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France-Mail-Forum 13 (März 1999)


(2) Le regard des autres

(2.1) Politique et histoire
 
Cohn-Bendit

Oktober 1961

  Deutsch-Französisches


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(2) Le regard des autres

(2.1) Politique et histoire 


Cohn-Bendit

TAZ vom 25.1.1999

Bernd Pickert im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit

"Scheißdeutscher - geh zurück"

Der Europa-Spitzenkandidat der französischen Grünen, Daniel Cohn-Bendit, über den Atomausstieg und antideutsche Ressentiments.

La Hague kann wichtige Rolle beim Atomausstieg spielen

taz: Sie sind bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Wiederaufbereitungsanlage La Hague als Spitzenkandidat der französischen Grünen zur Europawahl Übel beschimpft worden. Wie kam das?

Cohn-Bendit: Im Grunde genommen ist die Atomindustrie in Frankreich immer ein Geheimbund gewesen, der Unternehmen, Gewerkschaften und Kommunalpolitiker eingeschlossen hat. Alle hängen sie von der Atomindustrie ab. Wenn man dann in so ein Unternehmen kommt, machen sie die Schotten dicht. Was passierte denn genauer in La Hague? Dann gab es Sprüche wie "Schwule Sau", "Arschficker", "Scheißdeutscher - geh zurück", "Drecksjude". Und dann gab es eine Demonstration von gewählten Vertretern aus der Umgebung mit Trikolore um den Bauch gehängt, da hat einer der Demonstranten in Anwesenheit der Volksvertreter, die sich totgelacht haben, Sachen gesagt wie: "Wenn die Deutschen die Atomkraftwerke ausschalten, wie werden sie dann eigentlich ihre …fen bedienen? Mit Juden!"

Wie stellen sich denn die französischen Grünen dazu, die ja immerhin mit den Sozialisten in der gemeinsamen Regierung sitzen?

Die französischen Grünen stehen hinter mir und fordern von der Regierung, Stellung zu nehmen. Aber es ist eine unangenehme Position, um so mehr, als sie als einzige politische Partei für den Atomausstieg sind. Die anderen Parteien sind schlicht Atomparteien.

Heißt das, daß die Grünen im Wahlkampf jetzt als "deutsche Vasallen" beschimpft werden?

Der kommunistische Führer Robert Hue hat zum Beispiel gesagt, es ginge nicht an, daß Frankreich sich von den deutschen Grünen und Schröder an der Nase herumführen läßt. Da wird die französische Atompolitik als Teil der französischen Unabhängigkeit aufgebaut, die die Deutschen kippen wollen. Was früher die Maginot-Linie war, die 1939 von den Deutschen überrollt wurde - dafür soll heute offenbar die Atomenergie stehen.

Hätte die deutsche Bundesregierung, hätte Jürgen Trittin irgend etwas anders machen können, um so eine Belastung zu verhindern?

Ich glaube vor allem, daß Jürgen Trittin und die Bundesregierung für die Zukunft von La Hague eine Art industrielle Kompensation durchsetzen müssen. La Hague soll den Atommüll für die Endlagerung weiterverarbeiten. Da gibt es etwa tonnenweise Plutonium, das verarbeitet werden muß, damit es nicht als waffenfähiges Material weiterexistiert. Dazu muß es mit Atommüll vermischt werden. La Hague mit seinem technologischen Know-how kann beim Atomausstieg in Europa eine wichtige Rolle spielen. Das sichert dort Arbeit für mindestens zwanzig Jahre.

Die ganze Auseinandersetzung fällt zusammen mit der deutschen Ratspräsidentschaft in der EU. Was heißt all das für die Zukunft des deutsch-französischen Verhältnisses?

Es ist eben eines der Probleme, die die deutsche Ratspräsidentschaft lösen muß. Es bringt nicht viel, wenn Jürgen Trittin Schadensersatz strikt ablehnt, ohne die Idee der industriellen Kompensation voranzutreiben. Erst wenn man so einen Schritt macht, kann man das Problem in den Griff bekommen. Und wenn nicht? Dann geht die Verhärtung weiter. Die Erklärungen der Anti- Atom-Bewegung, die den Atommüll nicht zurück nach Deutschland lassen will, sind da auch wenig hilfreich - das wird in Frankfreich erst recht als extrem nationalistische Position der Deutschen angesehen.

Ein schwerer Vorwurf an die Anti-Castor-Initiativen. Aber was soll man denn machen?

Man kann nicht jahrelang gegen Mülltourismus agieren und schließlich sagen: "Pech! Jetzt sollen die Franzosen unseren Müll behalten."

Noch Lust auf den Wahlkampf in dieser Lage?

Aber ja. Die Atomkraft ist ja nur ein Teil, da kommen in Frankreich immer noch die Jäger, die dann mit Gewehren antanzen. Eine heiße Mischung. Aber es macht Spaß. Die Grünen sind jetzt in den Umfragen in Frankreich zwischen achteinhalb und zehn Prozent. Es ist ein harter Wahlkampf, denn je klarer wir Position beziehen, desto klarer werden auch die Gegenpositionen.

Interview: Bernd Pickert

taz Nr. 5744 vom 25.1.1999 Seite 8 136 Zeilen

© Contrapress media GmbH Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags


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Frankfurter Rundschau, 21.1.1999

"Die ganze Region wirst du noch in die Luft jagen"

Feindseliger Empfang für den Grünen-Kandidaten Daniel Cohn-Bendit in der Atomfabrik von La Hague

Von Hans-Hagen Bremer (Cherbourg)

"Bandit! Terrorist! Mörder!" Die Beschimpfungen, die die Männer mit dem Abzeichen der kommunistischen Gewerkschaft CGT an ihren Schutzhelmen brüllen, werden von mal zu mal wüster. "Schmeißt ihn raus!" - "Drecksau, hau ab nach Deutschland!" Ziel der Feindseligkeiten ist Daniel Cohn-Bendit, der in diesem Augenblick am Eingang der nuklearen Wiederaufbereitungsanlage in La Hague eintrifft.

Eier fliegen durch die Luft. Erdklumpen werden gegen den Bus geschleudert, dem der deutsche EU-Deputierte und Spitzenkandidat der französischen Grünen "Les Verts" zur Europa-Wahl im Juni entsteigt. Das Gedränge wird immer bedrohlicher. Es setzt Hiebe. Kein Polizist ist zu sehen. Der Sicherheitsdienst der Cogema, des staatlichen Unternehmens, das die Atomfabrik im äußersten Norden der Halbinsel Cotentin betreibt, bleibt untätig. Endlich gelingt es Cohn-Bendit, der von französischen und belgischen Grünen-Abgeordneten und einer Hundertschaft von Medienleuten begleitet wird, unter Hinnahme einiger Schrammen den Eingang zu erreichen.

Nach dem Auftakt mit einer Kundgebung an der Universität im Pariser Vorort Villepinte ist der seit langem geplante Besuch in La Hague die zweite Station des Wahlkampfs, zu dem der für Europa engagierte Grünen-Politiker in Frankreich angetreten ist. Doch wenige Tage nach der Entscheidung der rot-grünen Bundesregierung, die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe im Ausland zum 1. Januar 2000 zu beenden, wollen die Beschäftigten von einem Dialog mit dem vormaligen Anführer der Studentenrevolte vom Mai 1968 über eine Zukunft nach dem Atom nichts wissen. "Du willst nur meinen Arbeitsplatz zerstören", schreit ihn ein Mann an, den er fragt, ob es nicht besser wäre, in Ruhe zu diskutieren. "Die ganze Region wirst du noch in die Luft jagen." Der Ausstieg aus der Atomkraft werde mindestens zwanzig Jahre dauern, versucht Cohn-Bendit als Botschaft zu überbringen. Die Konditionierung von Brennstäben und Müll für die Endlagerung werde für die Fabrik in La Hague auf lange Zeit Aufträge und Beschäftigung bedeuten.

Mit 3200 Jobs in der Wiederaufbereitungsanlage und noch einmal so vielen in lokalen Zulieferbetrieben ist die Cogema der größte Arbeitgeber in dem von der Atomindustrie dominierten Norden der Halbinsel. Nur wenige Kilometer entfernt steht das Kernkraftwerk Flamanville. In der Werft von Cherbourg werden die Reaktoren für den Antrieb französischer Nuklear-U-Boote gebaut. Rund 700 Millionen Francs Gewerbesteuer zahlt die Cogema im Jahr, ein wahrer Goldregen für die Region Basse-Normandie und die hauptsächlich von der Landwirtschaft lebenden Departements.

Als Beweis ihrer "offenen Haltung" teilt die Leitung des Unternehmens in einem Kommunique die Bereitschaft mit, "Monsieur Cohn-Bendit und seine Delegation" zu empfangen. Doch ein Dialog entwickelt sich nicht mit der Direktion, die sich in der Halle mit den Containern einfindet, die zum Rücktransport nach Deutschland gelagert sind. "Das ist eine Utopie", sagt Claude Jaouen, der technische Direktor, zu der auch vom deutschen Umweltminister Jürgen Trittin vertretenen Idee, in La Hague künftig aufgebrauchte deutsche Brennelemente nicht wiederaufzuarbeiten, sondern für die direkte Endlagerung zu konditionieren. "Dazu ist die Fabrik hier gar nicht konzipiert."

Copyright © Frankfurter Rundschau 1999
Dokument erstellt am 20.01.1999 um 20.45 Uhr
Erscheinungsdatum 21.01.1999


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Libération,  27 et  28 février 1999

Cohn-Bendit, bleu dans la campagne

Depuis trois mois, la t te de liste verte aux européennes courtise le pays. Et parfois le découvre.

Par JUDITH PERRIGNON





Mots doux
et maux durs

Il y a des dessins d'enfants. Des mots violemment antisémites. Du beau, du moche. Des souvenirs, des indignations. Des interrogations sur la sortie du nucléaire, ou encore le plan secret du moteur universel propre et jamais en panne. Daniel Cohn-Bendit reçoit bien des lettres. De haine ou de soutien. Rarement entre les deux.

Héros et chaos. Première vague: trente ans en arrière. Une dame de Nancy se présente: «Je suis née dans une famille gaulliste, un grand-oncle ministre de la Reconstruction, un cousin chef de cabinet, 15 ans en 1968... Mes héros étaient Daniel Cohn-Bendit et Ulrike Meinhof. Je suis restée fidèle à mes amours anciennes.» Un ancien combattant sonne la charge: «A nouveau, vous émergez du chaos infernal, répandant votre venin... Vous n'avez jamais cherché qu'à déséquilibrer insidieusement la France depuis 1968. Le seul homme qui l'avait compris était le général de Gaulle. Il vous a, avec raison, renvoyé chez vous. Retournez-y.»

Hilarité et honte. Deuxième vague: les événements de La Hague, qui, là encore, ont réveillé deux extrémités de la société française. Un monsieur du Rhône a ri: «Le pétulant rouquin réclamant la protection d'un cordon de CRS pour ne pas  tre écharpé par les travailleurs... Merci encore pour ce grand moment d'hilarité.» Un salarié de l'arsenal de Cherbourg en aurait presque pleuré: «Les flots de haine réactionnaire m'ont donné honte d' tre d'ici.» Une dame de l'île d'Yeu y a reconnu la marque des «hypocrites veaux français».

Jolies jambes et Mégalos d'or. Troisième vague: les rigolos. Un jeune homme commence ainsi: «Mademoiselle qui lisez le courrier de monsieur Cohn-Bendit, ce qui est très malpoli, puisqu'il ne vous est pas adressé, mais compte tenu de la faible longueur de votre jupe et vos jolies jambes, ça ira pour cette fois...» Le candidat vert a aussi reçu ce fax moqueur: «Par cette présente, je suis heureux de vous informer que monsieur Daniel Cohn-Bendit est officiellement nommé, nominé ou retenu pour la deuxième édition des Mégalos d'or. Signé: Mégalos sans frontières-Mythos du monde.» Tout le monde ou presque a reçu une réponse.

Le deuxième congrès de la Fédération européenne des partis verts s'est ouvert hier à La Villette, à Paris. D'entrée, Dominique Voynet, ministre de l'Environnement, y a clairement assumé le bilan de la majorité plurielle, tout en faisant entendre ce qui l'en différencie: fin du nucléaire et régularisation des sans-papiers. Daniel Cohn-Bendit se montrera, lui, aujourd'hui. Pour faire entendre le credo européen de sa campagne française.

Il est revenu avec quelques vieilles images au fond de ses poches. C'était la mi-novembre. La France débattait alors de ses mutins de la Grande Guerre. Cohn-Bendit, à la tribune de l'assemblée générale des Verts, entonnait Boris Vian et sa lettre au président.
La France le racontait converti libéral façon Madelin, il ressortait les barres de fer et la défense du théâtre de l'Odéon un soir de Mai 68. Cohn-Bendit, très sixties, jouait à Dany. Dans les sondages, les jeunes boudaient, sur le mode: «c'est l'histoire de papa-maman». Ses amis reconnaissaient qu'il ne savait de la France que ce que lui en disaient le Monde-Libé-l'Equipe. Il y avait bien des choses à renouer.

Daniel Cohn-Bendit avait tenté de le faire une première fois en 1978, lorsqu'il est autorisé à repasser la frontière. Il achète un camion, une caméra et veut tourner «l'immobilisme français». Il n'est pas allé au bout du voyage. Il lui faudra attendre encore vingt ans, et une campagne électorale, pour réactualiser ses connaissances.

Pr cheur décontracté. Aujourd'hui, le Vert compte trois mois de tournée derrière lui, en candidat momentanément solitaire des européennes, «parti trop tôt», d'après les états-majors établis. Il a roulé sa bosse à Villepinte, Saint-Nazaire, La Hague, Orange, Clermont-Ferrand, Lorient, Roubaix, avec des haltes dans les quartiers, les associations, et chaque soir des salles pleines et curieuses de l'écouter. Chaque fois, la presse locale relaie, avec gros titres et éditos à l'appui. Progressivement, le discours s'éloigne de son expérience de maire adjoint de Francfort, m me s'il y revient parfois: les cités de Villepinte se racontent à Roubaix, lesquelles se racontent à Orange... Il fallait sans doute ce temps à Cohn-Bendit pour se connecter à la société française. Et probablement aussi pour la connecter à lui.

Que n'a-t-il entendu parler du «sale Boche» sur son passage, déterrant ainsi une vieille souche française? Le fait est qu'il vient d'Allemagne et que, parfois, cela se sent. Un pays où les chasseurs sont des aristocrates pétris de bonnes manières, où le refus du nucléaire est si largement admis que l'on colle un «Atomkraft? Nein danke» («Nucléaire? Non merci», ndlr) sur son pare-brise, où le dialogue social entre syndicats et patronat est débloqué de longue date. Il a vécu, en 1993, le débat sur le traité de Maastricht au sein d'une Allemagne réunifiée, à la croissance florissante, alors que la France, prise d'angoisse sociale, se mettait à reculer devant la construction européenne. Voilà qui explique peut- tre ces mines graves sur le chemin du pr cheur décontracté de l'Europe.

Apprentissage. Cohn-Bendit se met peu à peu à l'ambiance française. Ainsi, il a intégré en douce le rejet français du mot libéral. «Camarades verts, n'écoutez pas, ça ne va pas vous plaire: je suis libéral, mais pas pour l'économie. Là où je suis fondamentalement libéral, c'est sur la politique les institutions, la démocratie», assure-t-il aujourd'hui. Dit comme ça, évidemment, il n'y a plus matière à polémique. De m me, il fait depuis peu des apparitions dans les bureaux du ministère de Dominique Voynet, où il demande à regarder dans des dossiers, quelques données bien françaises.

Lorsqu'il arrive à Roubaix, un froid lundi de janvier, Guy Hascoët, député vert du coin, l'emmène dans son bureau et lui raconte pendant près d'une heure «la blessure collective» de cette région. Un peu plus tard, dans le train régional, il dialogue avec le responsable régional de la CFDT-Transports sur le statut des cheminots. Parfois, aux mots de Cohn-Bendit, le cheminot grimace, et DCB finit par lâcher: «C'est vrai qu'ici le patronat est tellement conservateur. Il n'aime pas le syndicalisme de proposition.» Comme s'il reprenait le tournage laissé en plan il y a vingt ans.

Foi européenne. Mais jamais il n'abdique ne serait-ce qu'un peu de sa foi européenne. Question d'un jeune beur dans un quartier triste d'Orange aux mains du FN: «C'est quoi l'avenir pour des gens comme nous? On n'a m me pas une place à Orange, alors je ne nous vois pas une place dans l'Europe.» Cohn-Bendit: «Vous savez que, pour des associations comme la vôtre, il existe des subventions européennes. Le problème, c'est que la structure administrative française ne les utilise pas.» M me discours aux marins-p cheurs croisés dans les ports de Bretagne, très remontés contre Bruxelles: «Il existe un programme pour vous. Seulement 9 % des fonds sont mobilisés par la France. Ce n'est donc pas le problème de l'Europe, mais de comment la France gère l'Europe.» Aux agriculteurs venus chahuter son meeting de Valenciennes, il lance: «Je ne vous reprocherai jamais d' tre malins, de prendre le fric là où il est. Mais il faut revoir la distribution des subventions.»

Une déclaration qu'il est le seul à pouvoir faire. Car Daniel Cohn-Bendit n'a pas du tout l'intention de passer côté français. «Je veux  tre un médiateur entre une idée européenne et la France», dit-il. Il y a un moment que l'idée européenne le compte parmi les siens. La France, elle, se donne encore un peu de temps.


 

Libération, 27./28.2.1999





«Il est apparu par ses propos comme un personnage très politicien, finalement peu différent de ses concurrents.»
Philippe Méchet, de la Sofres
Les organismes de sondages analysent sa chute.


«Son image auprès du public s'est dégradée»

Par CHARLES SANSORGNÉ

Cohn-Bendit principal ennemi de Cohn-Bendit? Depuis un mois, le leader écologiste fléchit dans les sondages. Dans la dernière livraison de la Sofrès pour les européennes (1), il perd trois points et n'est plus crédité que de 5 % des intentions de vote. La semaine dernière, dans un sondage BVA (2), avec un score de 7,5 %, il enregistrait une perte d'un point et demi.

Pour Stéphane Zumsteeg, directeur d'Etudes Ipsos, «cette tendance est la conséquence directe de la dégradation de l'image de Daniel Cohn-Bendit auprès du public». En effet, si les opinions favorables sont relativement stables (aux environs de 25 %), les opinions défavorables connaissent une hausse très importante, pour atteindre 54 %, selon Ipsos, et 60 %, selon BVA. D'après l'étude d'Ipsos (3), cette tendance est générale et touche les sympathisants de gauche. Elle se répercute jusqu'aux sympathisants des Verts, qui sont 36 % à se défier de leur t te de liste et seulement 48 % à lui accorder leur confiance.

La campagne avait plutôt bien commencé pour lui. Selon Stéphane Rozès, directeur de CSA Opinion, le leader écologiste «a bénéficié de la commémoration de Mai 68, ce qui lui a permis de rallier les jeunes, déjà fortement intéressés par les questions environnementales».

«Potentiel mobilisateur». Partie de 22 % en septembre, sa cote de popularité Ipsos auprès des moins de 35 ans va culminer à 40 % en janvier dernier, pour finalement retomber à 33 % en février. «Surtout, poursuit Stéphane Rozès, Daniel Cohn-Bendit élargit l'électorat vert dans la génération des soixante-huitards, notamment en ajoutant une dimension "sociétale" au discours écologiste.»

M me constat à BVA, où Jérôme Sainte-Marie, directeur des études politiques, constate le «grand potentiel mobilisateur» de la t te de liste des Verts. En début de campagne, outre les classes moyennes, électorat traditionnel des Verts, Daniel Cohn-Bendit a aussi séduit les cadres supérieurs, qui sont 52 % à avoir une bonne opinion de lui en décembre. En février, ils ne sont plus que 36 %.

Pour les sondeurs, la chute du Vert s'explique principalement par son attitude à l'égard des autres formations de la majorité plurielle. «En début de campagne, en se donnant comme objectif de dépasser la liste PC aux européennes, il a provoqué l'incompréhension de l'électorat de gauche», note Philippe Méchet, directeur des études politiques de la Sofrès. «Ensuite, poursuit Jérôme Sainte-Marie, aux yeux de nombreux électeurs, son affrontement brutal avec Jean-Pierre Chevènement, et donc indirectement avec le Premier ministre, constitue un facteur de division pour la majorité actuelle, qui pourrait entraîner celle-ci vers un échec électoral.» Dès lors, sa capacité à capter l'électorat des autres partis de la gauche plurielle se trouve amoindrie.

«Erreur de positionnement». «Par ailleurs, ajoute Philippe Méchet, Daniel Cohn-Bendit aurait pu jouir de son statut de nouveau venu dans le jeu politique français et s'en démarquer. Or il est apparu par ses propos comme un personnage très politicien, finalement peu différent de ses concurrents.» Cette «erreur de positionnement» le prive d'une partie «des électeurs sans préférence partisane», pour lesquels sa candidature représentait un souffle d'air frais sur la scène politique française.

Depuis janvier, la personnalité de Daniel Cohn-Bendit irrite visiblement de nombreux électeurs, qui voient en lui plus un «agitateur», selon Jérôme Sainte-Marie, qu'un homme politique digne de confiance. L'opposition violente des employés de La Hague, puis celle des chasseurs, s'est paradoxalement retournée contre lui, renforçant son image de provocateur auprès de l'opinion. «S'il ne veut pas faire figure d'opposant systématique, Daniel Cohn-Bendit devra donner un contenu positif et constructif à sa candidature», tranche Stéphane Zumsteeg.

(1) Réalisé du 19 et 20 février auprès d'un échantillon de 1 000 personnes.
(2) Réalisé du 11 au 13 février auprès d'un échantillon de 952 personnes.
(3) Réalisée les 5 et 6 février auprès de 948 personnes.



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Le Monde, 4 février 1999

Changer la France pour construire l'Europe

par Daniel Cohn-Bendit


M ILLE neuf cent quatre-vingt-dix-huit s'est achevée sur un formidable espoir : l'euro. Les campagnes de publicité gouvernementales et bancaires nous l'annonçaient : le 1er janvier, un cap historique allait  tre franchi. Bien sûr, on avait quelques appréhensions quant à la capacité des uns et des autres à s'adapter. Mais on touchait du doigt l'unification de l'Europe : une seule monnaie allait nous permettre de passer d'un pays à l'autre avec les m mes billets et la m me visibilité des prix. Jamais, dans l'Histoire, autant de pays ne s'étaient unis de leur plein gré pour opérer un tel bouleversement.

Et puis, dès le lundi suivant, il a bien fallu constater que rien n'avait changé. Nous vivions toujours en francs. Rajouter les prix en euros n'avait servi à rien. Quelques jours avaient suffi pour ne voir que les francs sur les étiquettes des grands magasins. Excepté les cours de la Bourse sur France-Info et les "X francs, Y euros" du Monde, l'euro n'était qu'un mirage ou la mauvaise plaisanterie d'un 1er avril en avance.

La nouvelle Europe serait-elle une illusion ? L'Europe unie, unifiée par sa monnaie, une plaisanterie ? Pas de grand dessein pour le quotidien des Européens ? Bref, retour à la case départ. Le chômage ? Ça va mieux : moins 150 000 chômeurs en 1998. A ce rythme, plus que vingt ans pour passer sous la barre du million ! L'école ? Après la réforme des lycées, après celle des collèges, on nous présente la réforme des écoles primaires. Dans dix ans, ce sera génial, on aura m me envie d'y retourner ! En attendant, les enseignants ont toutes les raisons de faire grève. Mais qu'est-ce qu'on fait de nos gosses pendant ce temps-là ?

 

Retour aux limites de l'Hexagone. Retour à l'étroit, au gris, retour au connu. L'euro, l'Europe, ce n'est pas pour nous. C'est pour les happy few que la télé nous montre en coup de vent dans les salles de marché. C'est pour ceux d'en haut, ceux qui vivent comme s'ils étaient américains. Pas pour les lambda.

Quelle tristesse ! Décevoir à ce point en ayant appâté, inquiété mais aussi proposé enfin quelque chose de nouveau, qui vienne de l'Europe et nous touche dans la vie quotidienne, nous oblige à nous réveiller, à nous ébrouer après des années d'engourdissement, à nous sentir pour la première fois européens.

Les leçons à tirer de cette mauvaise farce ? Tout d'abord, on s'est aperçu que c'étaient les dirigeants qui étaient en retard et non pas les citoyens. Ensuite, on a ressenti pour la première fois qu'on avait besoin d'Europe pour retrouver moral et dynamisme. Enfin, il est apparu clairement que seule une Europe unifiée peut donner de l'oxygène aux pays qui, chacun de leur côté, s'essoufflent depuis des années. Chaque Européen - ou presque - sent bien que son pays tourne en rond dans son coin, de malaise en réforme avortée. Chaque Européen sent bien qu'il est désormais impossible de réformer les pays indépendamment les uns des autres, surtout sous l'emprise d'un "pacte de stabilité" qui vise à emp cher le retour de la fièvre inflationniste alors que nous sommes en hypothermie déflationniste. Que faire ? Ou nous inventons un modèle de réforme européen ou nous appliquons celui des Etats-Unis, celui de l'époque Reagan-Thatcher. Et là, ce seront encore les lambda qui en pâtiront... !

Et si, en attendant l'euro de 2002, nous nous lancions dans l'unification européenne par quelques chantiers volontaristes et ambitieux qui changeraient notre vie ? Un réseau européen de trains à grande vitesse pour passagers et pour fret. Une politique d'aménagement des zones urbaines qui, au travers de la réorganisation des implantations des logements sociaux et des infrastructures des transports en commun, nous évite la constitution de ghettos à l'américaine et le développement d'une sécurité des personnes reposant sur une police de choc. Enfin, l'unification territoriale de l'Europe, celle-ci passant par l'adhésion des pays de l'autre côté du mur, qui, comme les anciennes dictatures (Espagne, Portugal, Grèce), n'ont d'avenir démocratique, et nous avec, que dans l'Europe unie.

Et qu'on ne nous fasse pas le coup du "comment allez-vous financer tout cela ?". Rappelez-nous donc combien nous coûte et, surtout, combien va nous coûter une politique nucléaire sans avenir ?

Un pays qui entendrait mener seul cette politique ambitieuse se heurterait rapidement aux contraintes du "pacte de stabilité". Mais le lancement réussi de la monnaie unique crée les conditions adéquates pour contourner cette disposition du traité d'Amsterdam. Le choix des banques centrales des cinq continents de convertir une part importante de leurs réserves monétaires en euros signifie que la prime de risque est faible et permet donc d'emprunter en euros à bon marché. Parallèlement, la solidité de l'Euroland, attestée durant la crise internationale de l'été dernier, et la force de ses réserves en devises (cinq fois supérieures à celles des Etats-Unis d'Amérique) permettent à l'Union européenne d'adosser facilement des emprunts à sa nouvelle monnaie. L'Europe est dans la meilleure des positions : celle d'emprunter à long terme à bon marché.

Cet emprunt européen, visant à financer des grands travaux qui épauleront une croissance trop molle, doit obéir à trois règles d'équité :

- les générations futures doivent profiter d'équipements qu'elles contribueront à rembourser ;

- les pays d'Europe orientale (l'Europe de demain) doivent bénéficier d'infrastructures puisque leur entrée dans l'Union entraînera leur participation au remboursement des intér ts ;

- les institutions européennes, devant les limites des Etats-nations, doivent reprendre à leur compte le modèle social européen et inventer un développement durable.

La nouvelle donne politique en Europe, le coeur de l'Euroland étant dorénavant dirigé par une gauche renouvelée, place ses responsables politiques devant la nécessité historique d'utiliser l'accélération de l'unification européenne pour répondre aux crises sociales et écologiques. Les élections simultanées dans ces pays sont l'occasion d'un débat avec tous les citoyens européens pour qu'ils pèsent sur ces choix et enclenchent une dynamique à l'échelle du continent.

La création d'un réseau d'Euro-TGV sera, comme la relance de l'habitat social, fortement créatrice d'emplois. Emplois qualifiés pour les activités liées à la haute technologie, moyennement qualifiés en ce qui concerne les travaux publics, sans oublier tous les métiers liés à la fabrication des motrices et des rames où l'industrie française est en pointe.

Ce programme de grands travaux doit  tre discuté. Des autoroutes polluantes ou des TGV ? Des sites touristiques ou de l'habitat social ? Ce débat, s'il n'est pas abandonné aux seuls décideurs, peut  tre l'occasion d'enraciner une écologie citoyenne à l'échelle européenne. La circulaire Bianco, en ce qui concerne la France, est une première remise en question des décisions confinées aux experts à condition, naturellement, d' tre systématiquement mise en oeuvre. Aussi, il est, par exemple, tout à fait regrettable que le projet d'autoroute Grenoble-Sisteron n'ait pas encore fait l'objet d'un vaste débat public. Faudrait-il tenir cachés les déficits d'exploitation attendus et l'aggravation de la pollution atmosphérique de la cuvette grenobloise ? De m me que la Cour de justice européenne est devenue une référence supr me en ce qui concerne le droit des individus, le droit à la citoyenneté environnementale peut progresser si les institutions européennes acceptent de soumettre le financement de l'Euro-TGV à un débat public dans les Etats nationaux. Dans cette logique, l'Europe peut  tre le moteur d'une nouvelle politique en favorisant les échanges et en subventionnant l'imagination et l'innovation écologique et sociale.

"Jusqu'à présent, il s'agissait d'intégrer les pays du continent, il s'agit dorénavant de les unifier", a dit Bronislaw Geremek. Les communications sont essentielles, à condition qu'elles permettent une interaction positive entre nos différents modèles sociaux. L'avenir de la protection sociale doit aussi  tre fondé sur les principes d'une solidarité européenne et inter-générationnelle. Les pays qui vont rejoindre l'Union dans les années à venir n'ont pas les moyens de mutualiser leur politique de la santé, ni de mettre en place un système de retraite par répartition. Sans intervention de la puissance publique européenne, l'Est connaîtra un séisme social qui s'étendra jusqu'ici et ébranlera demain les principes de mutualisation de nos systèmes de protection sociale. Profiter de financements européens pour autoriser et encourager les mutuelles françaises, ainsi que celles des pays environnants, à étendre dès maintenant leurs activités chez les futurs adhérents, c'est commencer la construction d'un système européen mutualiste.

Alors que l'euroscepticisme se contorsionne en battant de l'aile, on ne peut que partager l'espoir de revivre les "trente glorieuses" à l'échelle européenne. Mais nous ne saurions nous satisfaire d'un New Deal européen sans y ajouter une dimension culturelle. Il nous faut relever le formidable défi que nous impose le dynamisme de l'industrie culturelle américaine. Si l'Europe est un kaléidoscope, un patchwork d'identités, je suis convaincu que ce pluralisme et cette diversité sont une richesse pour nous, Européens, et que la multiplicité des goûts, des modes de vie et des langues nous oblige à nous écouter et à nous regarder attentivement pour nous comprendre. Dans cet espace culturel, le cinéma est un enjeu économique, social et identitaire. L'UE doit enfin renforcer l'espace cinématographique commun et soutenir un cinéma sans frontières. C'est en favorisant ce développement que nous sauverons le pluralisme de nos images, de nos r ves et de nos désirs. Le chantier est ouvert : quotas de diffusion, création d'un fonds de soutien à la production, renforcement de l'aide à la distribution. N'oublions pas non plus de défendre l'idée qu'un film est la propriété de son auteur et non celle du producteur ou du financier.

Puisque nous avons joyeusement enterré l'AMI, inventons un bel AMI qui réglemente les marchés, taxe la spéculation financière et respecte les hommes. Seule l'Europe peut nous défendre et nous protéger contre les folies et les risques d'une globalisation qui part à la dérive. Maîtriser la mondialisation, ce n'est pas la refuser ; c'est lui donner un nouveau sens avec l'Europe pour modèle. C'est favoriser une évolution durable au service d'un bien- tre équitable et solidaire.


Daniel Cohn-Bendit est député européen, t te de liste des Verts aux élections européennes.

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Le Monde, 28 janvier 1999

La France moisie

Philippe Sollers


ELLE ÉTAIT là, elle est toujours là ; on la sent, peu à peu, remonter en surface : la France moisie est de retour. Elle vient de loin, elle n'a rien compris ni rien appris, son obstination résiste à toutes les leçons de l'Histoire, elle est assise une fois pour toutes dans ses préjugés viscéraux. Elle a son corps, ses mots de passe, ses habitudes, ses réflexes. Elle parle bas dans les salons, les ministères, les commissariats, les usines, à la campagne comme dans les bureaux. Elle a son catalogue de clichés qui finissent par sortir en plein jour, sa voix caractéristique. Des petites phrases arrivent, bien rancies, bien médiocres, des formules de rentier peureux se tenant au chaud d'un ressentiment borné. Il y a une b tise française sans équivalent, laquelle, on le sait, fascinait Flaubert. L'intelligence, en France, est d'autant plus forte qu'elle est exceptionnelle.

La France moisie a toujours détesté, p le-m le, les Allemands, les Anglais, les Juifs, les Arabes, les étrangers en général, l'art moderne, les intellectuels coupeurs de cheveux en quatre, les femmes trop indépendantes ou qui pensent, les ouvriers non encadrés, et, finalement, la liberté sous toutes ses formes. La France moisie, rappelez-vous, c'est la force tranquille des villages, la torpeur des provinces, la terre qui, elle, ne ment pas, le mariage conflictuel, mais nécessaire, du clocher et de l'école républicaine. C'est le national social ou le social national. Il y a eu la version familiale Vichy, la cellule Moscou-sur-Seine. On ne s'aime pas, mais on est ensemble. On est avare, soupçonneux, grincheux, mais, de temps en temps, La Marseillaise prend à la gorge, on agite le drapeau tricolore. On déteste son voisin comme soi-m me, mais on le retrouve volontiers en masse pour des explosions unanimes sans lendemain. L'Etat ? Chacun est contre, tout en attendant qu'il vous assiste. L'argent ? Evidemment, pourvu que les choses se passent en silence, en coulisse. Un référendum sur l'Europe ? Vous n'y pensez pas : ce serait non, alors que le désir est oui. Faites vos affaires sans nous, parlons d'autre chose. Laissez-nous à notre bonne vieille routine endormie.

La France moisie a bien aimé le XIXe siècle, sauf 1848 et la Commune de Paris. Cela fait longtemps que le XXe lui fait horreur, boucherie de 14 et humiliation de 40. Elle a eu un bref espoir pendant quatre ans, mais supporte très difficilement qu'on lui rappelle l'abjection de la Collaboration.

Pendant quatre-vingts ans, d'autre part, une de ses composantes importante et très influente a systématiquement menti sur l'est de l'Europe, ce qui a eu comme résultat de renforcer le sommeil hexagonal. New York ? Connais pas. Moscou ? Il paraît que c'est globalement positif, malgré quelques vipères lubriques.

Oui, finalement, ce XXe siècle a été très décevant, on a envie de l'oublier, d'en faire table rase. Pourquoi ne pas repartir des cathédrales, de Jeanne d'Arc, ou, à défaut, d'avant 1914, de Péguy ? A quoi bon les penseurs et les artistes qui ont tout compliqué comme à plaisir, Heidegger, Sartre, Joyce, Picasso, Stravinski, Genet, Giacometti, Céline ? La plupart se sont d'ailleurs honteusement trompés ou ont fait des oeuvres incompréhensibles, tandis que nous, les moisis, sans bruit, nous avons toujours eu raison sur le fond, c'est-à-dire la nature humaine. Il y a eu trop de bizarreries, de désordres intimes, de singularités. Revenons au bon sens, à la morale élémentaire, à la société policée, à la charité bien ordonnée commençant par soi-m me. Serrons les rangs, le pays est en danger.

Le danger, vous le connaissez : il rôde, il est insaisissable, imprévisible, ludique. Son nom de code est 68, autrement dit Cohn-Bendit.

Résumé de sa personnalité, ces temps-ci : anarchiste mercantiliste, élite mondialisée, Allemand notoire, candidat des médias, trublion, emmerdeur, Dany-la-Pagaille. Il a du bagou, soit, mais c'est une sorte de sauvageon. Personne n'ose crier (comme dans la grande manifestation patriotique de l'époque anti-68) : "Cohn-Bendit à Dachau !", mais ce n'est pas l'envie qui en manque à certains, du côté de Vitrolles ou de Marignane. On se contentera, sur le terrain, de "pédé", "enculé", "bandit", dans la bonne tradition syndicale virile. "Anarchiste allemand", disait le soviétique Marchais. "Allemand qui revient tous les trente ans", s'exclame un ancien ministre gaulliste de l'intérieur. Il n'est pas comme nous, il n'est pas de chez nous, et cela nous inquiète d'autant plus que le XXIe siècle se présente comme l'Apocalypse.

Le moisi, en euro, ne vaut déjà plus un kopeck. Tout est foutu, c'est la fin de l'Histoire, on va nous piller, nous éliminer, nous pousser dans un asservissement effroyable. Et ce rouquin rouge devenu vert vient nous narguer depuis Berlin ? C'est un comble, la famille en tremble. Non, nous ne dialoguerons pas avec lui, ce serait lui faire trop d'honneur. Quand on est un penseur sérieux, responsable, un Bourdieu par exemple, on rejette avec hauteur une telle proposition. Le bateleur sans diplômes n'aura droit qu'à quelques aboiements de chiens de garde. C'est tout ce qu'il mérite en tant que manipulateur médiatique et agent dissimulé des marchés financiers. Un entretien télévisé, autrefois, avec l'abbé Pierre, soit. Avec Cohn-Bendit, non, cela ferait blasphème dans les sacristies et les salles feutrées du Collège de France. A la limite, on peut dîner avec lui si on porte le lourd poids du passé stalinien, ça fera diversion et moderne. Nous sommes pluriels, ne l'oublions pas.

  VIEILLE LITTÉRATURE

L'actuel ministre de l'intérieur est sympathique : il a frôlé la mort, il revient du royaume des ombres, c'est "un miraculé de la République", laquelle n'attendait pas cette onction d'un quasi au-delà. Mais dans "ministre de l'intérieur", il faut aujourd'hui entendre surtout "intérieur". C'est l'intériorité qui s'exprime, ses fantasmes, ses défenses, son vocabulaire spontané. Le ministre a des lectures. Il sait ce qu'est la "vidéosphère" de Régis Debray (où se déplace, avec une aisance impertinente, cet Ariel de Cohn-Bendit, qu'il prononce "Bindit").

Mais d'où vient, à propos des casseurs, le mot "sauvageon" ? De quel mauvais roman scout ? Soudain, c'est une vieille littérature qui s'exprime, une littérature qui n'aurait jamais enregistré l'existence de La Nausée ou d' Ubu roi. Qui veut faire cultivé prend des risques. On n'entend pas non plus Voltaire dans cette voix-là. Comme quoi, on peut refuser du m me geste les Lumières et les audaces créatrices du XXe siècle.

Ce n'est pas sa souveraineté nationale que la France moisie a perdue, mais sa souveraineté spirituelle. Elle a baissé la t te, elle s'est renfrognée, elle se sent coupable et veut à peine en convenir, elle n'aime pas l'innocence, la gratuité, l'improvisation ou le don des langues. Un Européen d'origine allemande vient la tourmenter ? C'est, ici, un écrivain européen d'origine française qui s'en félicite.

 

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Die Zeit, 28.1.1999

Dany mondial

Daniel Cohn-Bendit, Spitzenkandidat der französischen Grünen, will der Linken die Angst vor Europa nehmen

Jacqueline Hénard

Kurz und geschmacklos ist der Witz, der in Paris seit Wochen immer wieder gern erzählt wird, vor allem von nationalkonservativen Politikern. Daniel Cohn-Bendit, heißt es, sei sehr deutsch geworden – alle dreißig Jahre komme er nach Frankreich zurück. Das ist eine Anspielung auf die Überfälle "der" Deutschen 1870, 1914 und 1940. Und Cohn-Bendit wird dreißig Jahre nach der Studentenrevolte, die er in Frankreich angeführt hat, Spitzenkandidat der französischen Grünen für die Europawahl im Juni.

Der "rote Dany", 53, ist wieder da diesmal als Mitglied des politischen Establishments, und schon wird mit scharfer Munition geschossen" vom rechten wie vom linken Rand des Parteienspektrums. Da inzwischen sich die Erinnerungen an den Revoluzzer und das Wissen um sein progressives Europaverständnis mit historischen Reflexen, die man austherapiert glaubte. "Der Jude" und "der "Deutsche", so klingt es aus Politikermund.

Gröber waren die Gewerkschaftsfunktionäre der Atomindustrie. "Dreckiger Jude" und "dreckiger Deutscher" beschimpften sie ihn kürzlich vor den Werkstoren der Wiederaufbereitungsanlage La Hague. Danach stand Cohn-Bendit am Hinterausgang, trat von einem Fuß auf den anderen und redete in den Nebel hinein: "Das packe ich nicht mehr, ich muß nachdenken." Beim folgenden Auftritt vor der Fernsehkamera hatte Cohn-Bendit sich wieder gefangen. Jude und Deutscher, das sei in Ordnung, sagt er sinngemäß, stimme ja auch beides, aber eine Beschimpfung wie "dreckiges jüdisches Arschloch" mache die Auseinandersetzung doch fast unmöglich.

Der Prototyp eines Europäers ist Daniel Cohn-Bendit. Findet er jedenfalls selbst. Andere sehen in ihm einen "Stellvertreter der mondialisierten Eliten". Auch "dreckiger Deutscher" muß er sich anhören

Rabatz machen, austeilen und einstecken, das gehört seit jeher zu Cohn-Bendit Lebensverständnis. Leicht6 ist er nicht aus der Fassung zu bringen. Als junge Leute an der Universität Nanterre, seiner Wirkungsstätte 1968 mit einer Sahnetorte nach ihm warfen, wischte er sich nicht einmal das Gesicht ab: "Das mit der Torte geht in Ordnung, Kamerad, ich liebe die Provokation – aber jetzt komm her und sag, warum!"

In La Hague flogen vergangene Woche Eier, Tomaten und Jauche. Cohn-Bendit bewegte sich in einem Kamerawald vorwärts. Einem wütenden Arbeiter' legte er die Hand auf den Kopf: "Können wir nicht miteinander reden?" Der Mann will sich nicht mit Worten einwickeln lassen und brüllt einfach weiter: "Du willst bloß meinen Arbeitsplatz in die Luft jagen, die ganze Region kaputtmachen, Scheiße anstellen, das ist alles!" Eine Woche später hat Cohn-Bendit den Zusammenstoß zweier Welten zum Erkenntnisgewinn überhöht: "Als ich einem Arbeiter den Kopf streicheln konnte, da hat er mir wichtige Dinge gesagt, und ich habe wichtige Dinge gespürt. Wir müssen diese Debatte führen."

Daniel Cohn-Bendit ist ein Überzeugungstäter. Er will die französische Linke zwingen, sich zu Europa zu bekennen. "Seit Jahren höre ich in Deutschland immer wieder, du bist kein Deutscher. Ich bin Europäer. Ich bin in Frankreich geboren, meine Muttersprache ist französisch. Ich bin der Prototyp des Europäers." Cohn-Bendit ist erst 1958 mit seiner Mutter in das Heimatland seines jüdischen Vaters gekommen, als Zwölfjähriger weinte er jede Nacht, wie er erzählt, aus Sehnsucht nach Frankreich.

Cohn-Bendit will der französischen Linken die Angst vor Europa nehmen, vor allem dem sozialistischen Premierminister: "Lionel Jospin ist eingeklemmt zwischen französischem Nationalismus und einer pro-europäischen Haltung." An Jospin und keinem anderen (,;ich und Jospin, das soll jetzt nicht megaloman klingen") mißt sich Daniel Cohn-Bendit. Nebenziel seiner Rückkehr nach Frankreich - oder Hauptziel, wer weiß - ist es, die französischen Grünen als zweitstärkste Kraft der Linken zu verankern. Daniel Cohn-Bendit will es noch einmal wissen.

Reden will er mit allen Parteiführern der Linkskoalition. Mit Kommunistenchef Robert Hue hat er sich wochenlang auf dem Umweg über Interviews und Pressemitteilungen gestritten. Dann haben sie zusammen Abend gegessen, jeder hat seinen Teil bezahlt. Geändert hat sich nichts. Der Streit geht um die Rangfolge der Parteilisten bei der Europawahl und das Gewicht der jeweiligen Parteien in der Regierungskoalition. Und um die Energiepolitik. Die Kommunisten sind resolut dagegen – auch wenn Cohn-Bendit das herrische Auftreten des deutschen Umweltministers in Frankreich für "pädagogisch schlecht" hält.

"Rädelsführer einer liberal-libertären Bewegung"

Die französischen Grünen sich t nicht einmütig herbeigewünscht. Ein Star als Spitzenkandidat, das paßt nicht in ihre Kollektivtradition. Die weitreichende Zustimmung (76 Prozent) hat sich dann in Folge der Bundestagswahl sozusagen aufgedrängt. Die französischen Grünen waren nach der letzten Wahl 1997 nur dank einer Wahlallianz mit den Sozialisten überhaupt in der Nationalversammlung vertreten. Cohn-Bendit bedankte sich für die Nominierung, indem er auf dem Sonderparteitag ein leidenschaftliches Plädoyer für die Legalisierung illegaler Einwanderer hielt, ein Herzensanliegen der französischen Grünen.

Die Delegierten klatschten und trampelten vor Begeisterung. "Dany", das war ihnen klar, würde für Gesprächsstoff sorgen. Daß er auch die Abgründe der französischen Nationalseele offenlegen würde, hat alle überrascht.

Der Innenminister Jean-Pierre Chevènement, ein enger Vertrauter des Premierministers und Mann präziser Formulierungen, beleidigte Cohn-Bendit kurz darauf als "Stellvertreter der mondialisierten Eliten" und "der merkantilistischen Anarchie". Er sei Rädelsführer einer "liberal-libertären Bewegung". In La Hague hat die Polizei friedlich zugesehen, als die Gewerkschaftler Cohn-Bendit und seine Begleiter in die Zange nahmen.

Die Replik kam mit ein paar Tagen Verzögerung. Innenminister Chevènement, so gab Cohn-Bendit zu verstehen, habe sein politisches Debüt einst bei den Rechtsextremisten gegeben. Cohn-Bendit beherrscht die Kunst, solche Worte mit dem treuherzig-aufrichtigen Jungenblick vorzutragen.


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DER SPIEGEL 3/1999

DER ERSTE WELTKRIEG

INTERVIEW

"Weniger Haß als Verständnis"

Der französische Historiker Pierre Miquel über den "Grande Guerre"

SPIEGEL: 1914/1918 wurde in Frankreich der "unbegreifliche Krieg" genannt. Was war daran so unbegreiflich?

Miquel: Vor allem die bestürzende Eile, mit der die Staaten ihn losgetreten haben. Alle glaubten sie, je schneller man ihn anfange, um so kürzer werde er.

SPIEGEL: Nach einem geheimen Befehl des Generals Galliéni sollte Paris damals bei drohender Eroberung durch die Deutschen "Stein für Stein" verteidigt werden, alle wichtigen Bauwerke, sogar der Eiffelturm, seien zu sprengen. Hätten die Franzosen aus ihrer Hauptstadt wirklich verbrannte Erde gemacht?

Miquel: Ob die Order schließlich ausgeführt worden wäre ­ wer will das sagen? Aber Ansätze für eine totale Kriegführung gab es schon. Auf der anderen Seite verzeichnen wir aber auch erstaunliche Fälle von Fraternisierung über die Gräben und die Gräber hinweg.

SPIEGEL: Hat Schützengrabenromantik die Zahl dieser Fälle nicht übertrieben?

Miquel: Nein, in den französischen Archiven finden sich schon 1914 Befehle, welche Fraternisierungen verboten haben. Wenn solche Befehle nicht nötig gewesen wären, hätte man sie nicht erlassen. Einmal hat der Oberbefehlshaber General Joffre sogar persönlich eingegriffen, um zu verhindern, daß deutsche und französische Offiziere in dem elsässischen Städtchen Thann gemeinsam die Weihnachtsmesse besuchten.

SPIEGEL: Fraternisierung einerseits, Brutalisierung andererseits ­ wie muß man das verstehen?

Miquel: Es waren Menschen in extremen Situationen ...

SPIEGEL: ... die einander haßten?

Miquel: Nicht mal. Für mein Buch über Verdun habe ich alle verfügbaren Zeugnisse vor allem von Verwundeten beider Seiten zusammengetragen. Man findet darin viel weniger Haß als Verständnis für den Gegner. Aber natürlich gab es auch Situationen, in denen die Soldaten nicht mehr wußten, was sie taten, oft übrigens unter Alkohol.

SPIEGEL: Alkoholkonsum auf Befehl oder gegen Befehl?

Miquel: Es gab beides. Wir kennen die Order eines französischen Generals: "Den Alkohol nicht vergessen." Und wir kennen den Fall einer deutschen Kompanie, die ein Dorf in der Champagne erobert hatte, aber dann nicht weiter vorging, sondern verschwunden war. Sie hatte sich über die Keller hergemacht und war betrunken, die ganze Kompanie.

SPIEGEL: Auf französischer Seite gab es 1917 eine große Protestbewegung unter den Soldaten, die sich weigerten, weiterhin aussichtslos gegen die deutschen Linien anzurennen. Stimmt es, daß die Meuterei fast die Hälfte der französischen Armee erfaßt hatte?

Miquel: Ja, ungefähr 40 von 100 Divisionen, genau weiß man es nicht. Jedenfalls waren es sämtliche Divisionen, die in den mörderischen französischen Offensiven am Chemin des Dames verheizt wurden. Eine Protestbewegung dieses Ausmaßes an der Front hatte bis dahin nicht stattgefunden.

SPIEGEL: Wie viele Meuterer wurden verurteilt, wie viele hingerichtet?

Miquel: Mit ziemlicher Sicherheit wurden 43 Soldaten wegen Meuterei verurteilt und erschossen.

SPIEGEL: Was hat man den Familien der Erschossenen erklärt?

Miquel: Man hat den Grund des Todes nicht genannt, sondern nur mitgeteilt: "Gefallen für Frankreich".

SPIEGEL: Von Meuterei sollte öffentlich nicht geredet werden?

Miquel: So war es, vor allem sollte der Feind nichts von den Ereignissen erfahren.

SPIEGEL: Der Film von Stanley Kubrick "Wege zum Ruhm", der das Problem der Meuterei drastisch darstellt, durfte fast zwei Jahrzehnte lang in Frankreich nicht gezeigt werden. Wovor hatte man Angst?

Miquel: Die Armee und die ihr nahestehenden Kreise hatten ihre Bedenken. Wer in den Archiven über die Meuterei von 1917 forschen wollte, benötigte eine spezielle Erlaubnis.

SPIEGEL: Es war aber ein Hollywoodfilm ...

Miquel: Eben, ein Film aus dem Ausland.

SPIEGEL: Im vergangenen Herbst hat Premier Lionel Jospin gefordert, bei den Gedenkfeiern zum 80. Jahrestag des Waffenstillstands vom 11. November 1918 auch das Andenken der erschossenen Meuterer zu ehren. Führende Gaullisten, Staatschef Jacques Chirac vorneweg, haben das zurückgewiesen. Spalten die Meuterer die Franzosen auf immer?

Miquel: Sicherlich gibt es viele Franzosen, die sich über die Meuterer entrüsten, aber ich glaube nicht, daß es die Mehrheit ist. In Wahrheit handelte es sich ja auch weniger um echte Meuterer als um Bürger, die sagten: "Wir wollen nicht als Kanonenfutter behandelt werden, sondern wie Menschen. Wir wollen uns nicht in selbstmörderischen Offensiven verheizen lassen." Am Chemin des Dames sollten französische Soldaten teilweise gegen Stacheldrahtverhaue anstürmen, die durch die Artillerie noch nicht zerstört waren. Wie konnte man Leute verurteilen, die sich weigerten, solchen Befehlen zu gehorchen?

SPIEGEL: In Frankreich hat das Trauma 1914/18 den Pazifismus gestärkt nach dem Motto "Nie wieder solch ein Abschlachten!" Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem französischen Sieg von damals und der katastrophalen Niederlage von 1940?

Miquel: Unsere Niederlage von 1940 war die Folge der Unfähigkeit unserer militärischen Führer, sich den modernen Methoden der Kriegführung anzupassen. Marschall Pétain, Kriegsminister von 1934 bis 1939, und General Weygand, der letzte Oberbefehlshaber 1940, hatten nicht begriffen, wie sehr die Lage durch Panzer und Flugzeuge verändert wurde. Sie blieben dabei, daß der beste Schutz Frankreichs die Maginot-Linie sei; sie sind für diese Niederlage verantwortlich. Die französischen Soldaten haben 1940 teilweise tapfer gekämpft, aber sie waren schlecht geführt und technisch unterlegen.

SPIEGEL: Was sagt der Waffenstillstand vom 11. November 1918, der 1998 in Frankreich groß gefeiert wurde, den Franzosen heute noch?

Miquel: Er ist ein Bestandteil unserer Nationalkultur, ein Totenkult, aber in einem positiven Sinn. In Verdun hat man ein Friedensmuseum eingerichtet, nicht um die Schönheiten des Kriegs, sondern dessen Schrecken vor Augen zu führen. Wenn man den 11. November als Feiertag abschaffen würde, gäbe es einen Proteststurm.

SPIEGEL: "Libération" urteilte kürzlich: "Der Erste Weltkrieg war der Selbstmord Europas und die große Fabrik künftiger Monster." Einverstanden?

Miquel: Ja. allerdings halte ich es für sehr übertrieben zu sagen, allein der Frieden von Versailles habe Hitler hervorgebracht.


Miquel, 68, Professor an der Pariser Sorbonne, hat über den Ersten Weltkrieg Bücher geschrieben wie "La Grande Guerre" (1983), "Mourir à Verdun" (1995) und "Le Chemin des Dames" (1997).

DER SPIEGEL 3/1999 - Vervielfältigung nur mit Genehmigung des SPIEGEL-Verlags


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Le Monde, 31 janvier 1999

Lionel Jospin, les "lilis" et les "bobos"

Erik Izraelewicz

ARRIVƒ par surprise au pouvoir alors même que l'économie commençait à redémarrer, et succédant à un premier ministre pour le moins maladroit, Lionel Jospin a pendant longtemps réussi un parcours d'équilibriste presque parfait. Chacune de ses décisions, que ce soit en matière économique et sociale ou dans le champ politique et sociétal, était marquée du sceau de l'"équilibre", un mot-clé dans son discours. La composition de l'équipe gouvernementale, représentative de cette fameuse gauche "plurielle", était d'ailleurs le meilleur symbole du savoir-faire de l'artiste, de sa capacité à satisfaire les contraires, à les faire travailler ensemble. Mais vingt mois plus tard, alors que l'effet de surprise s'est émoussé, qu'Alain Juppé est oublié et que l'économie menace de ne plus créer d'emplois en aussi grand nombre, l'équilibriste semble avoir perdu la main. Les tensions, désormais largement publiques, entre deux membres importants du gouvernement, Jean-Pierre Chevènement et Elisabeth Guigou, sur les moyens à mettre en oeuvre dans la lutte contre la délinquance des mineurs, en sont un des révélateurs. En fait, le premier ministre avait réussi jusqu'à présent à marier avec une belle efficacité, au sein de son gouvernement, les "lilis" et les "bobos" de la gauche, les "libéraux-libertaires" et les "bolcho-bonapartistes", selon l'expression forgée il y a quelques années par Pierre Hassner. Pour avoir peut-être un peu trop exprimé, à l'occasion de certaines décisions récentes, sa préférence personnelle pour ces derniers, il a mis en cause le bel équilibre qu'il avait su tenir jusqu'alors. Le séminaire gouvernemental qu'il organisait, samedi 28 janvier, ne suffira sans doute pas pour le rétablir. Comme la droite, la gauche est, en France, composée depuis longtemps de deux grands courants. On les a qualifiés de mille manières : les anciens et les modernes, les girondins et les jacobins, les nationaux-républicains et les démocrates, etc. En traitant la tête de liste des Verts, Daniel Cohn-Bendit, de "libéral-libertaire", M. Chevènement suggère une autre segmentation, celle qui oppose les "lilis" (les libéraux-libertaires, donc) aux "bobos", aux "bolcho-bonapartistes". Le ministre de l'intérieur est, à l'évidence, un des chefs de file de ce dernier courant. On retrouve très nettement ces deux camps au sein du gouvernement de M. Jospin. Les "lilis" - les Dominique Strauss-Kahn, Elisabeth Guigou et autre Dominique Voynet - sont ouverts sur le monde. Ils sont des pro-européens sans états d'âme. Ils font confiance à l'individu et à son sens des responsabilités et veulent favoriser l'initiative et l'innovation. Ils n'ont aucune méfiance à l'égard de la société civile et sont partisans de toutes les formes de la décentralisation. Les "bobos" - les Martine Aubry, Jean-Pierre Chevènement, Jean-Claude Gayssot - sont, au contraire, soucieux de préserver le génie français. Ils se méfient, d'une manière ou d'une autre, de l'Europe. Au contrat ils préfèrent la loi, à la conviction la coercition. Ils s'inquiètent d'un Etat central qui abandonnerait quelque parcelle de son pouvoir, que ce soit au profit des régions ou de Bruxelles. Jusqu'à présent, M. Jospin avait su habilement faire cohabiter au sein de son équipe des couples impossibles (DSK-Aubry, Guigou-Chevènement, Voynet-Gayssot). Lorsque, à l'occasion d'un arbitrage, il semblait marquer une préférence en faveur d'un "bolcho-bonapartiste", immédiatement après, il accordait un avantage à son "libéral-libertaire" correspondant. Mais, aujourd'hui, en propulsant comme il le fait depuis le début de l'année, au centre de son discours, les thèmes de la "sécurité" et de la "nation", le premier ministre exprime un choix qui semble mettre en cause ce bel équilibre.   

INFLEXION PASSAGéRE...

Cette inclination nouvelle trouve sa traduction dans toute une série de décisions. A l'instar du ministre de l'économie, des finances et de l'industrie, M. Strauss-Kahn, les "lilis" prétendent, par exemple, préférer "le risque à la rente". Mais le premier ministre demande à ses amis DSK et Claude Allègre, ministre de l'éducation nationale, de la recherche et de la technologie, de renoncer - provisoirement, certes - aux bons de croissance (les stock-options), qui devaient favoriser la création d'entreprises innovantes, et oblige, en revanche, Bercy à accepter de financer un accord sur les 35 heures à EDF, accord qui vient conforter encore le statut de salariés déjà bien installés. Le risque sanctionné, la rente renforcée. C'est là, avec cette double victoire des "bobos", un exemple, parmi d'autres, de l'actuel déséquilibre provoqué par les arbitrages de Matignon. La seule question qui vaille est aujourd'hui de savoir si cette inflexion du chef du gouvernement est purement passagère ou si elle traduit, très profondément, les préférences personnelles de M. Jospin. L'orientation actuelle du gouvernement pourrait en effet n'être, comme le prétendent certains "lilis", que purement conjoncturelle. Elle serait liée au retour sur la scène publique du "miraculé de la République", M. Chevènement, le personnage le plus emblématique à gauche du "bolcho-bonapartisme". Elle serait une réponse à l'inquiétude croissante de l'opinion sur la question de l'insécurité - dans les rues, dans les écoles et dans l'emploi. Elle viendrait aussi rassurer les Français sur leur capacité à préserver leurs exceptions, et par là même leur souveraineté, alors même que l'euro entre dans les faits. M. Jospin ne ferait donc que répondre à la supposée menace que constituerait Charles Pasqua.

  ... OU VRAIE NATURE ?

L'autre hypothèse ne peut cependant être exclue, celle qui voit ressortir, à travers les choix actuels de Matignon, la vraie nature politique du premier ministre, un "bobo" plutôt qu'un "lili". Ceux qui croyaient que la social-démocratie moderne qu'il devait incarner - ni la "troisième voie" de Tony Blair ni le "nouveau centre" de Gerhard Schröder - serait l'enfant du mariage entre ces deux courants devraient alors déchanter. Les semaines à venir vont, en tout cas, permettre aux Français de mieux connaître les convictions politiques profondes de celui qui pourrait être leur prochain président.

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Le Monde, 27 décembre 1998

Vivre avec l'immigration irrégulière

Philippe Bernard

EN APPARENCE, tout est calme sur le front des sans-papiers. Les grèves de la faim ont cessé, les manifestations sont clairsemées, les collectifs divisés et les pétitionnaires fatigués. En janvier, Jean-Pierre Chevènement, de retour place Beauvau, devrait rendre publics les résultats quasi définitifs de l'opération de régularisation lancée par le gouvernement Jospin dès juin 1997. Compte tenu des recours et de l'application de la nouvelle loi, environ 58 % des 142 000 demandeurs de papiers, soit 82 000 étrangers, auront obtenu satisfaction. Tenace, la réalité demeure pourtant : quelque 60 000 sans-papiers ayant sollicité leur régularisation restent sur le carreau. Cette situation rend aléatoire le calme qui domine aujourd'hui : les tribunaux administratifs sont assaillis de recours contre les arrêtés de reconduite à la frontière et des manifestations de colère peuvent surgir à tout moment. Le silence des politiques masque lui-même des états d'âme prolongés, comme en témoignent la sortie de Daniel Cohn-Bendit, les contorsions du PCF et la pétition du député socialiste Serge Blisko, déjà signée par 500 élus de la majorité. Cette situation instable met à nu un paradoxe dont le gouvernement semble prisonnier : les recalés de la régularisation, "invités" à quitter le territoire, vont rester en France pour la plupart. Hormis ceux qui seront interpellés sur la voie publique et que la police parviendra à placer dans un bateau ou un avion, les sans-papiers resteront. Illégaux ils étaient, illégaux ils resteront, sans que la République consente à faire autre chose que de constater cette réalité. Ces 60 000 étrangers apparaissent comme ni régularisables au regard des critères édictés, et interprétés par le gouvernement, ni expulsables massivement par les moyens légaux admissibles dans une démocratie. Sous cet angle, l'opération de régularisation apparaît comme une hypocrisie : le tri parmi les sans-papiers va aboutir à installer presque officiellement les déboutés, désormais comptabilisés et répertoriés, dans l'illégalité et donc dans une précarité totale. Ce premier paradoxe, juridique, en cache un autre, politique : le gouvernement Jospin, le premier à avoir osé régulariser au grand jour depuis 1981, affronte les critiques de sa propre majorité et n'en finit pas de s'engluer dans le piège des sans-papiers, au moment même où, pour la première fois depuis quinze ans, le débat sur l'immigration semble évoluer vers des approches moins passionnelles. La victoire "black-blanc-beur" dans la Coupe du monde a efficacement illustré les vertus d'une France ouverte sur le monde. L'éclatement du Front national, champion de l'exploitation du fonds de commerce xénophobe, ne peut qu'accélérer l'évolution engagée. Le débat lancé dans le sillage du mouvement des sans-papiers a fait évoluer l'opinion. En août 1996, au lendemain de l'évacuation de l'église Saint-Bernard par la police, 27 % des Français s'opposaient à la reconduite à la frontière des sans-papiers (sondage Ipsos- Le Monde-RTL). Aujourd'hui, 45 % des personnes interrogées se déclarent favorables à une régularisation générale (sondage CSA- Le Parisien). Ces apparentes contradictions masquent certaines réalités que le gouvernement devra tôt ou tard expliquer et assumer, sous peine de perpétuer des clichés sur l'immigration et des ambigu•tés sur sa propre politique. L'opération de régularisation a permis de conforter dans l'opinion une vision plus réaliste des flux migratoires : les ravages du sous-développement n'ont pas fini de jeter des populations du tiers-monde sur les routes de l'exil. Quant aux frontières étanches, elles sont mythiques dans un Etat démocratique. L'immigration irrégulière fait donc partie du prix à payer pour les désordres du monde. Les pays nantis doivent vivre avec. Mais elle ne constitue pas un "stock" figé. Ainsi, les 60 000 déboutés de la circulaire Chevènement ne forment pas un bloc homogène dont il suffirait de revendiquer la régularisation massive pour solder la question. Mais plutôt une population mouvante qu'il faut savoir intégrer sous peine de désordres sociaux. Certains recalés totalisent des années de présence. Exploités "  au noir" sur les chantiers, dans les ateliers de confection, les fermes ou les arrière-salles de restaurant, les voilà déboutés et donc assignés à clandestinité sous prétexte qu'ils n'ont pas fait venir leur femme et ne peuvent se prévaloir d'attaches familiales , qu'ils n'ont guère de traces écrites de leur présence car leurs employeurs ont pris leurs précautions, ou qu'ils n'ont pas demandé l'asile, même pour la forme, ce qui leur aurait permis de satisfaire l'une des exigences de la régularisation : une période de séjour régulier. Pour eux, l'injustice est patente et remet en cause les règles posées à l'origine de l'opération de régularisation. D'autres déboutés présentent un profil différent. Certains ont effectué de fréquents allers-retours avec leurs pays d'origine. D'autres ont tenté leur chance en France et la tenteront ensuite ailleurs en Europe. Le relatif afflux de sans-papiers aux frontières franco-italiennes au moment de l'annonce d'une nouvelle opération de régularisation de l'autre côté des Alpes, illustre à petite échelle un phénomène qui opère plus largement vers des pays beaucoup plus accueillants que la France, tels l'Allemagne et les Pays-Bas. Ces derniers offrent des conditions matérielles (hébergement, aides sociales) nettement plus enviables que la France et a fortiori que l'Italie, mais aussi des espoirs de régularisation à long terme.   "CE QU'ON NE DIT PAS" En outre, l'immigration irrégulière n'a pas cessé comme par enchantement pendant la "régularisation Chevènement". Un certain nombre de sans-papiers déjà présents - un sur deux est une proportion couramment citée - ont préféré ne pas sortir du bois. D'autres se sont fixés sur le territoire entre-temps. Certains devront, un jour, vivre légalement. Faute de reconnaître ces vérités complexes, les protagonistes du débat, à gauche, sur la régularisation des sans-papiers risquent de poursuivre une controverse stérile perpétuant l'exploitation strictement politicienne d'un thème qui n'a déjà été que trop instrumentalisé. En réalité, l'intégration progressive des clandestins de longue date et l'impossibilité matérielle et humaine des reconduites à la frontière massive font que, tôt ou tard, il faudra régulariser. Depuis quinze ans, tous les gouvernants l'ont appris, qui ont superposé discours musclés et arrangements en sous-main. Charles Pasqua a attendu de n'être plus aux affaires pour se vanter d'avoir réglé discrètement certains cas délicats, à une époque où le mot de "régularisation" était totalement tabou. "Le plus important, c'est ce qu'on ne dit pas", reconnaît aujourd'hui un proche de Jean-Pierre Chevènement. "Ce qu'on ne dit pas", ou peu encore, c'est que la nouvelle loi sur l'immigration a prévu deux filets de sécurité pour les déboutés de la régularisation : l'une de ses dispositions prévoit la délivrance d'un titre de séjour à tout étranger totalisant dix années de séjour habituel, même irrégulier, en France (quinze années pour les étudiants) ; l'autre permet de donner des papiers à tout étranger au titre de ses "liens personnels et familiaux en France". S'ils sont appliqués, ces textes peuvent permettre non seulement de "repêcher" certains déboutés (1 500 l'ont déjà été), mais aussi d'engager un processus de régularisation permanente qui prévienne, de nouvelles explosions de colère des sans-papiers suivies de régularisations massives et dramatisées. Pour éviter ces à-coups, il faudrait que les circulaires d'application des textes cessent d'en faire une lecture restrictive . Il faudrait aussi que le gouvernement poursuive la pédagogie engagée par l'opération de régularisation, assume une générosité qui n'est après tout qu'une forme de réalisme, et situe le fameux risque d'"appel d'air" à son niveau réel. Le retour de Jean-Pierre Chevènement en première ligne rend possible cette opération-vérité. 

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Oktober 1961

Le Monde diplomatique Nr. 5759 vom 12.2.1999

DIE ERZWUNGENE AMNESIE DES ALGERIENKONFLIKTS

Frankreichs Geschichte scheibchenweise

CLAUDE LIAUZU

FRANKREICH läßt sich gar nicht gerne an die dunklen Seiten seiner Geschichte erinnern, die einen Schatten auf die grande nation werfen. So wurde Maurice Papon, der ehemalige Generalsekretär der Polizeipräfektur des Departements Gironde, der wegen seiner Rolle bei der Organisation des Abtransports von Juden aus Vichy-Frankreich angeklagt war, erst im April letzten Jahres zu zehn Jahren Haft verurteilt. Doch auch danach bleiben ganze Bereiche der Geschichte weiter in Vergessenheit. Die Wahrheit über das Masaker, das am 17. Oktober 1961 an Algeriern in Paris verübt wurde, ist nach wie vor unaufgedeckt, weil sich das offizielle Frankreich in Schweigen hüllt, sobald es um den Algerienkrieg geht. Diese gewollte Amnesie macht es Maurice Papon, dem damaligen Polizeipräfekten von Paris, möglich, eine Klage gegen den Historiker Jean-Luc Einaudi anzustrengen, weil dieser sich kritisch über Papons Rolle bei den tragischen Ereignissen geäußert hat. Der Prozeß wird in diesem Monat eröffnet.  

Von CLAUDE LIAUZU

Während des Verfahrens gegen Maurice Papon, der 1998 wegen Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt wurde, rief eine Zeugenaussage des Historikers Jean-Luc Einaudi1 in Erinnerung, daß der Angeklagte zur Zeit des Algerienkriegs Polizeipräfekt von Paris war.

Am 17. Oktober 1961 kam es in der Hauptstadt zu einer Protestkundgebung algerischer Einwanderer gegen die Ausgangsverbote, die man gegen sie verhängt hatte und die nach dem Prinzip der "Gesichtskontrolle" praktiziert wurde. Im Laufe dieser Demonstration wurden mehr als fünfzehntausend Algerier festgenommen, und es kam zu einer Welle brutaler polizeilicher Gewaltanwendung, die von der Presse damals totgeschwiegen wurde. Vier Monate später, am 8. Februar 1962, fanden in der Pariser Métrostation Charonne acht "richtige Franzosen" den Tod, die an einer Demonstration gegen die Organisation de l'Armée Secrète (OAS)2, teilgenommen hatten.

Natürlich herrschten 1961 und 1962 in Frankreich nicht die gleichen Zustände wie in der Zeit der Kollaboration unter den Deutschen und dem Vichy-Regime. Die beiden genannten Ereignisse waren auch keineswegs die einzigen Verbrechen in einem schmutzigen Krieg, in dem beide Seiten Schuld auf sich geladen hatten: etwa bei der Schlacht um Algier, bei den Schießereien in der Rue d'Isly im Sommer 1962 in Oran, beim Massaker von Melouza, bei der Liquidierung zahlreicher politischer Gegner durch die nationale Befreiungsfront FLN, usw.

Aber das Massaker vom 17. Oktober 1961 wiegt besonders schwer, weil es mitten in Paris stattfand und weil der französische Staat es immer noch nicht zur Kenntnis nehmen will. Welche absurden Folgen sich daraus ergeben können, zeigt die Verleumdungsklage, die Maurice Papon gegen Jean-Luc Einaudi eingereicht hat, weil dieser in Le Monde vom 20. Mai 1998 geschrieben hatte: "Im Oktober 1961 verübten die Polizeikräfte dort ein Massaker, und dabei befolgten sie die Befehle von Maurice Papon."

Schon mit der Unterzeichnung der Verträge von Evian war für die meisten Vergehen und Verbrechen, die mit dem Algerienkrieg zusammenhingen, eine Amnestie in Kraft getreten. Bei keinem anderen Ereignis in der Geschichte Frankreichs hat man die Vergangenheit so rasch und so systematisch entsorgt. Das mag sich aus der Notwendigkeit erklären, einen Krieg zu beenden, in dem auch Franzosen gegen Franzosen gestanden hatten. Doch auch ein (wahl-)politisches Kalkül dürfte eine erhebliche Rolle gespielt haben. Diese Amnestie hat allerdings höchst beunruhigende Folgen: Sie macht es einem Folterer möglich, sein Opfer, das ihn anklagt, wegen übler Nachrede verurteilen zu lassen. Die Amnestie geht also einher mit der Pflicht zur Amnesie.

Daß damit auch keine ungehinderte Forschung über den Zeitraum 1954 bis 1962 möglich ist, darf nicht nur Historiker interessieren. Die Wahrheit herauszufinden ist eine Aufgabe, die sich aus der Verpflichtung auf die Grundwerte der Republik ergibt: Nur unter Berufung auf diese Werte kann man dem Rassismus entgegentreten, der eine Erblast der Dekolonisierung ist. Nur so kann man versuchen, eines der Hindernisse abzubauen, die den jungen Nachkommen der Einwanderer die Integration in die Gesellschaft erschweren: daß nämlich ihre Geschichte nicht Teil der Nationalgeschichte ist.

Der Zugang zu den sogenannten Nationalarchiven, die im Prinzip allen Bürgern gehören, bleibt nur allzu oft versperrt. Für die Akten zum Algerienkrieg muß man befürchten, daß sie mindestens bis 2020 oder noch länger geschlossen bleiben, je nachdem, wie eng man das Gesetz vom 3. Januar 1979 auslegt, das diese Frage regelt.3 Vorausgesetzt, die Dokumente sind überhaupt noch vorhanden! Eine Untersuchung des Staatsrates Dieudonné Mandelkern im Auftrag des Innenministers hat ergeben, daß ganze Aktenbestände, die zur Aufklärung der Ereignisse vom 17. Oktober von entscheidender Bedeutung gewesen wären, aus der Polizeipräfektur verschwunden sind.4 Einige Beispiele: Die Akten des Zentrums für die Erfassung der Personaldaten von Algeriern in Vincennes; die Anordnungen von Hausarrest oder Verbannung; die über vier Jahre hinweg gesammelten Unterlagen über die Geheimdienst- und Kampfgruppen, die den FLN zu bekämpfen hatten. Sogar der Bericht über den 17. Oktober, den der Polizeipräfekt an die Regierung und den Präsidenten geschickt hatte, bleibt unauffindbar.

Auffällig ist dabei, daß genau die Dokumente verschwunden sind, die es ermöglicht hätten, die Verantwortlichen für die Ereignisse und die genaue Zahl der Opfer zu ermitteln. Daraus ergibt sich zweierlei: Zum einen müssen die Umstände dieses Aktenschwunds untersucht werden, dessen Ausmaß darauf hindeutet, daß er systematisch organisiert wurde, um die Aufdeckung der Wahrheit zu verhindern. Zum anderen dürfen die Archive der Polizeipräfektur nicht länger einen Sonderstatus genießen, sondern müssen den allgemeinen Regelungen für die nationalen Archive unterworfen werden.

Das Problem sind nicht nur diese verschwundenen Akten: Die Regeln, nach denen Historiker Zugang zu den Dokumenten erhalten, sind insgesamt undurchsichtig. Daß die Ereignisse vom 17. Oktober 1961 das Interesse der Medien gefunden haben, führte immerhin dazu, daß man bestimmten Wissenschaftlern beschränkte Einsicht gewährte. Anderen bleibt der Zugang jedoch verwehrt. Allerdings hat der Premierminister in einem Rundschreiben vom 12. November 1997 strikte Gleichbehandlung in dieser Frage gefordert und sich gegen Diskriminierungen gewandt, die einer politischen Zensur gleichkämen.

Demnach ist es unverständlich, daß Jean-Luc Einaudi, dem die bislang gründlichste Studie zu verdanken ist5, weiterhin keine Einsicht in Dokumente erhält, die er nicht nur für seine Arbeit braucht, sondern auch, um seine Verteidigung in dem anstehenden Verleumdungsprozeß vorzubereiten.

Dennoch könnte der Prozeß gegen Einaudi unter den Wissenschaftlern zu einem Minimalkonsens über einige grundlegende Fragen führen. Das wäre in erster Linie die Frage nach dem Ausmaß der Gewalttaten. Um Zahlen geht es in allen großen politischen Auseinandersetzungen; das gilt nicht nur für den Algerienkonflikt, sondern ebenso für 1917, für die Résistance, für die Völkermorde ... Dreißig Jahre nach den Ereignissen mußte Maurice Papon die (nach wie vor offizielle) Zahl von zwei oder drei Toten korrigieren: Heute spricht er von etwa fünfzehn. Seriösere Schätzungen sprechen von mehreren Dutzend (Mandelkern) bis zu zweihundert oder mehr (Einaudi).

 Vergangenheit, die nicht vergeht

DOKUMENTE des Justizministeriums weisen aus, daß Ermittlungsverfahren zu sechzig bis achtzig Todesfällen eingeleitet wurden. Die Archive dieses Ministeriums müßten transparent und zugänglich gemacht werden. Viele Leichen wurden nie aufgefunden. Aber wie viele waren es? Nach Auskunft des Mandelkern-Berichts wurden "vor einigen Jahren" (!) "alte Archive" der Wasserpolizei vernichtet, so daß sich nicht mehr genau feststellen läßt, auf welche Weise einige Demonstranten ertrunken sind.

Auch die Zahl der verschwundenen Personen ist nicht mehr zu ermitteln, weil es zum Abgleichen keine Liste der Verhafteten und Ausgewiesenen gibt. Aber selbst die niedrigsten Schätzungen machen deutlich, daß ein Massaker stattgefunden hat.

Letztendlich geht es auch um eine ganze andere Frage: Durch welche Faktoren wurde dieses Pogrom ausgelöst? Zweifellos hatte die - auch innerhalb der Organisation umstrittene - Entscheidung des FLN, gegen die Polizeikräfte Anschläge zu organisieren, ein Rachebedürfnis geweckt. Und diese Stimmung wurde vom Polizeipräfekten geschürt, der seinen Männern angeblich "Rückendeckung" zugesichert hat. Die vom FLN organisierte friedliche Demonstration gegen die Ausgangssperre war ein Versuch, Sympathien in der notorisch falsch informierten französischen Öffentlichkeit zu gewinnen. Es gibt Belege dafür, daß strenge Anweisungen ergingen, keine Waffen mitzuführen, "nicht einmal eine Stecknadel", um dieses Ziel nicht zu gefährden. Daher ist das über den Polizeifunk verbreitete Gerücht, aus den Reihen der Demonstranten sei geschossen worden, als Versuch zu sehen, die Stimmung anzuheizen und gewaltsame Gegenmaßnahmen zu provozieren. Das hat funktioniert.

Nach Police parisienne, der Zeitschrift der größten Gewerkschaft der Verkehrspolizei, brachte die Polizeiführung mehrfach Falschinformationen in Umlauf, etwa am 30. November 1961 und am 15. Februar 1962. Im übrigen können die Todesfälle an der Métrostation Charonne nicht mit solchen Gerüchte erklärt werden.

Dem FLN kann man vorwerfen, daß er Arbeiter, Frauen und Kinder am 17. Oktober zu einer verbotenen Demonstration aufgerufen hat. Im Herbst 1961 herrschte ein Klima der Eskalation - die Verhandlungen von Evian waren unterbrochen, in bestimmten Regierungskreisen und in Teilen des Staatsapparats wollte man eigentlich keinen Frieden. Es wäre auch denkbar, daß die OAS bei der Ermordung der Algerier in Paris die Hand im Spiel hatte.

Letztendlich muß sich die Analyse aber auf die Denkweise der Regierung richten. Und dies um so mehr, als Maurice Papon, ehemaliger Polizeipräfekt, ehemaliger Minister und ehemaliger Abgeordneter, in seiner Darstellung der Ereignisse sich gegenüber dem "feindlichen" Aufmarsch in der Hauptstadt auf die "Staatsraison" zu berufen hofft. Doch worin soll die Bedrohung bestanden haben? Und soll dieses Argument auch für die Demonstranten gegen die OAS gelten, die in Charonne getötet wurden, wenige Wochen vor dem Ende des Krieges?

Eine weitere Behauptung dürfte lauten, die Ordnungskräfte seien am 17. Oktober von einer unerwarteten, massiven Demonstration überrollt worden. Aber wie soll es dann möglich gewesen sein, fünfzehntausend Personen - die Hälfte der Demonstranten - zu verhaften? Wieso wurde kein einziger Polizist ernsthaft verletzt? Überdies kann man kaum glauben, daß die Dienste zur Bespitzelung und Überwachung einer so streng kontrollierten Bevölkerungsgruppe eine ganze Woche lang (vom Beschluß des FLN am 10. Oktober bis zum Abend des 16. Oktober) nichts von den Vorbereitungen für eine Demonstration gewußt haben sollen, zu der dreißigtausend Menschen kamen.

Es war die gleiche Mischung aus Gleichgültigkeit und Verachtung wie im Bordeaux der vierziger Jahre, die gleiche fehlgeleitete Staatsraison, die es möglich machte, daß unter dem Kommando von Maurice Papon mitten in Paris solche Ausschreitungen gegen eine Minderheit stattfinden konnten.

Historiker sind keine Richter, ihre Aufgabe ist es, die Aufarbeitung der Vergangenheit zu ermöglichen. Der Algerienkrieg ist noch immer nicht beendet: Er erklärt einen Teil der 15 Prozent Wählerstimmen für den Front National, aber dieser unvergessene Krieg nährt auch zum Teil die blinde Revolte vieler Jugendlicher in den Vorstädten. Wir tragen immer noch die Lasten jener Spirale der Gewalt aus dem Algerienkrieg, einer Konfrontation, die beiden Lagern schwere Wunden zufügte. Wir zahlen noch heute den Preis für die Schlagzeilen von damals, als die Presse entweder die Wahrheit verschwieg oder gegen die "Barbaren" in der Stadt hetzte.

Der Prozeß Papon gegen Einaudi sollte Anlaß sein, endlich die fachliche Diskussion über diese geschichtlichen Fragen zu beginnen. Dabei müssen selbstverständlich auch jene Vorkämpfer einbezogen werden, die keine Mühe gescheut haben, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Und deren Arbeiten weithin von Wissenschaftlern genutzt werden, die bislang keine eigene Forschung zu diesem Thema betrieben haben. Wo wären wir heute ohne die Arbeiten von Péju, Panijel, Lévine, Anne Tristan und Jean-Luc Einaudi?6

Zugleich muß man dem Problem der Dekolonisierung in der Lehrerausbildung wie im Schulunterricht Rechnung tragen. Die Historiker haben sich lange genug zurückgehalten - um des akademischen Friedens willen oder weil es nicht genug Quellenmaterial gab, oder weil sie sich scheuten, das schwierige Feld von Ereignissen zu beackern, die nicht in die Chronik des siegreichen Westens passen. Oder auch, weil sie nichts zu tun haben wollten mit der "Vergangenheit, die nicht vergehen will", wie etwa die Zeit des Vichy- Regimes. Doch es tut sich etwas: Auch wenn sich die Zeitschrift L'Histoire noch sperrt - in Historiens et géographes und anderen Fachzeitschriften hat die Diskussion über dieses Thema bereits begonnen.

Und die Regierung? Kulturministerin Catherine Trautmann (zuständig für die Nationalarchive) hatte zugesichert, die Unterlagen zugänglich zu machen. In einer offiziellen Erklärung vom 8. Januar 1998 heißt es dazu: "Die Veröffentlichung des [Mandelkern-]Berichts und die Freigabe der Archive wird zum gegebenen Zeitpunkt erfolgen." Dieser Zeitpunkt ist jetzt gekommen.

dt. Edgar Peinelt

1 Verfasser von "La Bataille de Paris", Paris (Le Seuil) 1991.

2 Die Geheimorganisation OAS setzte sich aus Algerienfranzosen und Armeeangehörigen zusammen und verübte von 1961 bis 1963 Terrorattentate.

3 Laut diesem Gesetz sind die Dokumente dreißig Jahre gesperrt; mit der Begründung, daß nationale Sicherheitsinteressen zu wahren oder Einzelpersonen zu schützen seien, kann die Frist aber auf sechzig, hundert oder noch mehr Jahre erweitert werden. Für sogenannte sicherheitsrelevante Dokumente gilt die Normalfrist von dreißig Jahren zumeist nicht. Weil die Vichy-Periode in den nationalen Debatten zunehmend an Bedeutung gewonnen hat, ist inzwischen eine Änderung des Gesetzes in Vorbereitung - die Archive, die sich auf den Rückzug aus den Kolonien beziehen, sollen von dieser Reform allerdings ausgenommen bleiben.

4 Trotz anderslautender Versicherungen ist dieser Bericht nicht veröffentlicht worden. Es erschienen lediglich Zusammenfassungen der Ergebnisse in der Presse.

5 Siehe "La Bataille de Paris", a. a. O.

6 Paulette Péju, "Ratonnades à Paris", Paris (Maspero) 1961; Jean Panijel, "Octobre à Paris" (Dokumentarfilm) 1962; Michel Levine, "Les ratonnades d'octobre", Paris (Ramsay), 1985; Anne Tristan, "Le silence du fleuve", Paris (Syros) 1991. In diesen Zusammenhang gehört auch ein Buch aus einem anderen Genre, ein Kriminalroman: Didier Daeninckx, "Karteileichen", aus d. Franz. v. Marie Luise Knott, Berlin (Rotbuch) 1987.

Mitglied einer Gruppe von Historikern "pour une initiative scientifique, pédagogique et citoyenne", Autor von "La société française face au racisme", das im März 1999 in Brüssel (Editions Complexes) erscheint.

Le Monde diplomatique Nr. 5759 vom 12.2.1999 Seite 3 Le Monde diplomatique 449 Zeilen
Dokumentation Claude Liauzu
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Vervielfältigung nur mit Genehmigung des taz-Verlags


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Le Monde, 5.2.1999

Guerre d’Algérie :
la mémoire entre justice et archives

Acacio Pereira

Tandis que s'ouvre le procès en diffamation intenté par Maurice Papon à l'historien Jean-Luc Einaudi sur le 17 octobre 1961, des archives militaires secrètes montrent que, dès 1949, les autorités françaises étaient informées des tortures pratiquées par les forces de sécurité en AIgérie

UNE PLUIE FINE tombe sur Paris ce 17 octobre 1961 quand plus de vingt mille Français musulmans d'Algérie, venant des arrondissements populaires et de la banlieue, convergent vers le centre de la capitale. A l'appel de la fédération de France du Front de libération nationale (FLN), ils se rendent à une « manifestation Pacifique » contre l'instauration du couvre-feu décidé à leur encontre, le 5 octobre, par le préfet de police de Paris, Maurice Papon. La France est en pleine guerre d'Algérie: les attentats de l'Organisation année secrète (OAS) se multiplient alors qu'à Evian les négociations entre le pouvoir gaulliste et le FLN piétinent.

Au soir du 17 octobre, les forces de l'ordre chargent et portent des coups sans ménagement. Plus de huit mille manifestants, embarqués dans des autobus de la RATP réquisitionnés, sont regroupés au Palais des sports et au stade Pierre-de-Coubertin. Selon les chiffres de la préfecture de police, 11 538 Algériens sont interpellés. A l'issue de la manifestation, un bilan officiel fait état de trois morts, dont deux par armes à feu. Entendu par le conseil municipal de Paris, dix jours après les faits, Maurice Papon confirme ce chiffre en expliquant que « la police a fait ce queue devait faire ».

Cet épisode tragique et méconnu de l'histoire de la guerre d'Algérie devait  tre évoqué à partir du jeudi 4 février devant la dix-septième chambre du tribunal correctionnel de Paris où Maurice Papon poursuit Jean-Luc Einaudi, éducateur au ministère de la justice, pour « complicité de diffamation envers un fonctionnaire public ». Dans la conclusion d'un article consacré à la question des archives relatives à cette période et publié dans. Le Monde du 20 mai 1998, ce dernier affirmait : «En octobre 1961, il y eut à Paris un massacre perpétré par des forces de police agissant sous les ordres de Maurice Papon. » Jean-Luc Einaudi n'en est pas à ses premières accusations. En 1991, dans un livre intitulé La Bataille de Paris, fi met nommément en cause Maurice Papon et évoque « une chasse à l'homme » qui aurait fait plus de deux cents morts. Il tire ce chiffre des archives du FLN, des registres des cimetières parisiens et des témoignages de manifestants, de policiers et de passants. Selon lui, les forces de l'ordre ont «jeté à la Seine depuis plusieurs ponts de Paris » des Algériens qu'ils avaient préalablement frappés. Ces révélations ne provoquent aucune réaction de Maurice Papon. « Il n'a jamais lu ce livre », affirme aujourd'hui son défenseur Me Jean-Marc Varaut. Pourtant, dès 1988, Constantin Melnik, qui fut conseiller pour la police et le renseignement au cabinet du premier ministre Michel Debré en 1961, avançait le chiffre d’une centaine de morts. Dans Les Chevaux du pouvoir, son autobiographie parue la m me, année, Maurice Papon maintient la version officielle.

DES « LACUNES SÉRIEUSES »

Il faut attendre octobre 1997 pour qu’il corrige ce chiffre. Aux assises de Bordeaux, où il répond de « complicité de crimes contre l’humanité », pour sa participation à la déportation de juifs, Maurice Papon évalue le nombre de tués « de quinze à vingt », en attribuant ces décès à des règlements de compte entre factions nationalistes algériennes (Le Monde du 18 octobre 1997). Témoin au procès, Pierre Messmer, ministre des armées en, 1961,.prend la défense de l'accusé et assume, « avec le gouvernement tout entier, du général de Gaulle jusqu'au dernier secrétaire d’état, la responsabilité de ces événements ».

Cité à comparaître par les parties civiles à Bordeaux, Jean-Luc Einaudi ne varie pas et accuse: « Il faudra qu'un jour la vérité soit faite sur la responsabilité personnelle, directe et accablante de Maurice Papon. » Pour la première fois l'affaire est évoquée devant la justice. « Avec ce procès dans le procès, on a voulu créer un casier judiciaire qui n'était pas », soutient Me Varaut. La polémique, enfle malgré tout, au point que Catherine Trautmann, ministre de la culture, annonce l'ouverture des archives.

Dans la foulée, Jean-Pierre Chevènement, ministre de l'intérieur, charge le conseiller d'Etat Dieu donné Mandelkern, par ailleurs président de la Commission nationale de contrôle des interceptions de sécurité, d'inventorier les archives de la préfecture de police de Paris et du ministère de l'intérieur.

Après avoir épluché des centaines de pièces administratives, M. Mandelkem parle d’« une répression très dure » et évalue à « plusieurs dizaines » le nombre des tués du 17 octobre 1961, « ce qui est considérable, Mais très inférieur aux quelques centaines de victimes dont il a parfois été question ». Le rapport constate aussi des « lacunes sérieuses dans la conservation des archives ». Ainsi, le rapport du préfet de police au ministre de l'intérieur a disparu, tout comme les dossiers du Service de coordination des affaires algériennes et les fichiers du centre d'identification de Vincennes qui recevait les interpellés. Les archives de la Brigade fluviale, ont été tout simplement détruites..

Cette question des archives devrait  tre largement abordée au procèss qui s'ouvre le 4 février. « Ce sera l'occasion de la vérité sur cette zone d'ombre de l'histoire, affirme Me Pierre Mairat, défenseur de Jean-Luc Einaudi. « Mon client a eu une démarche citoyenne en ce travail historique et l’ancien préfet de police de Paris doit rendre compte des décisions prises alors au nom des citoyens »

UN ÈVÈNEMENT PRESCRIT

Et L’avocat de s’étonner d’un procès en diffamation qui, selon lui, tombe à point nommé pour Maurice Papon à quelques mois de la décision de la Cour de cassation concernant le procès de Bordeaux. « En cherchant à me faire condamner, M. Papon et son défenseur sont en qu te d¢ un argument favorable à la cassation, écrivait mardi 2 février Jean-Luc Einaudi dans une tribune publiée par Le Monde. Par ailleurs, en mettant en avant son titre de préfet de police du général de Gaulle, il cherche à se protéger dans l'ombre de celui-ci et à provoquer dans le monde politique des réactions qui lui soient préférables. »

Pour ce procès qui devrait durer quatre jours, la défense a fait citer une vingtaine de témoins : des historiens, comme Pierre Vidal-Naquet, mais surtout des policiers présents au moment des faits et des manifestations. Certains vivent aujourd'hui en Algérie et pourraient ne pas  tre présents s'ils n’obtiennent pas de visas.

La défense sera confrontée à une autre difficulté : pour dédouaner son client, M. Mairat est obligé de rapporter la preuve des faits reprochés à Maurice Papon. Or les textes qui régissent la diffamation interdisent d'évoquer un événement prescrit et amnistié.

C'est le cas de la répression policière de la manifestation algérienne du 17 octobre 1961. « Nous espérons pouvoir casser cette logique et obtenir une exception historique », indique l'avocat. Pour Maurice Papon, M. Jean-Marc Varaut compte bien au contraire s'engouffrer dans cette brèche légale en réclamant l' « irrecevabilité de l'offre de preuve » et vider le procès de sa substance.

Acacio Pereira


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Le Monde, 5.2.1999

Maurice Papon, en liberté depuis sa condamnation pour crimes contre l’humanité

Condamné le 2 avril 1998, par la cour «assises de la Gironde à dix ans de réclusion criminelle pour complicité de crimes contre l'humanité, Maurice Papon s'était pourvu, le jour m me, en cassation. Ses avocats ont déposé, en décembre 1998, leur mémoire en défense exposant les moyens - qu'ils n'ont pas rendus publics - susceptibles, selon eux, de casser le procès. Ce pourvoi devrait  tre examiné au plus tôt au printemps, ou à la rentrée de septembre.

Ayant comparu non détenu à l'audience, l'ancien secrétaire général de là préfecture de Gironde restera libre jusqu'à l’examen de son pourvoi.


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Le Monde, 5.2.1999

Un témoin du 17 octobre
« Ils nous poussaient comme des b tes »

Propos recueillis par Philippe Bernard

EN 1961, Amar K. avait vingt-cinq ans. «Français musulman d'Algérie », il était ouvrier dans une usine d'extincteurs de Saint-Denis. Aujourd'hui retraité, il vit toujours dans la Seine-Saint-Denis. Ils se souvient du 17 octobre.

« Au début, je ne voulais pas aller à cette manif. J'étais inquiet de la réaction des policiers car, déjà, à la sortie d'un cinéma, j'avais été arrêté et tabassé à cause de mon nom algérien sur ma carte d'identité et j'avais passé le week-end dans un hangar glacial à Vincennes. Alors, le défilé pouvait  tre perçu comme une provocation. Je suis sorti de chez moi car j'ai eu peur qu'ils [le FLN] viennent me chercher pour la manif. Je me sentais pris entre deux feux. C'était eux ou les Français, comme en Algérie. Finalement, j'ai décidé d'aller manifester parce que je ne voulais pas  tre considéré comme un déserteur dans mon quartier où ne vivaient presque que des Algériens.

Avec mon cousin, poursuit Amar K., nous avons pris le métro. Notre point de rassemblement était fixé place de l'Étoile. La police était au courant et cueillait les Algériens à la sortie des rames. Ils ont pris mon cousin, mais moi, ils ne m'ont pas reconnu car j'étais bien habillé et je n’avais pas levé les mains en l'air quand ils l'ont demandé. Mais en haut des escaliers, ils avaient mis en place deux passages: à droite pour les Algériens, à gauche pour les autres. J'ai pris le passage pour les Algériens, car après tout, je le suis. Un policier a fait le geste de me frapper avec sa matraque, je l'ai esquivé, puis j'ai été poussé vers la sortie, bousculé, j'ai reçu des coups de pied. Ils nous poussaient comme des b tes. Nous étions serrés comme des sardines sur les terre-pleins de la place de l'Etoile. »

« TROIS JOURS ET DEMI »

J'y suis resté près de deux heures sans pouvoir bouger. Pendant cinq minutes, j'ai été coincé entre deux grands types, mes pieds ne touchaient plus terre. J'ai vu un copain qui avait eu l’œil arraché, un autre dont la t te ouverte saignait mais ils avaient peur d'aller se faire soigner car on avait des doutes sur ce qui pouvait se passer. C'est étonnant que les Français n'aient pas su ce qui se passait car j'ai vu des flashes, des photographes.

Ensuite, ils nous ont poussés par dizaines dans des cars et nous nous sommes retrouvés au Palais des sports, porte de Versailles. Les CRS étaient partout. Ils nous ont fait rentrer dans un couloir les mains en l'air. Il y avait dix policiers de chaque côté. Ils nous injuriaient. Les premiers te faisaient un croche-pied et les suivants s'acharnaient avec la crosse de leur fusil ou un manche de pioche sur ceux qui avaient eu le malheur de tomber. J'ai échappé à ce traitement parce que j'avais repéré le pied, j'ai sauté et j'ai retenu la crosse.

L'intérieur du Palais des sports était noir de monde, sur la scène comme sur les travées des spectateurs. Je suis resté trois jours et demi sur une chaise, sans fermer l'œil et sans aller aux toilettes. Les CRS étaient à l'intérieur. Il fallait faire la queue pendant trois heures et les gens qui en sortaient boitaient ou avaient la t te en sang: je me suis retenu. Je n'ai pris qu'un des deux casse-croûte qu'ils distribuaient chaque jour. A la fin, je commençais à délirer. De temps en temps, ils appelaient des noms. On disait que ceux qui répondaient finissaient dans la Seine.

A la sortie, nous avons été séparés en deux. Ceux qui n'avaient pas de fiche de paie ont été envoyés dans des camps en Algérie. Les autres, comme moi, ont été transférés à côté, dans le grand hall du Parc des expositions.. J'ai enfin pu aller aux toilettes, respirer, dormir. Mais on restait prisonniers, sans savoir pour combien de temps. Trois jours et demi plus tard, ils nous ont photographiés deux par deux, puis ils nous ont libérés.

J'ai repris le métro, je suis rentré chez moi me débarbouiller, j'ai dormi et je suis retourné travailler. Ce n'est que plus tard que j'ai compris ce qui s'était passé. Un ami, qui possédait un petit hôtel à Saint-Denis à été arr té. Les policiers lui ont demandé s'il savait nager, il a répondu que non, ils l'ont jeté à la Seine. Il a pu s'accrocher à un bord et m'a raconté. Cela ne m'a pas étonné. Déjà en,1960, des flics de la DST m'avaient mis en joue alors que j'étais simplement dans un café avec des Algériens. L'un d'eux m'a donné un coup dans les parties. je n'ai jamais oublié.

Aujourd'hui encore, je n'aime pas avoir affaire à la police. L'autre jour, le commissariat m'a appelé parce qu'ils avaient arr té le voleur de ma voiture. Le policier était correct mais je pensais à ceux de l'époque. J'ai hésité à porter plainte. Toute cette, histoire est inscrite définitivement. Je n'en ai jamais parlé ni à ma femme qui est française, parce que je ne veux pas qu'elle le prenne pour elle, ni à mes enfants parce que ça ne sert à rien de leur transmettre des horreurs. Mais ces événements ont fait que je n'ai jamais demandé la nationalité française. A l'époque, j'étais soi-disant français. Mais je me sentais algérien parce qu'on me traitait de "bicot". »

Propos recueillis par Philippe Bernard


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Le Monde, 5.2.1999

Mohamed Harbi, ancien dirigeant de la fédération de France du FLN, maître de conférence à Paris-VlIl

« Au GPRA, nombreux sont ceux qui ont mal réagi à cette manifestation, qui leur paraissait inutile

Propos recueillis par Nicolas Weill

« Quelle a été votre réaction lorsque Jean-Luc Einaudi a évoqué les événements du 17 octobre 1961 aux assises de Bordeaux, lors du procès de Maurice Papon ?

- Cela m'a paru tout à fait légitime et son témoignage était un acte de courage. Il y a deux choses importantes dont l'Etat français n'arrive pas à se débarrasser et où les complicités continuent à jouer à tous les niveaux: la période de Vichy et celle de la guerre d'Algérie. Et dans la guerre d'Algérie, octobre joue un rôle particulier parce que cela s'est passé en France et devant les Français.

En octobre 1961, je suis secrétaire général du ministère des affaires étrangères du Gouvernement provisoire de la révolution algérienne (GPRA). Mais je me rappelle qu'alors m me que je me trouvais encore en France (j'ai quitté le sol français le 13 avril 1958), nous avions lancé des tracts invitant l'opinion française à manifester plus de solidarité. A la base, dans la population algérienne en France, il y avait une impatience et une envie d'agir, surtout pour ceux qui étaient originaires de Kabylie. Les gens vivaient dans des ghettos coupés des Français, et dans les entreprises les rapports n'étaient pas toujours sereins. De plus, la répression en France commençait à prendre une ampleur inquiétante. Il y avait une sorte de transfert de la guerre en France. Les autorités françaises ont cherché à 'casser' l'appareil [du FLN, qui encadrait l'immigration en France sur le terrain, NDLR]. C'est cet appareil qui est passé à l'action en octobre.

- Pourtant, à l'automne 1961. Les négociations avec le gouvernement français sur l’indépendance sont déjà bien avancées ? Le FLN n'avait-il pas plutôt intér t à ce que l’immigration algérienne reste calme, dans la mesure où celle-ci était une source de financement des maquis ?

- Les dirigeants de la Fédération résidaient, ne l'oublions pas, à l'étranger, en Allemagne. Il y avait entre cette direction et ceux qui étaient sur place, en France, des divergences d'appréciations et des tensions. Ma conviction personnelle est que les gens de la Fédération étaient très soucieux de ne pas se voir dépassés. Il n'était pas question, en revanche, pour la Fédération de torpiller les négociations en cours avec la France [et qui aboutiront l'année suivante aux accords d'Evian, NDLR]. M me Houari Boumediène, un des dirigeants de l'Armée de libération nationale (ALN) était, comme tout le monde, partisan de ces négociations. Ce qui a joué dans le déclenchement de là manifestation du 17 octobre, ce sont plutôt des enjeux internes, voire des ambitions personnelles.

» La Fédération maîtrisait plus ou moins son appareil en France et personne ne pouvait émerger hors de sa direction. Les Policiers qui ont été l'objet d'attentats sur le sol français n'ont pas été tués sur son ordre mais par des éléments de l'appareil qui ont de leur propre chef.

» Dans une lettre émanant de la direction de la Fédération de France envoyée d'Allemagne, le 7 octobre 1961, et que j'ai publiée dans la revue Sou'al (numéro 7), on voit les dirigeants interroger leur appareil en France pour savoir qui a donné l'ordre d'abattre des policiers français.

- En déclenchant une situation insurrectionnelle sur le sol français et en manifestant sa force au cœur de la métropole, le FLN n'aurait-il pas cherché à prévenir l'éventuelle formation d'une "troisième voie", concurrente du FLN ?

- Non. En 1961, il n'était plus question de troisième voie. C'était une option enterrée. Le gouvernement français avait accepté de ne négocier qu'avec le FLN. Je me souviens d'ailleurs qu'au GPRA, nombreux sont ceux qui ont mal réagi à cette manifestation d'octobre 1961, qui leur paraissait inutile. On était proche de la fin.

- Que pensez-vous de l'argument invoqué par Maurice Papon, selon lequel le FLN aurait profité de la manifestation du 17 octobre pour liquider des opposants à sa ligne. Par exemple, ceux du Mouvement national algérien (MNA), créé en 1955 par Messali Hadj ?

- Cette lutte était terminée elle aussi, depuis 1959. Il y avait certes encore des partisans du MNA et des affrontements entre le MNA et le FLN. Mais, en 1961, le MNA ne constituait plus ni un danger politique ni un concurrent possible pour le FLN. Messali lui-m me, après l'interruption des négociations, lorsque les dirigeants français menacèrent de faire appel à des dirigeants du MNA, refusa de se pr ter à la manœuvre.

» Par ailleurs, il n'était pas question pour la base comme pour l'appareil en France d'accepter le couvre-feu ni de consentir à renfermement. J'ai entendu, à l'époque, dire qu'on n'allait pas se laisser faire comme des agneaux. Il faut bien voir que le FLN, c'était moins un parti politique qu'une communauté embrigadée. Une communauté formée moins de militants, au sens traditionnel du terme, que de groupements d'originaires, de cafés, des commerçants, etc. Tout le monde réagissait et non pas seulement quelques activistes. Cela dit, si les témoignages montrent qu'une partie des manifestants étaient venus d'eux-m mes, autres attestent qu'il y a eu un certain nombre de foyers qui se sont vu imposer de sortir et qui n'étaient pas pr ts à manifester.

- En octobre 1961, une crise interne oppose le gouvernement algérien à l'état-major de l'armée (ALN). Quels en étaient les enjeux ?

- Ce que craignait l'état-major, c'est qu'à travers les négociations se constitue une force alternative à l'armée. On voyait des Algériens qui étaient tout à fait modérés sur le plan des solutions politiques, comme les DAF, les anciens déserteurs de l'armée française, qui ne voulait pas d'une future armée où, après l'indépendance, leurs anciens camarades, restés dans l'armée française seraient portés au pinacle pendant qu'eux se verraient relégués à l'arrière-plan.

» Le GPRA, contrairement à ce que pouvait penser Houari Boumediène (mais je ne sais pas dans quelle mesure il le pensait sérieusement), jouait le jeu. Il y a plus d'effets de situation que d'affrontement idéologiques de cette lutte entre l'armée et le GPRA. Cette armée ne pouvait se reclasser que dans une Algérie où la communauté européenne aurait été évacuée. Tandis qu'il était loisible aux gens, proches des forces sociales auxquelles appartenait le GPRA (l'intelligentsia, la bourgeoisie, les classes moyennes) de se reclasser.

En somme, en octobre 1961, les affrontements internes au FLN ont pour enjeux les objectifs « après-guerre »?

- Bien sûr. Ce sont déjà des luttes pour le pouvoir dans l'Algérie indépendante. »

Propos recueillis par Nicolas Weill


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Le Monde, 5.2.1999

Dès 1949, des mises en garde contre l'usage de la torture

Jacques Isnard

LA QUESTION de la torture en Algérie a été l'un des sujets les plus délicats de la guerre, mais aussi l’un des plus pérennes puisque, avant m me les accusations portées à l'encontre des armées durant les opérations entre 1954 et 1962, les forces de sécurité (policiers, agents, pénitentiaire et gendarmes) ont été mises en garde, dès octobre 1949, contre un usage « non justifié » de la violence, par Marcel-Edmond Naegelen, gouverneur général, qui détenait l'autorité gouvernementale.

Dans une circulaire en date du 21 octobre 1949, adressée aux préfets, le gouverneur général de l’Algérie rapporte avoir eu connaissance de plaintes de représentants nationalistes qui font état de « sévices » et de brutalités pour obtenir leurs aveux, « des sévices, observe-t-il, représentés parfois sous l'aspect de véritables tortures ». M me s'il s'agît d’« allégations avancées » pour servir de « moyen commode de défense », écrit-il, « il n'en demeure pas moins que les affaires de ce genre présentent un caractère de particulière gravité » qui discrédite tout ou partie de l’administration et qu’il n’entend pas « couvrir ».

« Si, explique Marcel-Edmond Naegelen, l'emploi de la force, ordonné par la loi et commandé par l'autorité légitime, est légitime en cas de nécessité pour rétablir l'ordre public ou appréhender un délinquant récalcitrant il est important de n'y recourir que dans la stricte limite de l'indispensable, en s'abstenant de toute violence superflue et de sévices ultérieurs. La violence doit surtout tre prohibée d'une manière absolue en tant que méthode d'investigation en matière d'instruction criminelle. » Dès lors, le gouverneur général annonce que « les violences non justifiées par une nécessité légale » engageront, tant au civil, qu’au pénal, la responsabilité de leurs auteurs parce qu’ « elles constituent une atteinte à la dignité humaine » et sont sans aucune justification.

Le ton de la circulaire ne s’embarrasse d’aucune nuance administrative. On notera, en effet, que son auteur emploie le « je » assez inhabituel dans ce genre de texte officiel. « je suis fermement décidé, conclut Marcel-Edmond Naegelen, à punir, avec une m me rigueur, non seulement les fonctionnaires reconnus coupables de sévices, mais aussi leurs supérieurs hiérarchiques lorsque, suite à un manque d'autorité ou à une surveillance insuffisante, ils auront toléré ou favorisé ces pratiques. »

« Il importe (...) de ne jamais lâcher la bride à des actes de vengeance individuelle ou collective, ni laisser la conduite des opérations des éléments (...) irresponsables »

Quelques mois après, l’un de ses successeurs au gouvernement général, Roger Léonard, adresse le 4 mars 1952, une circulaire si le maintien de l’ordre aux préfets susceptibles d’appeler les forces armées en renfort

« Ces missions, écrit-il, doivent  tre menées au plus juste prix et dans l'esprit que l'adversaire du moment n'est pas un ennemi, mais un compatriote momentanément égaré. Il importe notamment de ne jamais lâcher la bride à des actes de vengeance individuelle ou collective, ni laisser la conduite des opérations à des éléments certes bien intentionnés, mais irresponsables ouq mal informés. »

« Une fois l'ordre et la sécurité rétablis, ajoute encore Roger Léonard, qui dit faire le plus grand cas de la mission accomplie par les officiers de renseignement en faveur d’une étroite collaboration entre la population civile et la force armée, il ne doit y avoir de sanctions que par les voies normales de la justice. »

Ce thème récurrent de la « torture » (l’expression est de Marcel Edmond Naegelen) ou des « actions plus énergiques » (le vocable est de Roger Léonard) va, des années après, traverser toute la durée de la guerre.

Chargée par l'autorité civile du maintien de l'ordre, notamment dans les grandes villes, comme Alger, où se dissimule la « rébellion », l'année, arguant de la nécessité d'avoir du renseignement sur des attentats en préparation pour épargner des victimes potentielles, pratique la torture, pudiquement dénommée « méthodes de coercition » et la « corvée de bois », c'est-à-dire des exécutions sommaires.

En mars 1959, le général Jacques Massu, qui exerça la fonction de préfet d'Alger, puis celle de commandant le corps d'armée d’Alger pendant la « bataille » d’Alger, a édicté une « directive générale sur la guerre subversive » qui codifiait les façons d'interroger les suspects. Il s'est appliqué à lui-m me la « gégène » - des électrodes appliquées à des parties du corps - qui fut utilisée dès 1956 et dont il a prétendu, à plusieurs reprises, qu' « elle était la meilleure méthode pour obtenir rapidement des renseignements ».

Le texte de cette directive ne figure pas dans les documents rendus publics, qui s'arrêtent à fin 1954. On sait (Le Monde du 25 octobre 1995) que le numéro 200 (septembre 1995) de la Revue historique des armées en a diffusé le contenu, mais sans son annexe qui se rapporte aux « méthodes de coercition » et qui n’a pas été archivée selon les spécialistes.

Jacques Isnard


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Le Monde, 5.2.1999

La France entrouvre les archives militaires secrètes de la guerre

Jacques Isnard

LE GOUVERNEMENT français de l'époque - le président du conseil était Pierre Mendès France, et le ministre de l’intérieur, directement concerné, était François Mitterrand - n'avait pas, en novembre 1954, lorsque l’insurrection a éclaté en Algérie, une connaissance exacte de la situation dans ces trois départements outre-Méditerranée. En butte à des luttes intestines, les services de renseignement civils et militaires iront as été en état de présenter une analyse consensuelle et crédible qui puisse emporter la conviction des dirigeants. Ce diagnostic résulte d’un travail de longue haleine qu'une équipe de chercheurs, universitaires et officiers témoins de la guerre d'Algérie publie, sous couvert du Service historique de l'armée de terre (SHAI), à partir du dépouillement de cent soixante cartons de documents secrets, accessibles au château de Vincennes, pour la période du 10 mars 1946 au 31 décembre 1954.

LA « TOUSSAINT ROUGE »

Survenant après un premier tome paru en 1990 et consacré à la période 1943-1946, ce second volume de 1024 pages, intitulé La Guerre d'Algérie par les documents, a ceci de particulier qu’exploite les documents officiels qui annoncent ce que, plus tard, on devait appeler la « Toussaint rouge », à savoir le soulèvement, à partir de novembre 1954, des populations les plus déterminées contre la présence française. La guerre prit fin par les accords d'Evian en mars 1962. Il s'agit d'analyses qui émanent de l'état-major de la Xe région militaire (l’Algérie, selon le découpage territorial du haut commandement à l’époque) et de rapports ou de bulletins rédigés par les services de renseignement tels que le 2e bureau et le service des liaisons nord-africaines (SLNA), qui dépend du gouvernement général de l’AIgérie (l’institution qui symbolise alors le pouvoir politique).

Au sein des services civils, qui s'ignorent parfois pour des raisons de cloisonnement, et en parallèle à la direction de la surveillance du territoire (DST) et aux renseignements généraux (RG), qui traquent l'action clandestine en Algérie à partir de leurs enquêtes, en métropole, la plus perspicace des institutions chargées d'informer le gouvernement général a été le SLNA, dirigé par le colonel Paul Schoen. Il sera le seul - grâce à des données recueillies sur place – à risquer à chaud des interprétations pénétrantes et prospectives. A base d'anciens officiers des affaires musulmanes, le service dispose d'un fichier, constamment mis à jour, de huit mille noms d'informateurs répartis dans le pays.

C’est le SLNA qui, le premier, dès mars-avril 1954, soit quelque six mois avant le début de l’insurrection, décrit les rouages d'une nouvelle organisation: le Comité révolutionnaire pour

 

Des documents accessibles sous certaines conditions '

Créé en 1668 par Louvois, alors secrétaire d’etat à la guerre, et dirigé aujourd'hui par le général André Bach, le Service historique de l'armée de terre (SHAT) assume une mission de service public: Il est destinataire des archives de l’armée de terre et du secrétariat général de la défense nationale (SGDN), à l'exception de celles de la marine, de l'armée de l’air et de la gendarmerie. A cette fin, le SHAT détient l’équivalent de 45 kilomètres d’archives linéaires du ministère de là défense, souvent consultables sur place ou, bientôt, par Internet. Sur dérogation spéciale du ministre de la défense, il peut s'affranchir de la loi qui réglemente l'ouverture des archives trente ou soixante ans après les événements auxquels elle se réfèrent.

Les recherches ont été orientées récemment vers trois zones privilégiées: l’Afrique du Nord (et, donc, la guerre en Algérie) l’Europe de l’Est et l’Allemagne. Sous certaines conditions, les dossiers sont accessibles au château de Vincennes.

l’unité et l’action (CRUA), qui donnera naissance, en octobre de la même année, au Front de libération nationale (FLN). Le SLNA avertira, en septembre, que le CRUA crée des cellules d'action directe, portées à la violence, et qu’il a obtenu le ralliement de nationalistes algériens exilés au Caire, dont Ahmed Ben Bella, l’un des leaders de la rébellion et le futur premier président de l'Algérie. Le SLNA aura beau prédire, à partir d'indices précurseurs, que l'agitation, observée ici ou là, d'hommes décidés va déboucher sur une action clandestine une fois qu’elle se sera organisée, ses synthèses n'en finiront pas moins dans les armoires métalliques de l’administration - qui les ressort, une fois par an, sous la forme d'un ouvrage soigneusement relié.

En revanche, nombre des rapports des services spécialisés de l'année - comme le 2e bureau de l’état-major de la Xe région militaire, qui couvre les trois départements algériens, ou les commandements , qui lui sont; subordonnés - n'ont pas brillé par leur lucidité ni par leur prémonition des événements. Ils sont souvent en retard ou incomplets.

Un tel constat s'explique. L’armée 1954 est, pour les armées françaises, l'année de la défaite de Dien Bien Phu, en Indochine, qui retentit sur leur moral et qui, en même temps, leur inspire de la méfiance envers les « troupes indigènes », notamment les soldats issus du Maghreb, qui les ont accompagnées dans les rizières. Les événements en Tunisie et au Maroc, qui revendiquent leur indépendance, préoccupent en priorité les chefs militaires. La situation et les escarmouches qui s'ensuivent aux confins algéro-tunisiens et algéro-marocains mobilisent leur attention. Ils sont en effet obnubilés par la faiblesse du dispositif de défense. Il n'y a véritablement que vingt mille hommes, non compris les gendarmes, en état de participer au maintien de l'ordre puisque, depuis la fin de la seconde guerre mondiale et contrairement aux textes en vigueur en métropole, le pouvoir a autorisé les gouverneurs généraux sur place à faire appel en permanence à la force armée.

Si bien que les états-majors, obsédés par la défense aux frontières, vivent selon l'axiome - certains parleront de fiction - que « l'ordre règne en Algérie » depuis la sévère répression et la reddition, à grand spectacle, d'une première insurrection en 1945, dans le Constantinois.

ILLUSIONS DES ÉTATS-MAJORS

Mais le dépouillement des dossiers secrets du 2e bureau montre que les responsables dans les états-majors s'entretiennent d’illusions ou, plutôt, qu'ils ont du mal à percevoir la réalité mouvante sous leurs yeux et, singulièrement, le tournant de 1954. En octobre encore, les chefs militaires sur place et leurs collaborateurs en restent à une analyse qui commence à dater et qui se repaît des conflits de personnes et de la lutte des clans au sein du Mouvement pour le triomphe des libertés démocratiques, (MTLD), conduit par le leader charismatique Messali Hadj, et de sa dissidence, le Parti du peuple algérien (PPA), animée par l'un de ses anciens associés, Hocine Lahouel. Certes, ces deux organisations sont à l’origine des thèses qui prônent l'indépendance. Mais l’année 1954 verra la montée du CRUA, puis du FLN, et le 2e bureau mettra du temps à tirer la sonnette d'alarme, avec pratiquement un mois de retard sur le SLNA - qui en est déjà à prévoir le soulèvement.

Il faut attendre une note du 9 décembre 1954, quarante jours après le déclenchement des attentats de la « Toussaint rouge » qui donne le signal de la guerre de libération, pour que le 2e bureau observe que les « bandits » se révèlent être des «révolutionnaires algériens ».

Les archives de l'armée ne constituent pas en soi la vérité d'Etat sur cette période. Elles ont besoin d'être complétées, confirmées, démenties par d'autres sources qui, pour l'instant, ne sont pas consultables. En particulier, il conviendra de pouvoir accéder aux archives réservées du ministère de l’intérieur, et notamment celles des différents services de police.

Jacques Isnard


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Le Monde, 5.2.1999

Une Expérience fictive de bombe nucléaire en Oranie

Jacques Isnard

EN FÉVRIER-MARS 1954, à l’occasion d’une manœuvre à proximité de la frontière algéro-marocaine, les armées françaises simulent une guerre atomique devant des représentants - des attachés militaires américains et britanniques - de l'OTAN et en présence du colonel Charles Ailleret, le « patron » des armes spéciales, qui allait devenir chef d'état-major des armées et l’un des responsables militaires les plus écoutés du général de Gaulle en matière de dissuasion. A l’époque, les Français ignorent tout des desseins nucléaires de leur pays, qui allaient se préciser avec la décision, à la suite de cet exercice secret, de lancer le plan K 103. Celui-ci instaure une direction des applications militaires (DAM) au Commissariat à l’énergie atomique (CEA), puis un comité des explosifs nucléaires.

Le 28 mai 1954, le général Callies, qui commande la dixième région militaire en Algérie, adresse au secrétaire d’Etat à la guerre, Pierre de Chevigné, dans le gouvernement de Joseph Laniel, un rapport censé tirer « les enseignements des manœuvres au sujet de la guerre atomique ». Il s'agissait de mesurer les conséquences, de l’explosion - fictive - d'une bombe de 20 kilotonnes (la puissance dégagée à Hiroshima) « lancée par un avion à 600 mètres d'altitude » sur une troupe dispersée, de façon à ne perdre, le cas échéant, qu'un bataillon, un groupe d’artillerie, voire un escadron dans un cercle de 4 kilomètres de diamètre de destruction.

Selon le général Callies, « les conséquences de cette révolution sont fantastiques». «L'explosif chimique a vécu», observe-t-il. Tous les projectiles doivent être désormais chargés en explosif nucléaire. Les progrès réalisés depuis un an dans l'explosif thermonucléaire promettent la réalisation de toute la gamme nécessaire de projectiles, à brève échéance ( ... ). Plus que jamais, c'est le plus rapide et le plus souple qui gagnera. C'est aussi, conclut le patron des armées en Algérie, le plus souple d'esprit qui s'adaptera le plus vite aux nouvelles formes de la guerre et saura préparer la guerre atomique, et non prolonger jusqu'à la catastrophe les formes dépassées de la guerre dite classique. »

CENTRES FERMÉS EN 1966

Ni la population, ni la troupe mobilisée par cet exercice en Oranie ne seront informées de cette expérimentation confidentielle. Ce qui semble évident, en revanche, c'est que le gouvernement de Pierre Mendès France, qui succédera au gouvernement Laniel en juin 1954, va secrètement lancer un programme nucléaire qui sera marqué, la même année, par l’ouverture du chantier, à Marcoule (Gard), du premier réacteur à uranium naturel et, en 1960, par l'explosion de la première bombe française à fission.

Sous la IVe République, puis sous la Ve, et jusqu’à la fermeture des centres d’essais du Sahara en 1966 et avant l'ouverture des sites en Polynésie, l’Algérie, devenue indépendante en 1962, restera la base discrète des expériences nucléaires françaises avec l’accord des autorités locales.

Jacques Isnard


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Deutsch-Französisches

Die Zeit, 4.2.1999

Verrat von Osten

Immer mißtrauischer blicken die Franzosen auf Deutschland

Jacqueline Hénard

Vor zwei Wochen ist der deutsche Umweltminister in Paris gewesen. Aufgetreten ist er mit einem linksnationalen Gehabe, das die Franzosen von ihrem Innenminister kennen - und bei Deutschen gar nicht schätzen. Die konservative Tageszeitung Le Figaro sprach ihrem Leitartikel von "le diktat"; ein Begriff, der unmißverständlich auf das Münchener Abkommen von 1938 anspielt. "Ist Deutschland gefährlich?" fragte wenige Tage später Christian Saint-Etienne in einer Kolumne für das Wochenmagazin L‘Express. Saint-Etienne ist ein brillanter junger Ökonom und Publizist; politisch wird er vage der bürgerlich-liberalen UDF zugeordnet.. In einer scharfzüngigen Skizze porträtiert er das "neue" Deutschland als rücksichtslose Wirtschaftsnation, die ihren einstigen Partner Frankreich innerlich längst abgehängt habe. Die Frage von Wiederaufarbeitung und Schadenersatz ist da nur ein zusätzliches Symptom.

Ein asymmetrisches Kräfteverhältnis zwischen beiden Staaten aber habe in den vergangenen zwei Jahrhunderten immer katastrophale Folgen gehabt, schreibt Saint-Etienne. Frankreich sei heute in einer Position der Schwäche, seine Banken und Unternehmen seien unterkapitalisiert, und in der Politik herrschen seit zehn Jahren eine Entscheidungskrise. Deutschland dagegen habe Osteuropa als politisches Handlungsfeld hinzugewonnen. Die Berliner Republik stehe für ein "natürliches Einflußgcblet von 180 Millionen ", die allesamt an "germanische Befehlsgeber" gewohnt seien. Saint-Etienne erinnert an die Ruckzuckmanier, mit der die Frankfurter Börse im Juli 1998 eine Allianz mit London geschlossen hat, obwohl sie doch seit einem Jahr mit Paris verhandelte. Einen ähnlichen Schock lösten wenige Monate später die Verhandlungen zwischen Dasa und British Aerospace aus.

Deren Fusionsversuch wird in Frankreich auch nach seinem Scheitern noch als gemeiner Verrat der Deutschen erlebt. Man habe den Eindruck einer "neuen deutschen Arroganz", sagt der liberale Ökonom und Kommentator Elie Cohen. In internationalen Diskussionsrunden sei bei den deutschen Teilnehmern eine grenzenlose Bewunderung des angelsächsischen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells festzustellen. Das kontinentaleuropäische Modell werde wie ein Stück lästige Vergangenheit behandelt.

Die neue Bundesregierung und der bevorstehende Hauptstadtumzug nach Berlin sind in Frankreich Anlaß für eine Reihe freudloser Betrachtungen zur Zukunft der deutsch-französischen Beziehungen. Die Autoren, das ist bemerkenswert, sind allesamt nach dem Krieg geboren und gehören auch in anderer Hinsicht zu einer neuen Generation: In den etablierten deutsch-französischen Gesprächskreisen sind sie bislang nicht aufgefallen. Dort herrschten bis zuletzt allerdings auch die apparatschiks du franco-allemand, wie ein französischer Historiker sie genannt hat.

Zu den neuen Stimmen zählt auch die Pariser Germanistin Yvonne Bollmann. Sie hat vor wenigen Wochen ein Buch mit dem Titel Die deutsche Versuchung veröffentlicht. Gestützt auf eine erschöpfende Zeitungsdokumentation, fordert sie, die deutsche Gefahr endlich zur Kenntnis zu nehmen. Manche ihrer Betrachtungen grenzen freilich ans Delirium. Etwa, wenn sie aus dem Vergabesystem für die neuen fünfstelligen Postleitzahlen Hintergedanken zur späteren Eingliederung Elsaß-Lothringens, Schlesiens und des Sudetenlandes herausliest: Die Postleitzonen 05, 11, 43 und 62 lägen an den entsprechenden Grenzabschnitten und seien nicht vergeben.

Diese Ideen entnimmt Frau Bollmann übrigens einem Leserbrief im Neuen Deutschland. Das Buch von Yvonne Bollmann ist über eine Auflage von 5000 Stück nicht herausgekommen. Von ihrem Verlag ist zu hören, Frau Bollmann werde viel zu Vorträgen und Lesungen eingeladen. Sie selbst sei entsetzt, wie stramm rechts die Zuhörerschaft sei. Im Saal seien aber regelmäßig auch viele junge Leute.

Allerdings erinnern die Think Tanks des französischen Außenministeriums daran, daß Frankreich von 1993 bis 1995 kaum einen Gedanken an Deutschland verschwendet habe. Die gesamte politische Klasse sei durch die Vorbereitung der Präsidentschaftswahl wie gelähmt gewesen. Frankreich habe es in der Europapolitik an Phantasie und Gestaltungswillen fehlen lassen. Nach der Wahl, so die Selbstkritik weiter, habe Chirac selbstherrlich nicht nur die Durchführung der allerletzten Nukleartests, sondern auch die Abschaffung der Wehrpflichtarmee beschlossen.

Die "uneleganten Schlittschuhparaden" der neuen deutschen Bundesregierung hätten in Frankreich sogar erlösend gewirkt. "Wir leiden Deutschland gegenüber an Minderwertigkeitsgefühlen. In dieser Tolpatschigkeit konnten wir uns wiedererkennen." Schwierigkeiten mit dem sich wandelnden Deutschland hätten vor allem die sogenannten Bo-Bos, autoritär strukturierte "Bolscho-Bonapartisten" von links und rechts, die Frankreich immer im Glanz seiner Geschichte spiegeln möchten.

Der europäische Terminkalender ist vollgepackt mit konfliktträchtigen Entscheidungsnotwendigkeiten: Die Reform der Agrarpolitik, der neue Haushaltsplan, Osterweiterung und institutionelle Reformen. Im Élysée, dem Amt des neogaullistischen Staatspräsidenten, sehnt man sich gelegentlich nach dem beruhigend gefühligen Stil Helmut Kohls zurück. Kohl, da war man sich sicher, habe sich "am Ende immer für Europa entschieden, auch wenn es etwas teurer war."

Deutsche Arroganz

fürchten die Franzosen; und neuen Wilhelminismus. Die Berliner Republik habe im Osten ein Einflußgebiet, das an "germanische Befehlsgeber" gewöhnt sei

Aber auch in der rosa-rot-grünen französischen Regierung macht die größere ideologische Nähe zur neuen Bundesregierung nicht alles wett. Die Konflikte sind auf dem Tisch. die Aussöhnungsrhetorik der Nachkriegszeit gilt nicht mehr. Ein neuer Ton ist nicht gefunden. Man zweifelt, ob die Deutschen wirklich danach suchen. Und niemand weiß zu erklären, warum gleichzeitig in der Wirtschaft, in den deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen, ein so schlechtes Klima herrscht.


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Le Monde, 17 janvier 1999

Les Allemands, Berlin et la mémoire de la Shoah

Daniel Vernet

C'EST un terrain vague de 20000 mètres carrés, au centre de Berlin, entre la porte de Brandebourg et la Potsdamer Platz, un no man's land où naguère courait le mur, un point de passage entre le quartier des affaires ultramoderne, encore en chantier, et les bâtiments gouvernementaux qui sortent de terre. C'est ce terrain que Helmut Kohl avait choisi pour accueillir le Mémorial aux victimes de la Shoah (les Allemands disent Holocauste) suggéré par une initiative spontanée de citoyens berlinois. Il avait fallu dix ans de discussions pour aboutir à une décision et au choix d'un projet. L'ancien chancelier avait retenu l'idée de deux Américains, l'architecte Peter Eisenman et le sculpteur Richard Serra: un labyrinthe de 120 mètres de long sur 90, hérissé de 4000 piliers. Comment rappeler la mort de six millions de juifs au milieu de l'ancienne capitale du Reich? Un monument peut-il être cette marque au fer rouge dont parlait Nietzsche, car "seul ce qui n'arrête pas de faire mal reste dans la mémoire"? Les controverses n'ont pas cessé depuis la décision de Helmut Kohl, vigoureusement contestée pendant la récente campagne électorale par le futur ministre de la culture, Michael Naumann. Il ne voulait pas de ces pieux enfoncés dans le coeur de la capitale de l'Allemagne. Il ne pouvait être soupçonné, comme certains adversaires du projet, de refuser ce rappel permanent des atrocités du IIIe Reich, mais il préconisait d'autres manifestations de la mémoire: musée, bibliothèque, centre de recherche sur la Shaoh, soutien financier au projet existant par ailleurs d'une "topographie de la terreur", qui montrera et expliquera aux visiteurs les différents lieux de l'horreur nazie. Le débat est-il enfin tranché? Le chef du groupe parlementaire au Bundestag, Peter Struck, a annoncé, vendredi 15 janvier, qu'un compromis avait été trouvé entre le ministre et l'architecte: le monument sera réduit; il ne restera plus que 1500 pieux, pour laisser une place au musée souhaité par Michael Naumann. L'espace muséographique et le centre de recherche seront conçus avec l'aide du Musée de l'Holocauste de Washington et du Mémorial Yad Vashem à Jérusalem. Le Bundestag, à qui reviendra la décision finale, votera au cours du printemps. Réservé sur l'idée de musée, le président du Conseil central des juifs en Allemagne, Ignatz Bubis, a cependant déclaré: "J'ai toujours laissé à d'autres la décision sur le Mémorial de l'Holocauste. Si on en a décidé ainsi, eh bien, c'est ainsi! Je peux m'en accommoder. " Il était grand temps que cette discussion prenne fin. Car au-delà des appréciations divergentes provoquées par le projet Eisenman ou des polémiques bureaucratiques entre administrations concurrentes, le débat sur le Mémorial se poursuivait dans un climat de plus en plus malsain. Il ne pouvait être isolé de la controverse soulevée par l'écrivain Martin Walser, avec son discours contre la repentance imposée et le chantage à Auschwitz, ou des gloses sur la "normalité" retrouvée de l'Allemagne, sur une République de Berlin émancipée succédant à une République de Bonn sous tutelle. Champ de piliers ou musée, le Mémorial illustrera la phrase de l'historien Eberhard Jäckel: "Les Allemands ont été libérés de Hitler, mais ils ne sont près d'en être débarrassés."

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TAZ,  16.2.1999

Ausverkauf der Firma Frankreich

Dorothea Hahn

Jospin spricht nicht mehr von den ungeliebten Privatisierungen, gibt aber mehr Staatsunternehmen in Privathand denn je. Trotzdem bleibt der Aufstand aus - unter anderem wegen der kommunistischen Minister  

 

Vollmundig versprachen die französischen SozialistInnen und KommunistInnen im letzten Wahlkampf: "Wir werden den Privatisierungsprozeß stoppen." 20 Monate nachdem sie mit diesem Slogan, und zusammen mit den Grünen, in die Regierung kamen, ist heute der Ausverkauf des einstmals großen staatlichen Sektors Frankreichs in vollem Gang.

In Rekordzeit verscherbelten die Pariser Linken staatliche Schmuckstücke aus den unterschiedlichsten Bereichen. Jüngstes Beispiel ist die Privatisierung der Rüstungsschmiede Aerospatiale - eine Voraussetzung für die Bildung eines Luftfahrtkonzerns zusammen mit der DaimlerChrysler- Tochter Dasa. Direkt vorausgegangen sind die Kapitalöffnungen bei der staatlichen Luftfahrtgesellschaft Air France sowie der Bank Crédit Lyonnais. Weiterhin schickten die Rot-Rosa-Grünen so unterschiedliche Unternehmen wie den weltweit viertgrößten Telekommunikationsanbieter France Télécom, den Unterhaltungselektronikhersteller Thomson Multimédia, die Bank CIC und die Versicherung GAN an die Börse. Demnächst steht die Privatisierung auch der Gas- und Elektrizitätsbranche bevor.

Schon jetzt haben die Rot-Rosa-Grünen in Paris Verkäufe im Wert von weit über 100 Milliarden Franc sichergestellt. Wenn sie weiter so wirtschaften können wie geplant, werden sie mit dem Ausverkauf des Staatsbesitzes bis zum Sommer 210 Milliarden Francs eingenommen haben. Damit wird Jospin in seiner Amtszeit die letzten drei konservativen Regierungen zusammen übertreffen, die in sechs Jahren "bloß" Privatisierungen im Wert von 226 Milliarden Franc geschafft haben.

Im Gegensatz zu seinem glücklosen konservativen Amtsvorgänger Alain Juppé, der mit jedem neuen Privatisierungsversuch einen Sturm des Entsetzens auslöste und dessen Reformvorhaben für die Staatsbahn SNCF im Winter 1995 zu dem längsten Streik seit den Tagen der 68er Bewegung geführt hatten, ist der sozialistische Premierminister Lionel Jospin bislang bei seinem Ausverkauf der Firma Frankreich auf keinen nennenswerten Widerstand gestoßen.

Die linke Regierung versteht es, ihre Privatisierungspolitik zu vermitteln. Während Jospin selbst den Begriff "Anpassungen" und die Rede von "linkem Realismus" bevorzugt, spricht sein Parteifreund, Wirtschafts- und Finanzminister Dominique Strauss-Kahn, von "Kapitalöffnungen". Das Reizwort "Privatisierungen" haben die Rot-Rosa-Grünen aus ihrem Vokabular gestrichen.

In den meisten Fällen behält der Staat eine Sperrminorität des Kapitals. Aber das hatten auch die vorangegangenen konservativen Regierungen nicht anders geplant.

Hilfreich für die Umsetzung der linken Privatisierungspolitik ist auch die Präsenz von drei KommunistInnen in der Regierung. Der kommunistische Transportminister Jean-Claude Gayssot stellte sich zu Anfang seiner Amtszeit der Öffentlichkeit mit den Worten vor: "Ich werde kein Privatisierungsminister sein." Bei seinen ehemaligen EisenbahnerkollegInnen ist er immer noch beliebt. Obwohl seine Regierung die Regionalisierung der SNCF nicht rückgängig gemacht hat, die sozialistische (und damals oppositionelle) PolitikerInnen bei ihrer Einführung im Jahr 1996 noch als "Weg zur Privatisierung" kritisiert hatten.

Lob für seine Privatisierungen bekommt Jospin von der EU- Kommission und von konservativen Politikern. "Man muß einfach anerkennen", sagte der frühere Premierminister und heutige Bürgermeister von Lyon, Raymond Barre, "daß gewisse Maßnahmen durchgehen, weil die Linke regiert. Und die ruft eben nicht dieselben Reaktionen hervor wie Juppé, der dasselbe getan hat."

taz Nr. 5763 vom 16.2.1999 Seite 8 Wirtschaft und Umwelt 115 Zeilen
TAZ-Bericht Dorothea Hahn
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Die Zeit, 3.12.1998

Noch gibt es keine europäische Erinnerung

Die Franzosen beschäftigen sich allein mit ihrer nationalen Geschichte

MARC-OLIVIER PADIS

 

Paris - Eine Vergangenheit, die nicht vergeht: Mit diesen Worten läßt sich der Streit um die Erinnerung, besonders an den letzten Weltkrieg, umreißen, der seit einigen Jahren in Frankreich wieder zutage tritt. Tatsächlich verläuft unsere Beziehung zur Erinnerung an diesen Krieg in zwei Richtungen: Einerseits streiten wir voller Leidenschaft über unsere nationale Geschichte; auf der anderen Seite jedoch verhalten wir uns gegenüber der Geschichte unserer Nachbarn äußerst reserviert oder zumindest bemerkenswert diskret. Wir denken die europäische Geschichte also zunehmend in nationalen und immer weniger in internationalen Termini. Das schwache Echo in Frankreich auf die Polemik um Martin Walsers Rede ist nur ein weiterer Beweis dafür. Wie läßt sich dieser eigenartige Gegensatz erklären?

Ironie fällt leicht angesichts der bedauerlichen Schwerhörigkeit, die uns da befällt. Entwickelt diese sich nicht im gleichen Maß, wie die Elogen auf die "globale Kommunikation" zunehmen? Je stärker wir untereinander vernetzt sind desto provinzieller werden unsere Diskussionen. Je mehr wir uns lautstark über unsere eigene Geschichte streiten, desto weniger beachten wir ähnliche Debatten bei unseren Nachbarn.

Tatsächlich diskutieren wir heute weniger über den Krieg als über das Andenken der Opfer, weniger über die auf dem Feld der Ehre Gefallenen als über die Schoah. Folglich ist es nur logisch, daß wir uns fragen, welchen Platz wir diesen zivilen Opfern in unserer nationalen Geschichtsschreibung geben wollen, wie wir das Andenken dieser Verschwundenen besser als bislang ehren. In Frankreich wurde die Vernichtung der Juden nach dem Krieg außer acht gelassen und einfach als ein Teil patriotischen und nationalen Opfers betrachtet. Erst langsam und zögernd wird uns Franzosen die zentrale Rolle der Schoah in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges bewußt.

Natürlich ist diese Erinnerungsarbeit in nationalem Rahmen zu leisten. Die Auseinandersetzungen um dieses Erinnern und den Umgang damit sind nicht akademischer, sondern politischer Natur. Denn sie berühren die nationalen Identitäten. Tatsächlich gilt es nicht, Fakten zu erarbeiten oder Wissen zu erweitern, sondern gemeinsam zu überlegen, welchen Stellenwert man der Vergangenheit im nationalen Leben einräumen will.

Das läßt sich eben wieder an der Debatte um das Andenken des Widerstandskämpfers Jean Moulin ablesen. Moulin steht nicht nur deshalb in den Schlagzeilen, weil neue "Paparazzi der Geschichte" – wie der Historiker Pierre Nora es ausdrückte – begriffen haben, welchen Nutzen sie aus seinem Schicksal ziehen konnten, sondern weil hinter der Frage nach dem Heldentum Moulins jene andere nach der Möglichkeit eines originär republikanischen Heldentums sichtbar wird. Die Erforschung der Verhaftung Moulins ist nicht nur fürs Archiv; sie umfaßt die Suche nach dem Verräter; sie verweist also auf die Verwundung der nationalen Erinnerung – Widerstandskämpfer und Verräter – eine ständig neu kaschierte und neu aufbrechende Spaltung. Bleiben uns noch große Männer, und können wir sie weiterhin bewundern? Haben wir das Andenken der Opfer angemessen geehrt? Und wie lenken wir unsere Erinnerungsarbeit?

Was haben Nachbarn in der Auseinandersetzung um die Vergangenheit einander zu sagen? Wie kann man vom Ausland aus in eine derartige Diskussion eingreifen? Soll man dem anderen gute Lehren erteilen oder zwischen den verschiedenen Auffassungen entscheiden? Wir wissen nur zu gut, denn so haben es die Franzosen jahrelang gehalten, daß die Versuchung groß ist, die eigene Erinnerung zu entlasten, indem man die anderen an die Fehler ihrer Vergangenheit erinnert. In Frankreich wurden aber die Grenzen einer Haltung sichtbar, die die europäische Dimension des Krieges eher vergißt, um sich allein der Politik von Vichy und ihrer Ideologie zu widmen - als ob diese nicht völlig durch die militärische Niederlage bestimmt wäre, die Pétain an die Macht brachte.

Es gibt eine europäische Geschichte, kann es auch eine europäische Erinnerung geben? Man begreift, wie sehr inmitten dieser besonderen Diskussion eine solche Frage nicht nur mit dem Diskurs der Versöhnung zusammenhängt, so notwendig dieser sein mag, und auch nicht mit prinzipiellen Erklärungen oder dem guten Willen. Wir entdecken vielmehr, daß ein Andenken an unsere Vergangenheit sich nicht auf offizielle Erklärungen beschränkt und auch nicht auf die historische Arbeit oder das Eingreifen der Justiz. Ein Teil in unserer kollektiven Erinnerung hängt mit Konfrontation zusammen. Erst so wird sie lebendig.

· Der Autor ist Mitarbeiter der Zeitschrift "Esprit"


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