modernes im Konkurrenzverlag Julliard erscheinen ließ - "Ein wirklicher Demokrat", soll Gaston Gallimard aufatmend gesagt haben. Anekdoten, gewiss. Doch auch Anekdoten brauchen einen Nährboden. Der heißt im Hause Gallimard: liebevolle Sorgfalt, Respekt vor dem Schriftsteller. Letzten Endes ist der Autor hier König.
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Eloquent wie gewohnt und erwartet plaudert Ulrich Wickert in 17 kleinen
Kapiteln über die Franzosen. „Frankreich lieben heißt für
etwas schwärmen, das so zu sein scheint wie das Glück, von dem
man träumt.“ (ebd.: 9) Dieser Satz bildet den Kerngedanken zumindest
des ersten Kapitels. Dabei ist sich Wickert seiner leicht stereotypisierenden
Darstellungsweise durchaus bewusst und er thematisiert dies in einer vergnüglichen
Art, die selbst die kritischsten Leser/innen besänftigt. Es geht ihm
aber in diesem Büchlein überhaupt nicht nur darum, dem Traum
vom Glück zu erliegen, sondern er scheut sich nicht, auch alptraumhafte
Wolken über dem französischen Himmel aufziehen zu lassen.
Es folgen den netten Franzosen im nächsten Kapitel die weniger
liebenswerten, denen man im alltäglichen Leben begegnen muss. Gespickt
wird all dies mit wissenden Schilderungen zu Brauchtum, Festen, Symbolen
und sprachlichen Besonderheiten, die auch in ihrer geschichtlichen Entstehung
zum besonderen Interesse der Leser/innen erklärt werden. Die französische
Küche darf bei alledem nicht fehlen. Den französischen Köchen,
dem Camembert und zum Erstaunen der Leser/innen (und der Franzosen, vgl.
ebd.: 75) der Kartoffel werden die nächsten Kapitel gewidmet, auch
sie mit (historischen) Anekdoten versehen.
Was wäre Frankreich ohne die Revolution und die Abschaffung
der Privilegien, bekundet auf jeder Münze: „Liberté-Fraternité-Egalité“?
Ulrich Wickert belehrt uns eines besseren: die Privilegien wurden nicht
abgeschafft, sie wurden nur neu verteilt. Zum Beweis führt er die
materiellen Anreize (Immobilien u.a.) auf, mit denen höhere Ämter
verbunden sein können.
Weiter liest sich das Buch wie ein spannender und fast unglaublicher
Politkrimi. Es geht um Spionage, Geheimdienste, Staatssicherheitsdienste,
Denunziantentum, zwischendurch auch um politisch involvierte Maîtressen,
dann wieder um geheime Forschungsaufträge und das Verhältnis
der korsischen Verwaltung zu Paris.
Zur Abwechslung schließt Ulrich Wickert wieder an die ersten
Kapitel mit eigenen Erlebnissen zum Thema „Geld“, bzw. Handwerkerrechnungen
und Mieten an. Es folgen Ausführungen über die Verbindung von
Politik und Literatur, die Brutalität von sich über die Idee
der Freiheit des Geistes hinwegsetzender Macht. Zum Schluss führt
Wickert die Leser/innen in ein Bistro, wo er die gesellschaftlich und politische
Bedeutung des Humors in Frankreich und Deutschland vergleicht.
Alles in allem eine vergnügliche und kurzweilige Lektüre!
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Da verwundert es fast, dass das Buch noch einen fünfundzwanzigseitigen dritten Teil hat, wo u.a. Autorenrechte und das Zitieren angesprochen werden, sowie eine Einführung in das Publizieren von eigenen Materialien im Web. Der dazugehörige Ausflug in die HTML-Codierung ist für den Programmierhungrigen zu knapp, für den gelegentlichen Gebrauch hingegen unnötig, da heute Textverarbeitungsprogramme (zugegeben schlechten) HTML-Code zu erstellen. Da sind Tutorials aus dem Web wie z.B. selfhtml (nur dieses Wort in die Eingabezeile einer Suchmaschine wie z.B. www.altavista.de eingeben!) aktueller, vollständiger und übersichtlicher. Viereinhalb Seiten Bibliografie und ein technisches Glossar runden das Buch ab.
Das Internet
ist nicht mit einem einzigen Buch zu beschreiben, und sogar die deutsche
Romanistik, so klein sie im internationalen Rahmen wirkt, kann damit nicht
eingegrenzt werden. Die Autoren selbst nehmen etwas verwundert unter den
Insidern zunehmend Sekundarlehrer wahr. Genau genommen haben diese weit
mehr Wirkung bei der Verbreitung romanistischer Inhalte als die wenigen
Spitzenkräfte auf ihren Lehrstühlen. Das Internet mit seiner
vereinfachten Publikationsweise kann nun weltweit dokumentieren, was bisher
in schulischen Publikationen mit kleinen Auflagen schlummerte. Das vorliegende
Buch belegt als Gebrauchsgegenstand, wie Internet und Buchmarkt sich ergänzen
könne. Das Buch ist handlicher und übersichtlicher als ein Monitor.
Wenn der Preis stimmt, ist eine parallele Publikation im Internet dem Absatz
des Buches eher förderlich. Auch Herr Lustig sieht das wohl so, denn
seine Linklisten kann man unter www.uni-mainz.de/~lustig
sehen und nutzen. Falls Ihr Interessenschwerpunkt, geneigter Leser, bei
Französisch liegt, möchte ich nur eine mächtige Linksammlung
weiter empfehlen: clicnet.swarthmore.edu. Sie allein kann ein ganzes Buch
füllen und Wochen bereichernder Recherchen garantieren. Aber sie liegt
meines Wissens (noch?) nicht in Buchform vor und man kann sie deshalb kaum
auf der Luftmatratze im Pool durcharbeiten. Aber wer käme auch schon
auf diesen Gedanken? ;-) M. W.
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Claude Hagège:
Halte à la mort des langues, Odile Jacob, Oktober 2000, 402 Seiten.An Babylon scheiden sich die Geister. Wer in ferner Zukunft ersehnt, was Jahwe erzürnte, weil er in der Einsprachigkeit eine herausfordernde Hybris erblickte, wird die statistische Hochrechnung des französischen Sprachwissenschaftlers Claude Hagège mit Genugtuung zur Kenntnis nehmen: Jährlich verschwinden 25 Sprachen, was bei einer voraussichtlich leicht verschärften Entwicklung die Sprachenvielfalt bis Ende des 21. Jahrhunderts auf weniger als 2500 Lebendidiome reduzieren dürfte. Für Sprachwissenschaftler und all jene, die nicht zu den dominanten Sprachgemeinschaften dieser Erde zählen, ist die babylonische Sprachverwirrung jedoch eine kulturelle Bereicherung, und mit Grausen verfolgen sie das um sich greifende Sprachensterben. Wenn die Weltöffentlichkeit dieser besorgniserregenden Entwicklung taten- und emotionslos zusieht, so wohl deshalb, weil in absehbarer Zeit keine der großen, westlichen Kultursprachen in seinen Grundfesten bedroht zu sein scheint und weil von einem zudem schleichenden Tod fürs Erste nur diejenigen Idiome betroffen scheinen, von deren Existenz und Gewesenheit man überhaupt erst durch den Nachruf Kenntnis nimmt. So weint man ihnen keine oder eine doch nur verlogene Träne nach, zumal sich der Sterbeprozess über Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte hinzieht und gewöhnlich unblutig verläuft. In einer Situation des Bilingualismus wird in der Abfolge der Generationen die ursprüngliche Muttersprache meist aus Prestigegründen zugunsten der dominanten Fremdsprache aufgegeben, nachdem das Sprachsystem an die nachwachsenden Sprecher nur unzureichend weitervermittelt wurde und zunehmend nicht nur lexikalische, sondern auch diskursordnende und grammatische Elemente der Fremdsprache integriert hat. Hagège schildert diesen Prozess sehr eindringlich anhand des Quechua, der Sprache der Inkas, die in hispanischem Umfeld in zwei Varianten existiert. Unter dem Einfluss des Spanischen entfernt sich allerdings die städtische Variante immer mehr von der ursprünglicheren ländlichen Variante, da sie u.a. das kompliziertere Phonemsystem des Spanischen teilweise überträgt. Die prestigeträchtigere städtische und bereits in seiner Tiefenstruktur affektierte Variante wiederum genießt als Sprache einer "Wirtschaftselite" einen höheren Stellenwert. So beobachtet man die "freiwillige" Aufgabe der Muttersprache zugunsten einer hispanisierten Varietät, was eine akute Bedrohung des Quechua darstellt. Die Gründe, die es den Menschen geraten scheinen lassen, ihre Muttersprache zugunsten eines fremden Idioms aufzugeben, sind immer wieder dieselben: es liegt dem ein schlichtes Kalkül zugrunde, wonach wirtschaftlicher Aufstieg und soziale Anerkennung den Verlust der ererbten Muttersprache umso leichter fallen lassen, als diese von den Sprechern selbst nur noch unzureichend beherrscht und in seiner Bedeutung gering geschätzt wird. Das ist letztlich die Erfahrung, die jeder Dialektsprecher bereits einmal gemacht haben dürfte: in öffentlicher Rede kommt das Sprechen einer wenig geachteten Varietät einer faktischen Sprachlosigkeit und sozialen Ausgrenzung gleich. Angesichts der allgegenwärtigen Medienmacht hat sich dieser Prozess natürlich in den letzten Jahrzehnten beschleunigt. Hagège lässt dabei keinerlei Zweifel daran, dass die Dominanz des Angloamerikanischen unbestritten ist und dass auch die sogenannten Kultursprachen sich nicht allzu sehr in Sicherheit wiegen sollten:
Andere Publikationen zu dem Thema:
Claude Duneton, La mort du français, Plon, 1999.
Weniger wissenschaftlich als Hagège, dafür umso polemischer proklamiert Claude Duneton den Tod des Französischen als unausweichlich (wenn nichts geschieht). Die These: Da das Französische anders als andere europäische Nationalsprachen in gewisser Hinsicht als Kunstprodukt einer gesellschaftlichen Elite entstanden ist und landesweit gewaltsam aufgezwungen wurde, ist es gerade deswegen anfälliger. Es hat sich eben nicht naturwüchsig herausgebildet und ist nicht tief im Alltag seiner Sprecher verankert, was eine affektive Bindungslosigkeit der Sprecher zu ihrem eigenen Idiom zur Folge hat.Louis-Jean Calvet, La guerre des langues et les politiques linguistiques, Hachette Littérature, 1999 (1987).
Als Taschenbuch ist die Studie Calvets zu diversen Formen der Sprachpolitik erhältlich. In vergleichenden Untersuchungen werden die Formen politischen Handelns untersucht, die darauf abzielen, die Sprachentwicklung und den Sprachgebrauch zu beeinflussen. Anders als bei Hagège geht es hier um politisch intendiertes Handeln und die ideologischen Verstrickungen, die sich dahinter verbergen.
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Édouard Husson:
Comprendre Hitler et la Shoah. Les historiens de la République fédérale d'Allemagne et l'identité allemande depuis 1949, PUF, Oktober 2000, 306 Seiten.Edouard Husson, der bereits während der Goldhagen-Debatte durch eine Publikation zutage getreten war ("Une culpabilité ordinaire? Les enjeux de la controverse Goldhagen"), die die Implikationen und die Tragweite der von dem amerikanischen Historiker vorgebrachten Thesen ermessen wollte, legt hier nun eine große Studie vor, die sich mit der Geschichtsschreibung des Nationalsozialismus in Deutschland seit 1949 auseinandersetzt. Die wichtigsten Arbeiten und Positionen zu diesem Thema aus dem Nachkriegsdeutschland werden dabei kurz referiert. Im Mittelpunkt steht allerdings weniger eine kritische, wissenschaftliche Prüfung dieser Hypothesen als die Darstellung der persönlichen Implikationen und politischen Bedeutung der Historiker und ihrer Forschungsergebnisse selbst. Dabei geht es um so bekannte und auch in der politischen Diskussion präsente Historiker wie Hans-Ulrich Wehler, Jürgen Kocka, Hans Mommsen und um die im Anschluss an die Publikationen eines Götz Aly mit zunehmender Eindringlichkeit gestellte Frage, wie sich die Anfälligkeit der Geschichtswissenschaft für das völkische Denken des Nationalsozialismus erklären lasse und warum die sogenannte "Fischer-Generation" so lange über die politischen Verstrickungen ihrer Lehrer habe schweigen können.
Geschichte und Geschichtsschreibung werden hier also als eine politische Wissenschaft verstanden, deren Ergebnisse direkten Einfluss auf die politische Kultur und damit auf das gewissermaßen "seelische Gleichgewicht" einer Gemeinschaft haben. Hussons Position diesbezüglich lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: "Der deutsche Historiker des Nationalsozialismus, der seine Tätigkeit vor dem Hintergrund einer gedächtnisorientierten Konzeption der deutschen Nation entwirft, legt den Bürgersinn an den Tag, den man von ihm erwartet". Diese extrem zeitbezogene Konzeption der historischen Wissenschaft, in der der Forscher mit seinen Publikationen zwangsweise politisch Stellung bezieht, erklärt sich - zumindest teilweise - aus einem Forschungsansatz, der den religionswissenschaftlichen und soziologischen Arbeiten eines René Girard entliehen ist. Die Geschichte der Nationen ist eine Geschichte der Gewalt und der Schuldzuweisung, wie sie in dem Sündenbockprinzip vielleicht am deutlichsten zutage tritt. Dieses stete Diskulpieren der eigenen Verantwortung gipfelt in einer Opferhaltung, welche die Gewalt gegen Dritte rechtfertigt. Dies mittelalterlich anmutende Verhaltensmuster findet sich nicht nur in der Vorstellungswelt der Deutschen nach 1918, sondern auch - in subtilerer Form - in den "aufgeklärten" Kreisen der Wissenschaft: "Die Neigung, bei den anderen die Wurzel der von den Deutschen verübten Gewalt zu suchen, ist eine Fortsetzung der Opferlogik. Man macht andere weiterhin für die Gewalt verantwortlich, die man selbst verübt hat. Die (West)Deutschen nach 1945 sind im Unterschied zu 1918 zwar durchaus davon überzeugt, dass der Krieg verloren wurde. Sie lösen sich jedoch nur nach und nach von dem gedanklichen Mechanismus, der von 1918 an für eine neue Gewalteskalation den Boden bereitet hat: der Wunsch, außerhalb von Deutschland die Ursache für all das Unglück zu finden. Das bedeutet nicht allein, dass man die Schuld im Ausland sucht, sondern auch, dass man die führenden Politiker und das Naziregime als ein dem Wesen der deutschen Gesellschaft fremdes Phänomen darstellt." Was Husson hier also einklagt, ist ein klares - wissenschaftliches - Bekenntnis zur deutschen Schuld, die sich - politisch - in einer Gedächtniskultur niederzuschlagen habe. Historische Analysen, die den Versailler Vertrag oder gar den Bolschewismus als auslösendes Moment betrachten, werden demzufolge als unreflektierte Diskulpationsstrategien enttarnt, die eben an jenes Sündenbockprinzip der Schuldzuweisung anknüpfen, die es gerade zu durchbrechen gilt.
Der Hauptteil der vorliegenden
Arbeit beschäftigt sich im Anschluss an diese theoretische und methodologische
Klarstellung mit den verschiedenen Positionen der deutschen Geschichtswissenschaft
und den zyklisch wiederkehrenden scharfen Auseinandersetzungen, welche
die Zunft spalteten. Dabei wird ein Generationenkonzept verwandt - aber
als methodologische Prämisse nicht hergeleitet -, mit dem Husson die
sogenannte "Fischer-Generation", d.h. jene jungen Historiker, die während
der Kontroverse um die deutsche Kriegsschuld am I. Weltkrieg für den
Hamburger Historiker Partei ergriffen, von der Generation um seinen größten
Kritiker und Widersacher Gerhard Ritter abgrenzt. Im Laufe der Untersuchung
schält sich dann eine neue Nachfolge-Generation heraus, die sich mit
der Vergangenheit der Väter der Sozialgeschichte auseinandersetzt.
In den Augen des prominentesten Vertreters der Bielefelder Schule, Hans-Ulrich
Wehler, mag hierin ein versteckter Angriff auf seine Forschungsrichtung
zu sehen sein. Obwohl sich auch Husson dessen bewusst ist, dass das Geschäft
Universität starken Konkurrenzzwängen unterliegt, in denen persönliche
Kritik der Hinterfragung einer fachlichen Vormachtstellung dient und in
denen eine methodologische Breitseite persönliche Animositäten
und - warum nicht? - Generationenkonflikte widerspiegelt, interpretiert
er diese Attacken als einen Schritt auf dem Weg zu einer Gedächtnisnation
Deutschland, die sich nicht länger als "Opfer" stilisiert.
Interviews mit den führenden deutschen Historikern zum Thema "Geschichtswissenschaft und Nationalsozialismus" finden Sie unter:
http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/
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Ingrid Caven, Gallimard, August 2000, 302 Seiten.Es beginnt im weihnachtlichen Schnee im Kriegsjahr 1943: ein merkwürdig ernstes junges Ding von nicht einmal fünf Jahren singt vor deutschen Soldaten mit kristallklarer Stimme. "Stille Nacht, Heilige Nacht". Eine Stimme wie aus einer anderen Welt. Es weiß noch nicht, dass ihr das enfant terrible des deutschen Films zu Füßen liegen wird, sich Yves-Saint Laurent um ihre Garderobe kümmert und ein "blassgesichtig-jüdisch-hugenottisch-abgebrannter Snob" eine Romanbiographie und Liebeserklärung wie einen Stendhalschen Kristallisationsprozess zu Papier bringt. Prix Goncourt 2000. Die Wahl der Juroren - von der Pariser Literaturkritik einhellig begrüßt - fiel dabei nach der vorjährigen Ehrung Jean Echenoz' (auf Deutsch im Berlin-Verlag) erneut auf einen intellektuell anspruchsvollen, durchkomponierten und ein kleinwenig prätentiös-verspielten Roman, was die alljährlichen Gerüchte um Mauscheleien, gekaufte Stimmen und das Mediengepolter um eine Poolposition im verlagsübergreifenden Marketingrennen der Produktpositionierung schlagartig verstummen ließ. Die Kunst hatte über den Kommerz die Oberhand behalten, und die gerührte Kritik verfiel in dasselbe andächtige Schweigen, wie die Fangemeinde und Hörerschaft Ingrid Cavens, der Hauptfigur und einziger raison d'être dieses Romans.
Jean-Jacques Schuhl war bereits
in den 70er Jahren mit zwei beachteten Publikationen in Erscheinung getreten,
bevor er, der literarische Außenseiter und Sonderling, sich zurückzog,
um sich jetzt nach 25jährigem Schweigen umso eindringlicher in Erinnerung
zu rufen. In einem Ton distanziert-eleganter Ironie und gleichzeitig provokativer
Direktheit, wie er so gegenwärtig nicht eben häufig zu lesen
ist, werden Episoden aus dem Leben der Caven preisgegeben, die gleichsam
auch Episoden sind unseres Jahrhunderts. Krieg und Flucht. Lebenslust der
Nachkriegszeit. Subkultur in Paris. Revolten und Terrorismus der Siebziger
Jahre. Das Ende der großen Hollywood-Diven. Ein Abgesang. Ein Abgesang
auf eine Zeit, die der heutigen Generation schon kaum mehr zugänglich
ist. Ein Abgesang und ein Loblied also, denn Schuhl lässt keinen Zweifel
daran, dass diese zu Ende gehende Epoche seine Zeit gewesen ist, dass ihm
der Laptopmerkantilismus einen faden Beigeschmack hinterlässt und
dass unser Leben leer bleibt, wenn die Leinwand der Filmkunst nicht länger
mit Gegenwelten die plane Wirklichkeit herausfordert (s. Leseprobe anbei).
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Prix littéraires 2000
Die Kritik hat die diesjährigen Entscheidungen bei der Vergabe der Literaturpreise einhellig gelobt. Der Goncourt geht zum zweiten Mal in Folge (nach Jean Echenoz) an einen anspruchsvollen, stilistisch schwierigen Roman, der eine deutsche Filmdiva zum Thema hat. Einer der großen Favoriten der Rentrée 2000, Camille Laurens, hat bei der Wahl des Prix Femina die meisten Stimmen auf sich vereinigen können. Das sind sicherlich auch die beiden interessantesten Neuerscheinungen im Herbstprogramm der Verlage. Die Entscheidungen waren knapp, aber es hat sich einmal mehr bewahrheitet, dass die großen Verkaufserfolge im Vorfeld der anstehenden Preisvergaben gewöhnlich nicht ausgezeichnet werden. Das Marketingprodukt Beigbeder hat es zwar bis in die Endausscheidung geschafft. Dort allerdings war dann auch die Geduld der Juroren zu Ende. Mehr Details finden Sie unter www.livresse.com
Prix GoncourtJean-Jacques Schuhl
Ingrid Caven,
Gallimard.
Das Leben der deutschen Sängerin und Filschauspielerin Ingrid Caven.
Siehe unsere Kritik.
Prix FeminaCamille Laurens:
Dans ces bras-là,
P.O.L.
Vater, Ehemann, Liebhaber, Arzt etc. - ein Männereigen wie ein Wiener Walzer.
Siehe unsere Kritik.
Prix RenaudotAhmadou Kourouma:
Allah n'est pas obligé,
Seuil.
Eine Stimme nur fehlte dem von der Elfenbeinküste stammenden Ahmadou Kourouma zum Prix Goncourt. Die ästhetische Entscheidung hat allerdings vor politischen Erwägungen den Ausschlag gegeben. Ein satirischer Blick auf Afrika, den Kontinent der Kriege und des Elends aus dem Blickwinkel des Soldatenkindes Birahima. Ein pikaresker Roman, in dem der Autor versucht, der französischen Literatursprache eine afrikanische Färbung zu geben.
Prix InteralliéPatrick Poivre d'Arvor:
L'irrésolu,
Albin Michel.
Auch in Frankreich greifen Nachrichtensprecher zur Feder. Das Resultat: Victor Priakov Parker wächst in Lyon vaterlos im Arbeitermilieu auf. Schnell gelingt ihm allerdings der soziale Aufstieg als Bel-Ami der Damenwelt und spitze Feder der Pariser Presse. Doch die Luft ist dünn im Zirkel der Mächtigen, und Intrigen schnell gesponnen. Ein Bildungsroman vor dem Hintergrund der III. Republik Frankreichs. In der Endauswahl hat sich die Jury gegen den Verkaufsschlager Beigbeder entschieden.
Prix MédicisYann Apperry:
Diabolus in Musica,
Grasset.
Wenn man Mutter und Großvater bei seiner Geburt verliert und der Vater seine Sorgen im Alkoholismus ertränkt, sollte einem Kind eigentlich keine berauschende Zukunft bevorstehen. Ein Organist entdeckt allerdings die außerordentliche musikalische Begabung des Kindes.
Prix DécembreAnthony Palou:
Camille,
Bartillat.
Das Liebesleben einiger Studenten in der französischen Provinzstadt Nantes in den 80er Jahren.
Prix de l'Académie.Pascal Quignard:
Terrasse à Rome,
Gallimard.
Pascal Quignard ist um 100.000 FF reicher. Die Geschichte eines eifersüchtigen Verlobten, der das Gesicht des Liebhabers entstellt.
...für e-mails an das France-Mail-Forum.
Clément
Rosset
Das Reale in seiner Einzigartigkeit
Aus dem Französischen
von Ronald Voullié
ca. 180 Seiten
ca. 24,- DM ISBN 3-88396-162-0 Berlin 2000
Die Realität besteht
aus einzigartigen Gegenständen, sie ist eine unbestimmte Menge von
nicht identifizierbaren Objekten. Aus eigentlich unbeschreibbaren Objekten,
die allerdings um so realitätsgeladener sind, je schwieriger ihre
Beschreibung ist. So sind zum Beispiel die Objekte des Lachens, des Schreckens,
der Begierde, des Films und der Musik Anlaß für befremdliche
und exemplarische Wahrnehmungen des Realen.
Jean
Baudrillard
Der unmögliche Tausch
Aus dem Französischen
von Markus Sedlaczek
208 Seiten 28,-
DM ISBN 3-88396-161-2 Berlin 2000
Ausgehend von der Abwesenheit jeglichen Äquivalents (in allen Bereichen: Politik, Recht, Ästhetik, Ökonomie; auch das Denken kann sich weder gegen die Wahrheit noch gegen die Realität austauschen) diagnostiziert Baudrillard die „radikale Ungewißheit“ der Welt.
Alle Versuche, dieser radikalen Ungewißheit zu entgehen (z.B. in universalisierenden Sytemen) sind gescheitert, und selbst die Überzeugung, in der virtuellen Realität und Intelligenz das definitive Äquivalent gefunden zu haben, trügt. „Alles, was sich gegen etwas austauschen möchte, stößt letzten Endes auf die Mauer des unmöglichen Tauschs.“ Die Notwendigkeit, künstliche Äquivalenzen zu schaffen, führt nur zu Figuren des Hyper, zu Prothesen etc. Unter diesem Vorzeichen wird alles zur „nutzlosen Funktion“ (Realität, Sex, Arbeit, Sprache, Zeit, Gedächtnis, der Andere, das Ereignis).
„Dieses Buch wäre eine Erforschung zunächst der ‚fatalen‘ sowie dann - durch eine poetische Übertragung der Situation - der glücklichen Konsequenzen des unmöglichen Tauschs.“
Jean-Luc
Nancy
Der Eindringling / L’Intrus
Das fremde Herz
Aus dem Französischen
von Alexander Garcia Düttmann
64 Seiten 14,-
DM ISBN 3-88396-158-2 Berlin 2000
Der Philosoph Jean-Luc Nancy spricht hier erstmals davon, wie er vor bald zehn Jahren des Herz eines anderen erhalten hat.
„Ich bin die Krankheit und die Medizin, ich bin die kanzeröse Zelle und das verpflanzte Herz, ich bin die Immunsystem schwächende Kraft. ich bin die Enden der eisernen Fäden, die meinen Brustkorb zusammenhalten und die Einspritzöffnung, die für den Rest meines Lebens unterhalb meines Schlüsselbeins angebracht ist, so wie ich früher bereits die Schrauben in meiner Hüfte und die Platte in meinem After war. Ich verwandle mich in einen Androiden der Science-Fiction oder in einen Scheintoten.“
Jacques
Derrida / Friedrich Kittler
Nietzsche - Politik des
Eigennamens
Wie man abschafft, wovon
man spricht
Deutsch von Friedrich
Kittler
128 Seiten 18,- DM ISBN
3-88396-157-4 Berlin 2000
Am 25. August 2000 jährt sich der Todestag von Friedrich Nietzsche zum hundersten Mal.
Francois
Jullien
Über
die Wirksamkeit
Aus
dem Französischen von Gabriele Ricke und Ronald Voullie
288
Seiten DM 36,- ISBN 3-88396-156-6
Es
geht um Handlungsstrategien, um Kriegskunst Diplomatie und Rhetorik. Wie
man mit Leichtigkei ohne große Mühet eine schwierige Lage meistert,
wie man die potentielle Situationsenergie ausnützt, wie man rechtzeitig
die günstige Gelegenheit erkennt, wie man die Meinung des anderen
zu seinen Gunsten beeinflußt.
"...ein
Denken in der Quere. Der Philosoph und Sinologe bewegt sich zwischen chinesischem
und westlichen Denken und entwirft einen Begriff von Wirkungen."
J.-F.
Lyotard, Le Monde.
223.
Martin Stingelin
Das
Netzwerk von Deleuze
Immanenz
im Internet und auf Video
144
Seiten DM 18,- ISBN 3-88396-155-8 Berlin 2000
Das Bild des Denkens von Gilles Deleuze kann als Netz gesehen werden, das nicht nur die zahlreichen Bücher, Artikel und Interviews, sondern auch die seit 1997 im Internet publizierten Vorlesungen (www.deleuze.fr.st) und das siebenenhalbstündige Filmgespräch „L‘Abécédaire de Gilles Deleuze“ umfaßt. Beides legt Martin Stingelin hier zum erstenmal seinem Porträt von Deleuze zugrunde, „wünschenswert kritisch und dankenswert verständlich“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung), „Heiterkeit der Tabula rasa“ (Süddeutsche Zeitung), Platz 6 der „Sachbücher des Monats“ April 2000.
218.
Michel Foucault
Die Malerei von Manet
Aus dem Französischen
von Peter Geble
64 Seiten 14 farbige
Abb. DM 20,- ISBN 3-88396-150-7
Berlin 1999
"... eine gut lesbare Studie
und gleichzeitig eine Einführung in die Problematik der modernen Malerei,
als dessen Vorläufer Manet uns hier mit gutem Recht präsentiert
wird. Für Foucault macht Manet das Bild selbst zum Thema der Malerei.
Das Bild wird so zum Objekt, auch durch die Einbeziehung der Materialität
der Leinwand." Michael Glasmeier, Zitty
216.
Michel Onfray
Die Formen der Zeit
Theorie des Sauternes
Aus dem Französischen
von Markus Sedlaczek
128 Seiten DM 18,- ISBN
3-88396-148-5 Berlin 1999
"Onfray erzählt die Geschichte der Welt als Theorie des Sauternes-Weins. Sechs Tage braucht er, um - analog zur biblischen Schöpfungsgeschichte - von den Anfängen der Welt zur Weinprobe in die Gegenwart zu eilen...Selten hat über Wein nur zu lesen so viel Spaß gemacht. Michel Onfray ist ein würdiger Nachfolger Platons, der in seinem Gastmahl das Saufgelage philosophisch adelte." Christian Jürgens, Die Zeit
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Wir stellen hier eine Seite der Zeitung "Alternatives Economiques" vor, als Anregung selber darin herumzustöbern. http://www.alternatives-economiques.fr
Le Journal
...für e-mails an das France-Mail-Forum.
Alternatives Economiques
Les livres
| Les
notes de lecture de nos précédents numéros :
Ouvrages
généraux
|
Le
livre du moisLe temps des réseaux
L’AGE DE
L’ACCES
Jeremy
Rifkin pratique un art difficile : vulgariser les mutations en cours, avec
précision et pédagogie, tout en dégageant les enjeux
politiques et sociaux de façon radicale. Comme c’était déjà
le cas à propos des biotechnologies dans Le siècle biotech,
il parvient, dans L’âge de l’accès, à pousser au bout
la réflexion sur ce que l’Internet et la nouvelle économie
changent aux mécanismes socio-économiques fondamentaux du
capitalisme. Pour lui, nous quittons l’économie de marché
pour entrer dans une économie de réseaux. Et il s’agit vraiment
d’une rupture. L’économie de marché est discontinue : on
va sur le marché, on achète un bien ou un service, on en
devient donc propriétaire, et on sort du marché pour s’adonner
à des activités non marchandes.
Guillaume
Duval
|
|||
| Pas
de pitié pour les gueux.
Sur les théories économiques du chômage par Laurent Cordonnier Coll. Liber, éd. Raisons d’agir (diff. Seuil), 110 p., 30 F (4,57 euros). Marge
: Mesdames et Messieurs, venez voir comment l’économiste, «
ce savant désintéressé qui possède la souplesse
nécessaire pour grimper sur ses propres épaules [procède]
à partir de ce robuste promontoire aux abstractions nécessaires
pour saisir le travail comme un concept pur ». Venez découvrir
que, s’il y a du chômage, forcément volontaire, forcément,
c’est tout simplement parce que les salariés sont poltrons (théorie
de l’« aversion du risque »), roublards (théorie du
« salaire d’efficience »), paresseux (modèle du «
tire-au-flanc ») et méchants (modèle « insider-outsider
»). Avec l’auteur, qui connaît son économie néoclassique
sur le bout des doigts, voyez comment, « une fois défroquées
de leurs oripeaux savants,[les théories néoclassiques du
chômage] frôlent souvent l’abject, à un point dont on
n’a généralement pas idée ». (Il pouffe !) Et
en plus, c’est drôle !
Marge
& Manœuvre Bras
de fer américain
« Merchants
of Risks : the Fed Draws a Line », FOMC Alert, 3 octobre 2000.
Les principaux établissements financiers américains sont actuellement engagés dans un bras de fer avec la Federal Reserve (Fed), la banque centrale des Etats-Unis. L’enjeu : la possibilité, pour ces gros conglomérats financiers, de développer sans contrainte leurs activités de banque d’affaires, c’est-à-dire d’achat, de vente et de gestion de portefeuilles d’actions. Une activité très rentable et très risquée. La
Fed tente de s’y opposer, afin d’éviter qu’un établissement
d’importance (regroupant des activités de banque, d’assurance et
d’intermédiaire sur les marchés boursiers) fasse faillite
et fragilise le financement de l’économie suite à ses mauvais
paris en Bourse. Une bataille parfaitement expliquée par les spécialistes
du Financial Markets Center, une organisation non gouvernementale de Fed
watchers (d’ « observateurs de la Fed »), c’est-à-dire
de professionnels de la finance qui décortiquent et commentent les
décisions de la banque centrale américaine.
Christian
Chavagneux De
l’air !
ContrÔler
l’effet de serre :
La
revue du Centre d’études prospectives et d’informations internationales
(Cepii) a profité de l’actualité des négociations
de La Haye autour du protocole de Kyoto sur les émissions de gaz
à effet de serre pour présenter l’état de la recherche
économique dans ce domaine.
D.
A. Une
République sous surveillance
La machine
à trahir
Le
livre d’Arnaud Montebourg souffre de trois défauts : son titre,
racoleur, son style, grandiloquent, et la campagne médiatique et
politique dont il a fait l’objet. Les trois nuisent à la crédibilité
d’un ouvrage qui mérite plus que le détour. Certes, le député
de Saône-et-Loire tape fort, à gauche et – surtout – à
droite, en proposant, par exemple, de traduire le président de la
République devant la Haute Cour de justice afin qu’il réponde
de ses actes délictueux dans le cadre du financement du RPR. Mais
cette proposition provocante (et la dizaine d’autres que contient le livre)
s’inscrit dans le double objectif que s’est fixé l’auteur : redonner
confiance aux citoyens français dans leurs institutions, redonner
du pouvoir à l’Assemblée nationale par rapport à la
présidence et au gouvernement.
Ch.
Ch. La
représentativité syndicale
L’Institut
de recherches économiques et sociales (Ires) est géré
par les cinq organisations syndicales représentatives françaises.
Il vient de publier une étude comparative de la façon dont
est gérée la représentativité syndicale dans
les principaux pays européens et aux Etats-Unis. Il n’est pas sûr,
cependant, que les exemples étrangers soient d’un grand secours.
La principale conclusion de ce tour d’horizon est en effet que, dans la
plupart des autres pays, la question... ne se pose pas. Reste un aperçu
utile des différents systèmes de négociation sociale
et de leur diversité persistante.
Chronique internationale de l’Ires n° 44, 65 F (9,91 euros). Maîtriser
le marché
Les impasses
de la modernité
Ivan
Illich a inventé le concept de « seuil contre-productif »
: quelque chose de bénéfique finit, une fois un certain seuil
franchi, par engendrer des effets négatifs qui vont à l’encontre
du but poursuivi. C’est ce qui se produit avec la modernité, qui
repose sur quatre piliers : la raison pousse à comprendre, à
expliquer, à critiquer ; l’individu, seul juge de ce qu’il est bon
de faire et de penser ; le progrès social pousse à ce que
demain soit meilleur qu’aujourd’hui ; la démocratie pose l’égalité
de droit de chacun.
Denis
Clerc La
visite du chancelier autrichien en Suisse
Michel
Vinaver est l’un des plus grands auteurs de théâtre français
contemporain. Juste avant de partir pour un colloque en Suisse, il apprend
comment les autorités helvétiques ont reçu, avec les
plus grands honneurs, le nouveau chancelier autrichien Wolfgang Schuessel,
qui doit
par Michel Vinaver Ed. L’Arche, 48 p., 49 F (7,47 euros) son poste au soutien du parti xénophobe du leader d’extrême droite Jörg Haider. Après avoir refusé d’aller en Suisse, il se laisse convaincre de venir expliquer sa position. C’est le texte de son intervention qui est publié ici. Un texte court, simple, fort, pour dire non aux compromissions. El Ejido,
terre de non-droit
Début février 2000, une partie de la population d’El Ejido (Andalousie) s’est livrée à une véritable chasse aux étrangers, une main-d’œuvre d’origine essentiellement marocaine, exploitée par l’agriculture hyper-intensive espagnole. La police a peu réagi. La communauté internationale ne s’est pas mobilisée. Depuis, plus rien. Le Forum civique européen est parti enquêter sur le terrain et les résultats sont accablants pour l’Espagne et pour l’Europe tout entière. Une révision des politiques d’immigration et d’accueil des étrangers s’impose. Et pas seulement en Espagne. Un
débat pluridisciplinaire
Les identités
culturelles
Le
défi que lance cette nouvelle revue annuelle est ambitieux : montrer
en quoi les enseignements de la philosophie et des sciences sociales (en
particulier la sociologie) peuvent permettre de mieux comprendre, de façon
complémentaire, le monde contemporain. Avec la question des identités
culturelles, les auteurs n’ont pas choisi le thème le plus simple
pour leur premier numéro. Comment vivre ensemble tout en respectant
les différences ?
Louis
Maurin Stratégie
de la firme
Le défi
Le
message de Yuda Tuval aux chefs d’entreprise est simple : celui qui joue
le même jeu que les autres, avec les mêmes règles, est
une victime désignée. Dans son grand classique Choix stratégiques
et concurrence, Michaël Porter proposait trois stratégies pour
une firme : la domination par les coûts, la concentration sur un
segment de marché ou la différenciation. Pour Yuda Tuval,
dans le contexte concurrentiel actuel, seule la dernière reste pertinente.
Seuls ont des chances de survivre ceux qui réussissent à
changer les règles – les « mutants »– ou, mieux, à
changer de jeu – les « créateurs ».
Marc
Mousli L’aventure
européenne
La question
de l’Etat européen
Cet
ouvrage passionnant vient à point nommé pour alimenter le
débat sur la nature et l’avenir de la construction européenne.
Il analyse avec beaucoup de pertinence le dualisme de cette aventure historique
sans précédent : l’Europe rassemble des peuples, mais aussi
des Etats. L’Etat européen en devenir ne peut donc prendre la forme
de l’Etat classique, qui affirme son monopole de la souveraineté.
Il apparaît plutôt comme le lieu où s’organisent des
règles et des droits communs, au profit des personnes physiques
et morales résidant dans l’Union. C’est en ce sens qu’il a un caractère
« cosmopolitique ».
Philippe
Frémeaux Apartheid
social et auto-organisation
Défaite
ouvrière et exclusion
Sous
un titre un peu grandiloquent, qui fait référence à
la lutte des classes, chère à Marx, ce livre fournit une
analyse concrète de l’exclusion et du rôle du RMI, qui contribue
à apporter un éclairage sur les transformations en cours.
S’appuyant sur un échantillon d’allocataires du RMI, représentatif
des allocataires du centre-ville de Marseille, à qui ils ont transmis
un questionnaire, les auteurs soulignent que le RMI ne rassemble pas une
population homogène, mais regroupe trois générations.
Trois génération qui illustrent en quoi l’exclusion résulte
d’un accroissement des inégalités sociales et surtout d’un
blocage des mobilités sociales ascendantes pour les catégories
du bas de l’échelle, les peu diplômés et les enfants
de professions en régression. Le développement des working
poors (des travailleurs pauvres) en témoigne, nous avons affaire
à une paupérisation galopante, masquée derrière
les discours sur l’exclusion.
Carole
Yerochewski Un
théoricien de la socio-économie
Le marché
autrement
Voici,
enfin traduits en français, un certain nombre d’essais d’un des
grands noms de la socio-économie contemporaine, dont Jean-Louis
Laville, dans son intéressante préface, présente les
grands courants. Ce livre s’intéresse en particulier aux relations
sociales, dont la prise en compte éclaire les comportements des
acteurs. Ainsi, certains chômeurs retrouvent plus facilement du travail
que d’autres. Alors que les économistes mettent en avant des explications
liées au salaire proposé, aux revenus sociaux perçus
par les chômeurs, etc., Granovetter avance l’idée de l’importance
des liens sociaux « faibles », c’est-à-dire de relations
sociales mobilisant peu de temps pour l’individu : celui qui est connu
d’un grand nombre de personnes a plus de chances d’être recruté
que celui qui connaît moins de monde, mais bien mieux (« liens
forts »), parce que les embauches s’appuient souvent sur la connaissance
personnelle ou indirecte des candidats. Les liens faibles facilitent l’intégration,
les liens forts la fragmentation en petits groupes étrangers les
uns aux autres.
Dominique
Charpentier Eloge
de la vieillesse
Vive le
papy-boom
La
France vieillit, mais loin d’être une catastrophe, cette évolution
présente des opportunités de changements bénéfiques.
Les seniors d’aujourd’hui, et plus encore ceux de demain, sont en effet
en pleine forme. Ils sont disponibles et prêts à s’investir,
dans la vie associative ou en donnant un coup de main à leurs enfants.
D.
Ch. Vive
l’emploi !
Les
politiques de l’emploi
Ça
commence très fort, par de la théorie – le chômage
d’équilibre chez les monétaristes et les néokeynésiens
–, mais que le profane se rassure : c’est parce que l’auteur va en découdre
avec la thèse d’un chômage structurel qui, selon lui, inspire
peu ou prou la plupart des politiques actuelles d’emploi, acharnées
à réduire le coût du travail et à limiter les
revenus de remplacement. Or, « la thèse de l’excès
du coût du travail comme élément explicatif de la persistance
du chômage est extrêmement fragile », comme celle du
lien « entre le niveau du chômage et le niveau ou la durée
des indemnisations ». Mais elle a engendré la paupérisation
des travailleurs privés d’emploi et multiplié les boulots
mal payés et mal considérés.
D.
Cl. Au
boulot !
Le retour
du plein-emploi ?
Les
économistes commencent à dire que le plein-emploi est un
objectif possible. Mais quel plein-emploi ?, s’interroge le dernier numéro
de L’Economie Politique. Dominique Méda constate la forte
hétérogénéité des conditions d’emploi
et montre que le temps de travail peut respecter les temps sociaux.
Eve
Channing Sociologie
des sciences
La
production scientifique n’est pas un monde à part, déconnecté
de la société et de ses transformations. Au moment où
les innovations technologiques, notamment en matière de génétique,
interrogent nos sociétés, comprendre comment se construit
la science est pour le moins d’un grand intérêt. Une bonne
synthèse.
par Olivier Martin Coll. 128, éd. Nathan, 128 p., 52 F (7,93 euros). Images
économiques du monde 2001
Les Images éco, c’est l’outsider des annuaires pays annuel. Beaucoup moins connu que le Bilan du monde (Le Monde éd.) ou L’état du monde (éd. la Découverte), cet ouvrage mérite pourtant le détour, surtout que l’ensemble a été considérablement amélioré ces dernières années. Les données (15 000 selon l’éditeur et 120 pays analysés) priment sur le commentaire, ce qui n’est pas toujours un mauvais point pour ce genre d’ouvrage. Growing
Proserity
Pour comprendre l’économie américaine, et notamment la hausse des gains de productivité, rien ne vaut les auteurs américains eux-mêmes. Barry Bluestone et Bennett Harrison croient à l’impact des nouvelles technologies, mais estiment que l’obsession de la dette et de l’inflation et la faiblesse de l’investissement public compromettent les chances de la croissance à long terme. En anglais uniquement. Retour
aux sources
Le sociologue
et son terrain
Henri
Mendras et Marco Oberti reviennent sur ce qui fait la substance de la sociologie.
Un voyage sur trente terrains différents, de la Kabylie de Pierre
Bourdieu à l’étude de la société salariale
de Robert Castel, en passant par le travail d’Irène Théry
sur le divorce. Pour eux, le terrain « ne se réduit pas à
l’investigation d’un espace ou d’une institution choisis dans la société
(une prison, une école, un village, un quartier, etc.). »Archives,
données statistiques, articles de presse peuvent aussi servir de
fondements à une sociologie diversifiée.
L.
M. La
science politique et la mondialisation
Politique
internationale
Voici,
à l’évidence, un manuel qui fera date. Parce qu’il a tout
ce qu’il faut pour aider les étudiants : qualités pédagogiques,
glossaire, index, il permet de se retrouver facilement dans la vaste production
des spécialistes de science politique qui se consacrent à
l’analyse des questions internationales. L’ouvrage se révèle
un outil très utile pour les économistes : en fait, Josepha
Laroche nous guide dans des champs de recherche qui nous montrent comment
une autre science sociale appréhende la question de la mondialisation.
Ch.
Ch. Le
monde en perspective
Le dictionnaire
historique et géopolitique du XXe siècle
Ce
dictionnaire arrive à point nommé, au moment où certains
réclament la prise en compte de la réalité par l’enseignement
des sciences économiques, pour replacer certains thèmes dans
une double perspective spatiale et temporelle. En effet, loin de se cantonner
à l’histoire politique ou à la géopolitique dans ses
dimensions militaire et diplomatique, cet ouvrage consacre de nombreuses
entrées à des sujets spécifiquement économiques.
Jean-Paul
Maréchal
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Schwarzes
Brett:
Schwarzes
Brett:
Schwarzes Brett:
Betreff: Romanistisches Diskussionsforum
From:
Dorothea Behnke <behnke@bibliothek.uni-kassel.de>
Subject: Romanistisches
Diskussionsforum
Copies to: Thomas.Hilberer@ub.uni-duesseldorf.de,
behnke@bibliothek.uni-kassel.de
Liebe Romanistinnen und Romanisten,
bisher gab es noch kein romanistisches Diskussionsforum im deutschsprachigen
Internet. Deshalb haben wir eine unmoderierte
Mailingliste zur Romanistik ins Leben gerufen, genannt rom-de.
Sie soll ein Forum fuer alles sein, was im Bereich Romanistik von Interesse
sein koennte - fachliche Informationen, Fragen, Anregungen, Hinweise
und Diskussionsmoeglichkeiten.
Diese Liste versteht sich dabei nicht als Konkurrenz zum Newsletter von romanistik.de, sondern als eine Ergaenzung dazu.
rom-de ist nicht moderiert, d.h. alle Teilnehmer koennen direkt Beitraege an die Liste schicken. Wir hoffen, dass so breitgefaecherte Austausch- und Diskussionsmoeglichkeiten entstehen.
Interessiert? Wir wuerden uns freuen!
Die Anmeldung ist ueber ein einfaches Formular moeglich:
http://www.uni-duesseldorf.de/ulbd/rom-de/
Mit freundlichen Gruessen
Thomas Hilberer (ULB Duesseldorf), E-Mail: th@hilberer.de
und
Dorothea Behnke (UB Kassel), E-Mail: behnke@bibliothek.uni-kassel.de
Betreff: dernier numéro?
Datum:
Thu, 11 Jan 2001 16:47:09 +0000
Von:
Florence Absolu <absolu@umwelt-campus.de>
An:
frmafo@zfn.uni-bremen.de
Madame, Monsieur,
le dernier numéro disponible
sur le Web date d'octobre 2000. Est-ce
correct? Je n'ai découvert
votre site qu'en octobre justement, c'est
pourquoi je m'étonne.
Avec mes remerciements
Florence Absolu
Prof de francais à Trèves
en Allemagne
Betreff: correspondante
Datum:
Mon, 1 Jan 2001 17:54:25
+0100
Von:
"Otherland" <otherland@netcologne.de>
An:
<frmafo@uni-bremen.de>
Salut!
Je cherche une correspondante francaise!
Je m'appelle Mayela, j'ai 27 ans et je suis étudiante. J'adore
la musique,
les animaux, voyager, sotir, la littérature, écrire
des lettres... et
j'aimerais trouver une correspondante francaise. J'attends ta réponse
avec
curiosité!
Mayela
mayela@gmx.de
Betreff: L3
Datum:
Sat, 30 Dec 2000 20:38:36
+0100
Von:
"Jehannes Ytsma" <j.ytsma1@chello.nl>
An:
<i02b@uni-bremen.de>
Second International Conference on
Third Language Acquisition and Trilingualism
13-15 September 2001
Location: Fryske Akademy, Leeuwarden, The Netherlands (Holland)
Plenary Speakers:
David Singleton (Trinity College, Ireland): "Cross-Linguistic Interactions
in the Multilingual Lexicon"
Elite Olshtain (Hebrew University, Israel): "Being trilingual -
is there a price to pay?"
Kees de Bot (Nijmegen University, The Netherlands): "Beyond competition.
The processing of multiple languages"
Organizing Committee:
Jehannes Ytsma (Fryske Akademy, The Netherlands)
Ulrike Jessner (University of Innsbruck, Austria)
Britta Hufeisen (Technical University of Darmstadt, Germany)
Jasone Cenoz (University of the Basque Country, Spain)
Danny Beetsma (Fryske Akademy, The Netherlands)
Call for Papers:
The organizers welcome papers on psycholinguistic, sociolinguistic
and educational aspects of third language acquisition
and trilingualism. Papers presented will be published.
Please send three hard copies of the abstract (up to 300 words) and
one page stating:
1. the title
2. audiovisual/computer requirements
3. for each author: full name and
affiliation, address, e-mail address and fax-number
The deadline for submission of abstracts is January 31st, 2001
Please send your abstract to:
Danny Beetsma
Fryske Akademy
PO Box 54
8900 AB Leeuwarden
The Netherlands
fax: 0031-58-2131409
For further information please visit the conference web site at:
http://www.spz.tu-darmstadt.de/projekt_L3/conferences/L3conf2001/Index.html
or contact Danny Beetsma:
dbeetsma@fa.knaw.nl
Betreff: Zimmer in Paris
Datum:
Wed, 27 Dec 2000 18:16:43
+0100
Von:
Loeffler-Aalen@t-online.de
(Ihr Name)
An:
frmafo@zfn.uni-bremen.de
Hallo, ich bin eine 22-jährige Studentin aus Deutschland. Ich
werde ab
dem 12. Februar 2001 bis August/September 2001 in Paris studieren,
habe
aber leider noch keine Unterkunft. Sehr gerne würde ich in
eine WG
ziehen, aber da es bis Februar nicht mehr allzu lange hin ist würde
ich
mich eigentlich über jegliche Unterkunftsmöglichkeit freuen.
Vielen Dank schon mal im voraus. Susanne Löffler
Meine e-mail Adresse lautet: loeffler-aalen@t-online.de
Ansonsten ist meine Postanschrift: Susanne Löffler
Moltkestr.35
72072 Tübingen
Betreff: ENRICO MACIAS
Datum:
Thu, 16 Nov 2000 12:48:37
+0100
Von:
Laila Noory <laila@twc.de>
An:
frmafo@zfn.uni-bremen.de
Bonjour,
Je cherche Information sur le chanterur Enrico Macias si vous le savez
puriez vous me l´ecrire s´il vous plait.
Merci
Laila Noory
Betreff: Pariser Metro
Datum:
Tue, 24 Oct 2000 17:17:15
+0200
Von:
Michael Müller <muellerm@cyberplace.de>
An:
frmafo@zfn.uni-bremen.de
Suche schon länger Informationsmaterial über die Pariser Metro
für den
Untericht, in deutsche Sprache!!
Wer kann mir weiter helfen??
MfG
Brigitte Müller
Die 10. Klasse einer Kasseler Gesamtschule
sucht eine gleichgesinnte
französische Klasse zum chatten. Wenn
Interesse besteht kontaktiert uns bitte
über folgende e- mail- Adresse: csskassel@t-
online.de
Vielen Dank
Walter S.
Betr.: merci + bonne chance!
Datum:
Sun, 20 Aug
2000 12:46:02 EDT
Von:
EMieth43@aol.com
An:
frmafo@zfn.uni-bremen.de
Sehr geehrte(r) KollegIn,
il faut s'imaginer Sisyphe heureux... Mein Felsbrocken
rollt, nachdem ich
mich zum PC + Internet hindurchgewunden habe, nicht mehr
so schnell runter.
So habe ich durch Navigator/Cornelsen Sie gefunden...
Und bin erfreut + dankbar.
Mein Hauptinteresse gilt indes der/den Religion(en).
Für meine TWG (Techn-Wissn.Gymn.) Dillingen-SchülerInnen
suche ich, nach
einigen Fehlschlägen, eine Partnerschule jenseits
der Linie Lyon - Paris.
Eine frühere Partnerschaft in der Nähe trug
wenig Früchte.
Verfügen Sie über solche Kontakte, Anfragen,
Angebote ?
Für Ihre Mühe im voraus danke!
Mit freundlichen Grüßen + guten Wünschen,
Egbert Mieth, OStR
Betreff: französischstammtisch
in hamburg
Datum:
Sun, 6 Aug
2000 10:50:25 +0200
Von:
"Harald Blum" <blumh@gmx.de>
An:
<frmafo@uni-bremen.de>
Ich suche einen idealerweise studentisch geprägten
französischstammtisch
u.ä., um mein französisch nicht einrosten zu
lassen.
...für e-mails an das France-Mail-Forum.